Dirigent mit Elementarkraft

Kirill Petrenko begeistert in Bregenz. Der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker kommt in seine alte Heimat und interpretiert mit dem Symphonieorchester Vorarlberg die achte Mahler-Sinfonie.

Martin Preisser
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Dirigent Kirill Petrenko kam für Mahler nach Vorarlberg zurück (hier auf einer Fotografie am Lucerne Festival). Bild: Kai Bienert

Dirigent Kirill Petrenko kam für Mahler nach Vorarlberg zurück (hier auf einer Fotografie am Lucerne Festival). Bild: Kai Bienert

Kirill Petrenko, als Jugendlicher aus Russland nach Vorarlberg gekommen, bleibt seiner Heimat und dem Sinfonieorchester Vorarlberg treu. Wer seine Achte von Gustav Mahler jetzt im Festspielhaus Bregenz gehört hat, wird diese Mischung eines Künstlers, der elementare Kraft und gleichzeitig viel liebevolle Hingabe verbindet, nie mehr vergessen.

Klangmassen ordnen, das sei eigentlich die Hauptarbeit eines Dirigenten bei diesem monumentalen Werk, hat Dirigent Michael Gielen einmal gesagt. Und wie Kirill Petrenko das tut! Er spielt mit diesen Klangmassen wie ein grosser Magier, lässt sie gewaltig sich aufbäumen und wieder zusammenziehen, mit einer packenden, anstachelnden und höchst präzisen Dirigiertechnik. Da zerläuft nichts, und jede lyrische wie dramatische Episode ordnet Petrenko unter ein stets mitgedachtes grosses Ganzes.

Ein bescheidener Shooting Star

Das Symphonieorchester Vorarlberg, der Bregenzer Festspielchor, der Salzburger Bachchor, ein Kinderchor und acht Solisten stehen Petrenko nicht gegenüber, sondern werden sein verlängerter Arm. Unglaublich, mit welcher Kraft er anstacheln, motivieren, beherrschen kann. Ein Shooting Star, der mit 47 Jahren alles erreicht hat, was man erreichen kann, bis zum Chef der Berliner Philharmoniker. Aber gleichzeitig ein Anti-Star, bescheiden, ganz sich der Kraft der Komposition hingebend. In Bregenz spürte man: Unter Petrenkos Händen wird jedes Ensemble Weltklasse, kann einen in Akkuratesse und Geschlossenheit denkwürdigen Mahler kreieren.