Diese Gitarren können (fast) alles

Das Eos Guitar Quartet, ein international gefragtes Spitzenensemble, hat alle Gitarrenquartette des in Arnegg lebenden Musikers und Komponisten Jürg Kindle eingespielt. Entstanden ist ein so präzis gespieltes wie mitreissendes Album.

Martin Preisser
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Der Gitarren-Allrounder: Musiker und Komponist Jürg Kindle. (Bild: Ralph Ribi)

Der Gitarren-Allrounder: Musiker und Komponist Jürg Kindle. (Bild: Ralph Ribi)

Ob er die Länder, die ihn musikalisch inspirierten, alle selbst besucht habe, werde er oft gefragt, sagt Jürg Kindle. Er verneint: «Karl May war auch nicht im Wilden Westen und hat uns in seinen Romanen diese Welt trotzdem sehr nahe gebracht.» Heisst: Der Musiker verlässt sich auf die Phantasie, auf seine innere Vorstellung von verschiedenen Stilen. «Vielleicht wäre eine Reise nach Lateinamerika oder Afrika ein wenig, wie wenn man ein Geschenk auspackt. Die Überraschung ist dann irgendwie weg.»

Leidenschaftlicher Allrounder

Jürg Kindle, den man ohne Übertreibung fast als den «Mister Gitarre der Ostschweiz» bezeichnen darf, ist ein Allrounder. Er komponiert, konzertiert und unterrichtet mit Leidenschaft. «Irgendwie gehört das alles zusammen», sagt er. Wie souverän er in ganz verschiedenen musikalischen Welten und vor allem in der genauen, farbenreichen Klangvorstellung seines Instruments zu Hause ist, zeigt die neue Einspielung, die dritte mit ausschliesslich eigenen Werken Kindles. Der Komponist ist begeistert vom Eos Guitar Quartet (Julio Azcano, Marcel Ege, Michael Winkler, David Sautter), das sich zwanzig seiner Werke für Gitarrenquartett angenommen hat.

Das Quartet spielt atemberaubend, fast klassisch präzis und unerhört genau im Zusammenspiel, aber auch mit mitreissendem rockigem Groove. «Unter den vierzig Fingern von Eos klingt meine Musik noch besser als in meiner Vorstellung», sagt Jürg Kindle. «Die vier haben meine Stücke bis ins letzte Detail verstanden.»

Souverän schöpft der Komponist aus verschiedenen Stilen, von archaisch afrikanischen und lateinamerikanischen Rhythmen bis hin zu Elementen diverser Popstile. Seine fünf «Pop Styles» zeigen nichts weniger, als dass vier aufregend gespielte Gitarren problemlos Techno, Funky oder Hip-Hop rüberbringen können. Kindle beweist facettenreich, was Gitarren auch rein perkussiv leisten können.

«Ich fühle mich überall heimisch», sagt Kindle, der vor seiner Gitarrenkarriere auch schon mal Rock Drummer war. Über achtzig Publikationen Kindles wurden von international renommierten Verlagen veröffentlicht. Pionierarbeit hat Kindle auch bei der Literatur für den Gitarrenunterricht geleistet. Sein Etüdenheft «>Manege frei» von 1983 wurde zum Bestseller.

Spannende Spezialeffekte

In den sieben Stücken der Serie «Percussion Guitar Music» lässt sich Kindle von archaisch afrikanischen Instrumenten inspirieren und adaptiert deren Eigenschaften variationsreich für die Gitarre. Da werden dann nicht nur Seiten präpariert, sondern das Eos Guitar Ensemble benutzt Grillspiesse zum Anschlagen der Saiten; oder ein Taschentuch auf den Saiten erzeugt spezielle Effekte. Das Stück «Kalimba» (das Daumenklavier) aus dieser Serie wurde ein richtiggehender Hit. Die vielen YouTube-Beiträge zeugen davon.

Nicht zeitgenössisch, sondern zeitgemäss möchte seine Musik sein, sagt Kindle selbst. Es ist gut durchgeformte Musik, die nie gegen die Gitarre geschrieben ist. «Bei dieser Musik können wir richtig atmen. Sie macht einfach Lust zu spielen», äusserte sich das international gefragte Eos Quartet. Für Kindle das schönste Kompliment. Die neue CD ist eine Referenzaufnahme der Gitarrenquartette Kindles, der hier eine grosse Bandbreite und 25 Jahre seines kompositorischen Könnens für vier Gitarren zeigt.

CD-Taufe; Sa 21.6., Katharinensaal, 19 Uhr; die CD ist erhältlich bei Musik Keclik St. Gallen oder unter info@juergkindle.ch

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