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Perspektivenwechsel dringend: Die Welt aus Sicht der Kleinsten

Die Schweiz hat grossen Aufholbedarf in der frühkindlichen Erziehung und Betreuung. Das zeigt eine nationale Wanderausstellung, die jetzt in St. Gallen gastiert. Die interaktive Schau richtet sich an Eltern, Kinder und Politiker.
Nina Rudnicki
Die Welt aus der Perspektive eines Kleinkindes sieht anders aus als jene der Erwachsenen. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 6. April 2019))

Die Welt aus der Perspektive eines Kleinkindes sieht anders aus als jene der Erwachsenen. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 6. April 2019))

In einem Schaukasten im Eingang der St. Leonhardskirche kreist ein Modellflugzeug. Daneben sind ein Schal und Handschuhe in einer Schneelandschaft ausgestellt. Und in einem weiteren Schaukasten knistert und lodert ein Ofen. In jeden Kasten können Besucherinnen und Besucher der Wanderausstellung «Die Entdeckung der Welt» eine Holzkugel hineinwerfen. Diese löst eine Stimme ab Band aus, die durch einen Telefonhörer spricht.

Erinnerungen an die Kindheit

Da erzählt ein Mann, wie ihn sein Grossvater als kleinen Buben erstmals auf einen Flug mit seinem Kleinflugzeug mitnahm. Ein anderer erinnert sich daran, wie er im Schnee Schanzen baute und sich seine altmodischen Ski anschnallte. Eine Frau schwärmt von den Anden, wo sie aufwuchs. In ihrem Dorf war immer Frühling und es duftete jeden Morgen nach frisch gebackenem Brot aus Maismehl.

Nach jeder Erzählung hüpft die Kugel aus dem Schaukasten. Mit ihr in der Hand geht es weiter zu den nächsten Stationen, die alle um die Themen frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern im Alter zwischen Geburt und dem vierten Lebensjahr kreisen.

"Thema findet in der Schweiz zu wenig Beachtung"

Hinter der Ausstellung steht der Verein Stimme Q. Dieser wurde 2012 von Personen aus Forschung und Praxis der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung gegründet. Sein Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Kinder von Geburt an eine pädagogisch hochwertige Begleitung brauchen. «Das Thema findet in der Schweiz zu wenig Beachtung», sagt Erziehungswissenschafter Heinz Altorfer, Präsident des Vereins Stimme Q. «Mit der Wanderausstellung möchten wir möglichst viele Eltern, Familien sowie politische Vertreterinnen und Vertreter ansprechen und eine Auseinandersetzung mit dem Thema erreichen.»

So zeigt die Ausstellung etwa auf, wie Kinder im frühkindlichen Alter lernen, wie sie sich entwickeln und welche Umgebung sie benötigen, um sich entfalten zu können. Bisher hat die Wanderausstellung in verschiedenen Städten bereits über 30000 Besucherinnen und Besucher angezogen.

Spannender Anschauungsunterricht

Altorfer nimmt die Holzkugel und führt durch die weitere Ausstellung. An einem Modul startet die Kugel einen Film über Lerngelegenheiten im Alltag. Es gibt Hörstationen, an denen Wissenschafterinnen und Wissenschafter erklären, wie sich Emotionen entwickeln oder welche Entwicklungsschritte ein Kind bereits vor der Geburt durchlebt.

Im Zentrum der St. Leonhardskirche steht ein riesiger Holzwürfel mit einer überdimensionalen Kügelibahn, Rutschbahn und Touchscreen im Innern. Auf dem Bildschirm erscheinen Kreise, Sterne und Vierecke. Je nachdem wie man sie berührt, zerspringen sie in kleine Bruchstücke, wechseln die Richtung oder ändern ihre Form.

Weiter geht es in den hinteren Teil der Kirche. Dort ist ein verdunkeltes Zimmer aufgebaut, in dem ein Film verschiedene Praxisprojekte vorstellt. Er zeigt etwa den Alltag einer Familie mit Migrationshintergrund, in deren Kultur es unüblich ist, mit kleinen Kindern auf Augenhöhe zu spielen. Daher werden die Eltern von Fachpersonen darin unterstützt, Spiele mit ihren Kindern zu entwickeln.

An einer anderen Station zeigen Grafiken, wo die Schweiz bei der frühkindlichen Erziehung im internationalen Vergleich steht: Oft ist sie eines der Schlusslichter. So ist etwa der Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub hier massiv kürzer als in anderen Ländern Europas. Und die Schweiz gibt im Vergleich sehr wenig für die vorschulische Bildung im Elementarbereich aus.

Rahmenprogramm für Eltern und Kinder

Begleitet wird die Ausstellung von rund 90 Initiativen und Veranstaltungen in der ganzen Ostschweiz. In St. Gallen gibt es im April etwa eine Märchenstunde für Kinder ab dem Kindergartenalter. In Trogen lernen Babys und Kleinkinder im Juni am «Buchstart» Reime und Fingerspiele kennen. Zudem gibt es Kurse für Eltern und Grosseltern sowie Tagungen für die ganze Familie.

Die Entdeckung der Welt, bis 16. Juni, St. Leonhardskirche St. Gallen, Di bis So 10–18 Uhr. www.entdeckungderwelt.ch

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