«Die wahren Probleme verschwinden im Moment hinter WC-Papier»: Der St.Galler Illustrator Dominik Rüegg macht Klopapier-Kunst

Ursprünglich sollte es nur ein Spass sein, doch mittlerweile macht Dominik Rüegg seine WC-Papier-Bilder zu Geld. Der St.Galler Illustrator verteilt sogar handsignierte und numerierte WC-Papier-Blätter.

Roger Berhalter
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Bild: Dominik Rüegg

Haben Sie noch genug WC-Papier zu Hause?

Dominik Rüegg: Ja. Ich habe neulich im Atelier noch ein paar Rollen gefunden, die ich nach Hause nehmen konnte. Im Supermarkt gabs ja keine mehr. 

Illustrator Dominik Rüegg.

Illustrator Dominik Rüegg. 

Bild: Hanspeter Schiess

Ihre WC-Rollen-Illustrationen sind deshalb entstanden, weil Sie kein Klopapier mehr gefunden haben? 

Ja. Am Anfang habe ich über die Hamsterkäufe gelacht. Aber dann war ich selber soweit, dass ich WC-Papier brauchte - und im Laden fand ich keines mehr! Als ich nach Hause kam, setzte ich mich hin und machte die erste WC-Papier-Illustration.

Bild: Dominik Rüegg

«I don't get it» («Ich verstehs nicht») haben Sie das Bild getauft. Warum?

Ich begreife die Hamsterkäufe von WC-Papier nicht, bis heute nicht. Aber offensichtlich beschäftigt das Thema die Leute. Dabei gäbe es doch tausend wichtigere Dinge! Die wahren Probleme verschwinden im Moment hinter WC-Papier. Aber ich sehe mich nicht als politischen Künstler und möchte nicht mit dem Finger auf die Leute zeigen. Man darf meine Illustrationen auch einfach lustig finden. 

Sie haben Ihre WC-Bilder auf Facebook und Instagram veröffentlicht. Haben Sie viele Reaktionen erhalten?

Ja, sehr viele! Die Motive wurden häufig angeklickt und weiterverwendet. Ich konnte sogar einige verkaufen. Auf unserer Webseite «support your local artist» biete ich ein WC-Rollen-Motiv als Print an. Wer das Plakat kauft, erhält von mir ein signiertes und numeriertes WC-Papier-Blatt dazu. 

Was soll das?

Ich wollte das Thema ad absurdum führen. WC-Papier ist im Moment etwas sehr Limitiertes. Indem ich einzelne Blätter numeriere, limitiere ich es gleich noch einmal. 

Sie haben auch einen Bildschirmhintergrund fürs Smartphone gestaltet.

Ja, damit man sein Handy anschauen und sich vielleicht ein bisschen beruhigt fühlen kann. Es scheint auch einen grossen Zusammenhalt unter WC-Papier-Besitzern zu geben. Einige Leute wollten mir sogar WC-Rollen abgeben! Sehr merkwürdig, dieses Phänomen... 

Sie arbeiten als frei schaffender Illustrator. Trifft Sie als Selbständiger die Coronakrise hart?

Ich habe auch noch einen Bürojob, der mich finanziell gerade rettet. Aber viele Festivals und Events sind abgesagt. Ich kann kaum etwas planen im Moment, das ist sehr mühsam. Viele Aufträge fallen weg, dafür kommen aber auch neue hinzu. Zum Beispiel haben mich zwei Restaurantbetreiber angefragt, ob ich ihre Räume während der Schliessung neu gestalten könne. Es ist eine spannende Zeit!

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