Die Welt ist absurd

Stefan Schmid
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Albert Camus (1913–1960). (Bild: Getty Images)

Albert Camus (1913–1960). (Bild: Getty Images)

Camus Die grossen Fragen des Lebens stellen sich erstmals in der Pubertät. Was soll das Ganze hier eigentlich? Warum verhungern Tausende Kinder, warum kommen Unschuldige in Kriegen ums Leben? Die Welt ist absurd. Und ungerecht. Und unerklärbar. Manche beginnen zu kiffen, andere rebellieren gegen die Eltern. Nur wenige stürzen sich – wie ein guter Freund von mir – in die Literatur. «Lies die französischen Existenzialisten», riet er mir, damals, an der Kantonsschule. «Sartre, de Beauvoir und vor allem: Albert Camus. Sie liefern Antworten auf Fragen, die dich umtreiben.»

So verschlang ich nebst den Klassikern wie «Die Pest», «Der Fremde» oder «Der Mythos des Sisyphos» auch das erst posthum erschienene, autobiografische Werk «Der erste Mensch», das ich als Maturalektüre wählte. Mein damaliger Geografielehrer, der zu mir stets wohlwollend auf Distanz blieb, fiel mir nach der mündlichen Prüfung fast um den Hals, weil er Camus liebte – eine absurde Situation.

Ja, unser Verhältnis zu anderen Menschen und zur Welt ist oft absurd. Wir können das nicht ändern. Aber wir können dem Leben Sinn geben, indem wir die Absurditäten akzeptieren und dagegen immer wieder rebellieren. Selbstmord ist keine Lösung, es wäre die Kapitulation vor dem Absurden. Gott gibt es nicht und unsere Vernunft ist eine Einbildung. Akzeptieren wir es! Und spielen Fussball. Wie Camus, der ein guter Goalie war. Und ein begnadeter Philosoph.

Stefan Schmid