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Urs Lüthi zeigt in der Kunstbibliothek Sitterwerk seine Perlen

Einladungskarten aus vierzig Jahren stellt Urs Lüthi in der Kunstbibliothek Sitterwerk in St.Gallen aus. Es sind überwiegend Selbstporträts, die seinen Wandel vom androgynen Jüngling zum gealterten Mann zeigen.
Christina Genova
Urs LüthiBild: Katalin Deér

Urs Lüthi
Bild: Katalin Deér

Der Schädel ist kahl rasiert, der massige Rücken nackt. Nur eine Perlenkette schmiegt sich zwischen zwei Hautfalten. Der bul­lige Typ, es ist unverkennbar Urs Lüthi. Die Fotografie bildet den Auftakt zu einer besonderen Ausstellung in der Kunstbibliothek im Sitterwerk St. Gallen. In mehreren Vitrinen hat der 70-jährige, der 2001 die Schweiz an der Biennale in Venedig vertreten hat, Drucksachen aus über vierzig Jahren künstlerischer Tätigkeit ausgelegt. Es sind vor allem Einladungskarten zu Ausstellungen, aber auch Broschüren und Faltblätter.

Ephemera nennt man solche Nebenprodukte des Kunstbetriebs. Es passt zur künstlerischen Strategie Urs Lüthis, sie vom Rande ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken – ganz im Sinne des erweiterten Kunstbegriffs der 1970er-Jahre. «Ich wollte die Ephemera behandeln, als wären sie originale Werke», sagt der Künstler. Er und sein Verleger Gianni Paravicini machten sich auf die mühselige Suche und wurden fündig. Entstanden ist daraus die beinahe 400-seitige Publikation «Printed Matter», die letztes Jahr bei Edizioni Periferia erschienen ist.

Urs Lüthi, der Selbstdarsteller

Wer nun aber in der Kunstbibliothek die Ausstellung zum Buch erwartet, täuscht sich. Urs Lüthi wäre nicht Urs Lüthi, der Selbstdarsteller, der sich immer wieder neu erfindet, der seine Werke lustvoll zitiert und in einen anderen Kontext setzt, wenn er sich nicht für St. Gallen seinen Ephemera nochmals mit frischem Blick angenähert hätte.

Während sie im Buch streng chronologisch geordnet sind, nahm es der Künstler in den Vitrinen damit nicht so genau und ging bei der Zusammenstellung sehr intuitiv vor. Ergänzt wurden die Ephemera mit Publikationen Urs Lüthis aus den Beständen der Kunstbibliothek und Werktiteln auf gelb-schwarze Täfelchen. «Meine Titel sind oft gleich wichtig wie ein Werk», sagt der Künstler und verschafft ihnen deshalb konsequenterweise einen eigenständigen Auftritt.

Zwischen den Titeln, den Büchern und den ­weiteren Drucksachen entstehen reizvolle Bezüge voller Ironie. Etwa wenn unter einer Fotografie, auf welcher der Künstler aussieht, als sei er gerade verprügelt worden, steht, «Nell’ombra del mio sorriso» (im Schatten meines Lächelns).

Vom Bohemien zum respektablen Bürger

Die Exponate sind nicht beschriftet, man muss sich selbst einen Reim darauf machen. Wer mit Urs Lüthis Werk nicht vertraut ist, ist wohl im ersten Moment überfordert. Lässt man sich jedoch auf die assoziative Auslegeordnung ein, erhält man eine konzentrierte Retrospektive: «Die Essenz meiner Arbeit», so Lüthi.

Den ­roten Faden der Ausstellung wie im Werk Urs Lüthis bilden die Selbstporträts: vom androgynen Bohemien der 1970er-Jahre zu den Büsten und Skulpturen der 1990er-Jahre, die ihn als respektablen Bürger zeigen, zum gealterten Künstler der letzten Jahre. Als besonderen Leckerbissen hat der Künstler im Gästezimmer der Kunstbibliothek eine «Liebesvitrine» eingerichtet.

In der letzten Vitrine begegnet man nochmals Urs Lüthi mit Perlenkette – auf dem Titelblatt des Katalogs seiner letztjährigen ­Ausstellung in der Galerie Cocou in Kassel. Das Selbstporträt, das den Anfang und das Ende der Ausstellung markiert, ist einerseits eine Hommage an seine Mutter. Ihr gehörte die Perlenkette. So wie heute bei ihm, zeichneten sich bei der fülligen Mutter die Perlen «wie in einem Kugellager» ab.

Andererseits bezieht Urs ­Lüthi sich mit dem edlen Schmuckstück auf seine Ephemera und sagt auf die Vitrinen hindeutend: «Dies sind alles meine Perlen.»

Hinweis:
Bis 19. August.

Urs Lüthi: Printed Matter. Edizioni Periferia 2017, 384 S., Fr.68.–

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