Die Welt mit anderen Augen sehen

Der Autor Matthias Zschokke liest heute im Raum für Literatur aus seinem neuen Roman «Der Mann mit den zwei Augen».

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Der Mann in Matthias Zschokkes Roman hat nicht eines oder drei Augen, sondern exakt zwei. Ein ganz gewöhnlicher Mann also mit einem ganz gewöhnlichen Leben. Am liebsten ist ihm die Katze, weil sie träge die Tage verbummelt und nur ihrem eigenen Willen folgt. So möchte der Mann auch leben. Schweigen ist ihm angenehm. Sensationen verabscheut er, alles soll wie ein ruhiger Fluss seinen Lauf nehmen. Aber dann stirbt die Katze und auch die Frau, die mit ihm zusammenlebte.

Beobachtete Ersatzhandlungen

Als moderner Taugenichts stolpert der Mann durch seine Tage. Aber eben, er hat zwei Augen. Und durch diese Augen blicken auch wir Leserinnen und Leser auf die Welt – und sehen sie ganz neu: Was tun und vor allem was reden Menschen bei einem Stehempfang? Was sind das eigentlich für Worte, mit denen wir die Welt zu begreifen versuchen? Wie gehen wir Eiligen mit einem um, der Zeit hat? Mit welchen Ersatzhandlungen vertuschen wir vor uns selber, dass wir am Leben nur scheitern können? Es sind solche kleinen beobachteten Szenen, in denen eine Gesellschaft besichtigt und mitunter auch entlarvt wird.

Faible fürs Gewöhnliche

Matthias Zschokke ist 1954 in Bern geboren und lebt seit vielen Jahren als Schriftsteller und Filmemacher in Berlin. Für das Gewöhnliche hatte der Autor schon länger ein Faible, in seinem neuen Roman erzählt er einmal mehr das Alltägliche und sieht darin das Besondere, das Traurige und das Komische. Der Autor ist ein Meister darin, die Dinge zu drehen und zu wenden, bis sie in einem fremden Licht ihre Selbstverständlichkeit verlieren. Und ganz beiläufig erzählt Zschokke in seinem Buch auch noch eine feine Liebesgeschichte zwischen dem Mann und der verstorbenen Frau. (pd)

Heute Di, Raum für Literatur (Hauptpost), 19.30 Uhr

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