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Diesen Sommer buhlen drei Bühnen am Bodensee um Publikum: ein Vergleich

Ob Oper, ob Theater: Das Seeufer bietet sich in diesen Wochen für Bühnen aller Art an. Wir haben uns umgesehen in Steinach, Kreuzlingen und Bregenz. Letztere bietet natürlich das spektakulärste Bühnenbild. Doch die kleinen Seebühnen müssen sich nicht verstecken.
Rolf App
Auf der Seebühne Bregenz darf es immer ein bisschen mehr sein: Neben dem spektakulären Bühnenbild besticht aber auch die Aussicht auf den Bodensee. (Bild: KEYSTONE/Eddy Risch)

Auf der Seebühne Bregenz darf es immer ein bisschen mehr sein: Neben dem spektakulären Bühnenbild besticht aber auch die Aussicht auf den Bodensee. (Bild: KEYSTONE/Eddy Risch)

Bregenzer Festspiele: Bewegt von einer mächtigen Hydraulik und ausgeklügelter Programmiertechnik, hebt und senkt sich der 13,5 Meter hohe Kopf, dreht sich nach rechts und nach links, öffnet den Mund und schliesst ihn wieder. (Bild: KEYSTONE/Eddy Risch)

Bregenzer Festspiele: Bewegt von einer mächtigen Hydraulik und ausgeklügelter Programmiertechnik, hebt und senkt sich der 13,5 Meter hohe Kopf, dreht sich nach rechts und nach links, öffnet den Mund und schliesst ihn wieder. (Bild: KEYSTONE/Eddy Risch)

Bühne Bregenz: Rigoletto macht Gymnastik

Die Szene:

Vier Stunden vor der Premiere herrscht auf der Bregenzer Seebühne mit ihren ausgedehnten Hinterbauten für Darsteller, Stuntleute, Technik, Feuerwehr, Maske und Kostüm rege Betriebsamkeit. Zwei grosse Augäpfel liegen bereit, und eine Wasserleiche, die am Abend noch gebraucht wird in Giuseppe Verdis Oper «Rigoletto». Bewegt von einer mächtigen Hydraulik und ausgeklügelter Programmiertechnik, beugt und streckt sich die eine Hand. Der 13,5 Meter hohe Kopf hebt und senkt sich, dreht sich nach rechts und nach links, öffnet den Mund und schliesst ihn wieder. Rigoletto macht Gymnastik, schiesst es mir durch den Kopf. Bevor es losgehe, müsse jede Bewegung noch einmal getestet werden, erklärt unsere Führerin, während die Stahlwippe über uns hinweg streicht.

Die Bühne:

Mit einer einfachen Skizze des Regisseurs und Bühnenbildners Philipp Stölzl hat alles angefangen. Von einem Team um Wolfgang Urstadt, den technischen Leiter der Festspiele, ist diese Skizze dann zum Leben erweckt worden. Und in der Tat: Dass dieser von schwerem Metall gehaltene und bewegte Kopf und diese Hände nur Holz, Fassadenputz, Styropor und Farbe sind, das vergisst man sehr rasch, so lebendig wirken sie, wenn es denn losgeht und sich der Ballon mitsamt Rigolettos unglücklicher Tochter in die Lüfte erhebt. Da hat Philipp «The Greatest Showman» Stölzl, wie ihn der Wiener «Standard» mit einiger Ironie nennt, wirklich gezaubert.

Rundherum:

Ausserhalb der Saison ist der Platz vor dem Festspielhaus beinahe ausgestorben. Jetzt, während der Festspiele, tummelt sich auf ihm vor den Vorstellungen das bunteste Volk - die Herren in dunklem Anzug oder kurzen Hosen, die Damen auf Highheels stolzierend oder mit Turnschuhen daherschlendernd. Die grosse Oper, sie fängt schon auf dem Vorplatz an.

Und übrigens:

Nehmen Sie sich Zeit. Spazieren Sie über die Uferpromenade und tauchen Sie ein in die Stadt. Lassen Sie sich anlocken von Thomas Schüttes riesiger Skulptur «Drittes Tier» vor dem Kunsthaus oder von den anregenden Ausstellungen im Vorarlberg Museum. Und wenn es zu heiss wird, gönnen Sie sich ein Rigoletto-Eis oder einen Gilda-Drink.

«Rigoletto», Bregenzer Festspiele, bis 18.August 2019

Zwischen Trauerweide und Gredhaus: Die Bühne in Steinach. (Bild: PD)

Zwischen Trauerweide und Gredhaus: Die Bühne in Steinach. (Bild: PD)

Wasserland Steinach: Kleiner Ort, grosse Geschichte

Die Szene:

Für ihr kleines, satirisch eingefärbtes Zwischenspiel zur Frühgeschichte samt einem Bären müssen die Darsteller auf den in die Bühne eingelassenen Schienen eine grosse, drehbare Holzbox nach vorne schieben. Unter der grossen Trauerweide hindurch - und zwar im genau richtigen Timing. Ums Timing geht es dem Regisseur Oliver Kühn an diesem Proben-Abend in Steinach. Freundlich und geduldig, aber durchaus auch streng arbeitet er mit den wenigen Profischauspielern und den vielen Laiendarstellern. Das von Paul Steinmann zum 1250-Jahr-Jubiläum des Ortes verfasste Stück mit dem an Shakespeare sich anlehnenden Titel «WasserLand - ein Sommernachtssturm» lässt Phantasie und Geschichte ineinander fliessen. Und zwar mit Humor. Er bekomme dann noch ein hängendes Auge, wie der Filmschauspieler Charles Laughton, erzählt mir Matthias Peter noch. Er spielt den „Unheiligen Gallus“.

