Disneyfigur
Die Story hinter dem Bösen: Wer Cruella de Vil war, ehe sie Dalmatiner zu einem Mantel verarbeiten wollte

«Cruella» aus der Küche Disney ist vor allem eins: sehr viel Punkrock. Hier blicken wir in die Vergangenheit einer der grössten Übeltäterinnen der Filmgeschichte. Das bereitet sehr viel Spass ‒ mit wenig Abzügen.

Daniel Fuchs
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Sehr viel Punk und tut dem Film gut: Emma Stone als Cruella de Vil.

Sehr viel Punk und tut dem Film gut: Emma Stone als Cruella de Vil.

Bild: Disney/AP

Gibt es böse Menschen, denen bewusst ist, dass sie böse sind? Emma Stone glaubt das nicht. «Sie denken, sie tun das Richtige», sagte sie in einem Interview mit verschiedenen Medien zu ihrer Rolle als Übeltäterin im Disneyfilm «Cruella». Es ist ein gängiges Rezept: Man nehme einen bekannten Filmstoff, ortet darin eine ikonische und etwas rätselhafte Nebenfigur und schreibt deren Geschichte neu, anders, verwegen.

Das gelang in Filmen wie «Joker» über den gleichnamigen Antagonisten von Batman. Ebenso glatt ging die Rechnung auf in der Serie «Better Call Saul», welche die Vorgeschichte einer Nebenfigur aus der Kult-Serie «Breaking Bad» erzählt – und das Original um Welten überragt.

Gelungen ist es auch jetzt mit Emma Stone als Cruella de Vil, der vielleicht bösesten Frauenfigur der Filmgeschichte, die im Disneyklassiker «101 Dalmatiner» von 1961 Jagd auf Dalmatinerwelpen macht – und deren Felle zu einem ikonischen Mantel verarbeiten will. «Cruella» nun erzählt die Vorgeschichte. Wie kam es zu der bodenlosen Bosheit dieser Frau?

Fast stehlen die Requisiten den beiden Emmas die Show

«Cruella» beginnt im Kindesalter. Estella, so heisst Cruella in ihrem brav-bürgerlichen Leben, landet als Waisenkind im London der 1960er-Jahre auf der Gasse und wird Mitglied einer Kinderdiebesbande. Das rührende Trickdieb-Trio hält zusammen und später, im London der 1970er-Jahre, treiben es Estella und ihre Ganovenfreunde so richtig bunt.

Eigentlich aber träumt Estella davon, Modedesignerin zu werden. Und als es ihrem Kumpan gelingt, sie mit einem Trick in das bekannteste Modehaus der Stadt zu schleusen, nimmt Estellas Leben einen neuen Lauf.

Hier geht's zum Trailer:

Trailer zu «Cruella».

Quelle: Disney Schweiz / Youtube

Die 1970er-Jahre in London erhalten in diesem Film die dritte Hauptrolle neben Emma Stone und Emma Thompson, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen. Die Stadt ist in Aufruhr, die Punkrockrevolution trifft auf eine Noblesse, von niemandem trefflicher verkörpert als von der kaltherzigen, umso stilsicheren Baronesse, der angesagtesten Modedesignerin der Stadt (gespielt von ebendieser Emma Thompson).

Nachdem die Modezarin auf Estellas Talent aufmerksam wird, offenbart sich dieser ein düsteres Geheimnis. Die reizende Estella entpuppt sich mehr und mehr als Cruella, eine Lady der Düsternis, die der Baronesse mit immer ausgefalleneren Designs und Shows einen zerstörerischen Konkurrenzkampf liefert und es ihr heimzahlt.

Weiterer «Cruella»-Franchise geplant

Den beiden Emmas und ihrem gnadenlosen Kampf um die Dominanz auf den Titelseiten der Modezeitschriften schauen wir äusserst gerne zu. Cruellas fiese Maschen kommen bereits zum Vorschein und die spätere Cruella ist in groben Zügen erkennbar. Diese verkörperte 1996 in der Spielfilmadaption des Dalmatiner-Trickfilmklassikers Glenn Close. Sie ist mit der Figur genauso eng verbunden wie der Cruella-de-Vil-Originaltitelsong von 1961.

Und siehe da, Glenn Close hat in «Cruella» ihre Finger mit im Spiel, neben Emma Stone als ausführende Produzentin. Und gegenüber «Variety» verriet sie, dass sie ein Sequel von «Cruella» plane mit der von ihr gespielten Cruella, die diesmal New York heimsuche. Für Glenn Close und eine nach den Dalmatiner-Sequels weitere Cruella-Verfilmung ist Emma Stones fabelhafte Darbietung also die eigentliche Initialzündung.

Ins Kino dafür oder per Streaming?

In «Cruella» gibt es von allem etwas: Coole Kostüme, lauten Punkrock und viel Liebe zum Detail und Humor. Abzüge gibt es einzig für die etwas läppisch wirkenden Spezialeffekte, die nötig wurden für einige Szenen auf dem lebensfeindlichen Landsitz der Baronesse neben einer dunklen Klippe über der tosenden See. Zum Glück aber sind diese Einstellungen sehr kurz im etwas mehr als zwei Stunden dauernden Film.

Bleibt eigentlich nur noch die Frage: Ins Kino dafür (wo der Film ab diesem Donnerstag zu sehen ist) oder beim Streaming bleiben (auf Disney + ist er ab Freitag erhältlich)? Für «Cruella» spricht nun ganz klar der Kinobesuch, da man für den Streamingzugang auf dem hauseigenen Streamingdienst Disney+ wie schon bei «Mulan» letzten Sommer einen zusätzlichen Exklusiv-VIP-Zugang zu 29 Franken hinblättern muss. Das lohnt sich vielleicht zu zweit oder als Familie. Davor sei aber gewarnt: Bei «Cruella» mag zwar Disney draufstehen. Wer darin aber herzige Hundewelpen erwartet, liegt komplett falsch.