Die Zeit krümmen mit Captain Kirk

Entstanden während der Rassenunruhen in den USA in den 1960er-Jahren, steht die TV- und Kino-Serie «Star Trek» für eine Utopie der Menschenrechte. 50 Jahre Raumschiff Enterprise im Dornier Museum.

Bruno Knellwolf
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Eingefleischte Trekkies: Museumsdirektor Berthold Porath wie Captain Kirk, Martin Netter (links) und Kurator Ingo Weidig. (Bild: Bruno Knellwolf)

Eingefleischte Trekkies: Museumsdirektor Berthold Porath wie Captain Kirk, Martin Netter (links) und Kurator Ingo Weidig. (Bild: Bruno Knellwolf)

Martin Netter sitzt auf der Kommandobrücke des Raumschiffs Enterprise, so wie das in den vielen «Star-Trek»-Geschichten Captain Kirk und seine Crew getan haben. Der Mann mit dem langen Spitzbart ist vielleicht der grösste «Star-Trek»-Sammler der Welt, der rund 150 000 Exponate zur Kult-Serie besitzt. «Ich habe seit 1978 alles zusammengekauft, was «Star Trek» zu bieten hat», sagt Netter. Am Kudamm in Berlin hat Netter einst den weltweit einzigen Star-Trek-Laden eröffnet. 2004 musste er schliessen, weil das Interesse kleiner geworden war. Das änderte sich 2006, als Paramount die Filmrechte von Raumschiff Enterprise an CBS verkaufte und der Mann, der über 40 Jahre gesammelt hatte, plötzlich wieder Anfragen aus den USA bekam.

Flugzeughersteller am Bodensee

Teile aus Netters Sammlung sind nun in einer Sonderausstellung im Dornier Museum in Friedrichshafen zu sehen. Im 2009 eröffneten Museum wird jedes Jahr eine Sonderausstellung gezeigt, vor zwei Jahren eine zu «100 Jahre Dornier». Diese Firma hat ursprünglich zum Zeppelin Werk gehört. Begründer ist Claude Dornier, der Mitarbeiter von Graf von Zeppelin war und von diesem eine eigene Flugzeugabteilung erhielt. Daraus entwickelte sich der Flugzeughersteller Dornier. Claude Dornier selbst zog nach dem Zweiten Weltkrieg in die Schweiz und verstarb 1969 in Zug. Im Museum wird die wechselvolle Geschichte des Flugzeugherstellers gezeigt, der auch in der Raumfahrt tätig ist. Das war auch ein Grund dafür, dieses Jahr das 50-Jahr-Jubiläum von «Star Trek» zum Thema zu machen.

Zu sehen ist deshalb, welche Bedeutung die TV-Serie Mitte der 1960er-Jahre in den USA hatte. «Im Gegensatz zu anderen Science-Fiction-Filmen, welche vor allem Weltuntergangsszenarien zeigten, steht «Star Trek» für eine positive Utopie», sagt Kurator Ingo Weidig, der sich selbst als leidenschaftlichen «Trekkie» bezeichnet. «Im Raumschiff Enterprise gibt es keine materiellen Zwänge, und es herrscht ein friedliches Zusammenleben.» Rassenschranken sind überwunden, dafür stehen der Russe Chekov und der Japaner Sulu, aber vor allem Lieutenant Nyota Uhura, die erste afroamerikanische Frau in einer Kommandofunktion im amerikanischen Fernsehen.

Weidig erzählt, wie der schwarze Menschenrechtler Martin Luther King die Frau zum Bleiben überredet habe, als diese die TV-Serie habe verlassen wollen. «Star Trek» stehe für eine Utopie der Menschenrechte.

«Star Trek zieht sich übers ganze Museum», sagt Direktor Berthold Porath beim Rundgang. Im Hangar hängt zum Beispiel die Raumstation ISS im Massstab 1:10. Daneben «erklärt» Lieutenant Uhura auf einer Infotafel, dass Dornier für das Forschungslabor Columbus ISS verschiedene Forschungseinrichtungen entwickelt habe. Und der Vulkanier Mr. Spock erzählt, dass in Friedrichshafen auch die «Faint Object Camera», eine Kamera für lichtschwache Objekte, für das Hubble Space Telescope gebaut worden ist.

In der Sonderausstellung werden Vergleiche zwischen realen Instrumenten und jenen aus Star Trek gezeigt. Zum Beispiel der Kommunikator, den Motorola später zum ersten Handy der Welt gemacht hat. Oder den Tricoder aus Star Trek, mit dem die Crew auf fremden Planeten Lebenszeichen ausmachen konnte. Interessant auch der Replikator, der im Film aus Energie Materie herstellte und in der Ausstellung neben einem 3D-Drucker steht.

Warp-Antrieb schneller als das Licht

Selbstverständlich fehlt auch der Warp-Antrieb nicht, mit dem sich das Raumschiff Enterprise schneller bewegt als das Licht. «Warp krümmt Zeit und Raum», sagt Weidig – in Unterlichtgeschwindigkeit. Daran haben Wissenschafter geforscht und immerhin festgestellt, dass dieser Antrieb theoretisch möglich wäre, aber den Energiebedarf von einigen Sonnen brauchte.

Zu finden im Dornier Museum ist auch ein alter IBM Computer aus der Sammlung von Martin Netter. Dieser stammt vom Schöpfer der «Star-Trek»-Geschichten, von Gene Roddenberry. Als Bomberpilot hat der 1921 geborene Roddenberry die Schrecken des Krieges erlebt. Später fliegt er für PanAm, wird Polizist in Los Angeles und verdient sich als Drehbuchautor ein Zubrot. 1964 darf er einen Pilotfilm zu seiner «Star-Trek»-Idee drehen. NBC will den Film erst nicht, Paramount hält diesen für zu mutig und radikal. Trotzdem stimmt NBC einem zweiten Pilotfilm zu und schafft so ein neues Sci-Fi-Universum. Roddenberry stirbt 1991, auf dem Mars wird ein Krater nach ihm benannt, und eine Pegasus-Rakete bringt 1997 seine Asche in den Weltraum.

Dornier Museum Friedrichshafen: Star Trek, 50 Jahre Raumschiff Enterprise, bis 18. Juni 2017