Da war die Seebühne noch im Aufbau: Die Zuschauer nehmen in Steinach auf einer Tribüne Platz. (Bild: Ralph Ribi/Tagblatt)

Da war die Seebühne noch im Aufbau: Die Zuschauer nehmen in Steinach auf einer Tribüne Platz. (Bild: Ralph Ribi/Tagblatt)

Die Bühne:

Mit dem Heiligen Gallus hat der wunderschöne Platz am See einiges zu tun. Hier nämlich ist der irische Wandermönch einst gelandet, hier hat sich lange der Hafen befunden. Es ist ein magischer Ort, denn die grosse, eindrucksvolle Trauerweide dominiert die Bühne, an der Stefan Kreier noch immer eifrig werkelt. Vielseitig verwendbare Holzkuben säumen die Spielfläche, auch einen Steg hat Kreier in den See hinein gebaut. Und einen kleinen Hebekran aus Holz konstruiert. Der Blick geht hinüber nach Arbon, dessen Silhouette als Bühnenhintergrund wirkt.

Rundherum:

Michael Finger spielt als Gredmeister Mathis im Stück eine wichtige Rolle. Gleich nebenan erzählt das wuchtige, mehr als fünfhundertjährige Gredhaus von Steinachs grosser Zeit. Denn als Lagerhaus für Korn und andere Kaufmannsware diente es einem Hafen, dessen Schiffahrts-, Zoll- und Tavernenrechte 1459 an die Stadt St.Gallen verkauft worden waren. Sie zog hier ein Konkurrenzunternehmen zum fürstäbtischen Hafen Rorschach auf, wo Abt Ulrich Rösch sogar ein neues Kloster bauen liess. Doch aufgebrachte Appenzeller, Rheintaler und St.Galler zerstörten es, was 1489 zu einem veritablen Krieg führte. Mit dem Abt - und damit Rorschach - als Sieger.

Und übrigens:

Nehmen Sie sich Zeit. Schlendern Sie dem See entlang und in den Ort hinein. Denn dies ist ein kleiner Ort mit grosser Geschichte.

«WasserLand - ein Sommernachtssturm», Seebühne Steinach, 8.August bis 7.September 2019

Gregor Sturms Kreuzlinger Bühne für Joseph Kesselrings «Arsen und Spitzenhäubchen», einem Evergreen des schwarzen Humors um zwei arglos dahin mordende alte Damen, ähnelt einem Mississippi-Dampfer. (Bild: Mario Gaccioli)

Gregor Sturms Kreuzlinger Bühne für Joseph Kesselrings «Arsen und Spitzenhäubchen», einem Evergreen des schwarzen Humors um zwei arglos dahin mordende alte Damen, ähnelt einem Mississippi-Dampfer. (Bild: Mario Gaccioli)

See-Burgtheater Kreuzlingen: Auf dem Mississippi

Die Szene:

Unter den Premierengästen ist Gregor Sturm nicht zu übersehen, alle überragt der Bühnenbildner mit seiner Grösse. Was unten am Kreuzlinger Ufer zwischen alten Bäumen sich erhebt, das ist sein Werk. Ein Haus, das auf ein paar Holzkisten zu stehen scheint, das aber Erstaunliches kann. Daneben ein paar Tischchen mit Gläsern, angeschrieben mit «Arsen», «Zyankali», «Strychnin». Ein kleiner Scherz wohl von Astrid Keller und Leopold Huber, die das See-Burgtheater mit aktuellem, kritischem Volkstheater in drei Jahrzehnten zum Erfolg geführt haben.

Die Bühne:

Gregor Sturms Bühne für Joseph Kesselrings «Arsen und Spitzenhäubchen», einem Evergreen des schwarzen Humors um zwei arglos dahin mordende alte Damen, ähnelt einem Mississippi-Dampfer. Durch dessen Pendeltüren treten die Schauspieler auf und ab. Mehr noch: Das Haus der alten Damen lässt sich drehen, und zwar mit Menschenkraft. Dann sieht man ins Innere hinein - und in die dunklen Herzen einer kurios mörderischen Familie. Das hat wohl auch jenen Mann neugierig gemacht, der am Premierenabend samt Hund ganz nah vorbei gerudert ist.

Rundherum:

Der Abend ist schön, ruhig plätschert der See. Neben der Bühne kann man vor und nach der Vorstellung verweilen mit Blick hinüber nach Konstanz. Und dabei vergessen, wie gefährlich der Bodensee einst war und wie lebenswichtig über Jahrhunderte als Transportweg über Jahrhunderte. Genau dies bekommt man im Seemuseum gleich neben dem See-Burgtheater gezeigt. Und weil die aktuelle Sonderausstellung zum Transportweg Bodensee im Museum selber nur bis 17 Uhr geöffnet ist, wird sie im Park selber durch eine Open-Air-Ausstellung ergänzt - darin eingeschlossen eine digitale Schnitzeljagd.

Und übrigens:

Nehmen Sie sich Zeit. Schlendern Sie durch den grossen Park, lassen sie See und Natur auf sich wirken. Spazieren sie hinüber zu Schloss und Restaurant Seeburg, zu dessen Füssen ein grosser Garten mit Heilkräutern und Gewürzpflanzen liegt, und vielleicht noch weiter zum Tierpark und zum Hafen. Hier zeigt sich Kreuzlingen, mit 21'500 Einwohnern die grösste Schweizer Stadt am Bodensee, von seiner erholsamsten Seite.

«Arsen und Spitzenhäubchen», See-Burgtheater Kreuzlingen, bis 7.August 2019

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