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DOKU-THEATER: Putzfrauen lassen sich die Würde nicht nehmen

Sie waren die Publikumslieblinge am Zürcher Theaterspektakel 2016: Die griechischen Putzfrauen, die tanzend und singend mit rohem Charme über Migration und Ausbeutung erzählten. Kommende Woche sind sie in Schaan zu sehen.
Mit Charme fegen sie den Rassismus weg. (Bild: Christian Altorfer/ZTS)

Mit Charme fegen sie den Rassismus weg. (Bild: Christian Altorfer/ZTS)

«Nach der Vorstellung will ich keine Kaugummis unter den Stühlen sehen. Denken Sie an die Putzfrauen.» Wie sie das mit einer Mischung aus Erschöpfung und Befehlston sagt, signalisiert: Ich bin eine echte Putzfrau. Ihr grauer Arbeitskittel unterstreicht es noch. Aus Moldawien kam sie vor zwanzig Jahren nach Griechenland. Vier Kolleginnen steigen zu ihr auf die Bühne: die Architektin von den Philippinen, die Politologin aus Albanien, die Hausfrau aus Bulgarien, die junge Südafrikanerin. Weil nicht nur in Griechenland fast ausschliesslich Migrantinnen als Putzfrauen arbeiten, wird dieses schmissige Doku-Theater auf Griechisch mit Übertiteln überall in Europa zum Erfolg. Drita, Mabel, Rositsa, Fredalyn und Valentina erzählen ­offenherzig und selbstbewusst von Familie, Heimat, geplatzten Träumen und wie man trotzdem die Würde behält.

Mit Stolz gegen fremdenfeindliche Schlagzeilen

Die Bühne ist ein Container mit drei Zimmern: Bügelbrett in der Mitte, rechts ein Sofa, links ein Bücherregal. Verschmitzt und mit rauem Charme erzählen und singen sie von den Gründen der Migration und von ihrer Ankunft («Als wären wir Ware auf dem Markt») bis zur aktuellen fremdenfeindlichen Stimmung in Griechenland. Die rechtsnationale Partei Goldene Morgenröte will das Land seit Jahren von den Migranten «säubern».

Die griechische Doku-Performance «Clean City» von Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris hält mit konsequentem Humanismus dagegen. Die Frauen kamen aus der Perspektivlosigkeit ihrer Länder als Haushalthilfen nach Athen, teils ohne Aufenthaltsbewilligung. Sie schufteten in miesen Arbeitsverhältnissen mit Lohndrückerei («Die Krise traf die Migranten zuerst»). Manche liessen ihre Kinder in ihrer Heimat zurück und kümmern sich nun um die Kinder ihrer Arbeitgeber. Warum das auf der Bühne funktioniert und das Publikum nicht nur am Theaterspektakel zum Jubeln bringt? Wohl weil sich Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit von Lebensbeschreibung mit Selbstironie der zu Freundinnen gewordenen Frauen verbindet. So einfach und wirkungsvoll kann Theater sein: Menschlichkeit gegen fremdenfeindliche Schlagzeilen.

Hansruedi Kugler

hansruedi.kugler@tagblatt.ch

17.1., 20 Uhr, SAL Schaan

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