Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Virtuelle YouTuber sind die neuen Stars in Japan. Bald auch bei uns in Europa?

In Japan folgen bereits Millionen Menschen virtuellen YouTube-Stars. Sogenannte VTuber streamen sich als Avatar im Schulmädchen-Look ins Netz. Die anonyme Darstellungsform als Avatar freut nicht nur scheue Japaner, sondern auch die Werbeindustrie.
Philipp Bürkler
Wer steckt hinter Kizuna Ai? Die «künstliche Intelligenz» hat auf Youtube mehr Follower als manch menschlicher Star. (Bild: PD)

Wer steckt hinter Kizuna Ai? Die «künstliche Intelligenz» hat auf Youtube mehr Follower als manch menschlicher Star. (Bild: PD)

Japan ist bekannt für sein Faible für fiktive Helden und seine grosse Cosplay-Szene, deren Anhänger sich wie Comicfiguren kleiden. In Akihabara, einem Stadtteil der 39-Millionenmetropole Tokyo, gibt es an jeder Strassenecke Shops, die Fantasy-Figuren in unüberschaubarer Menge verkaufen. Von Comics und Filmen über Videospiele, T-Shirts, 3D-Figuren und Kostümen bis zu Pornos, in denen animierte Teen­age-Girls die Hauptrolle spielen. Seit einigen Monaten ist die Szene nun um ein Genre reicher. Virtual YouTuber, kurz VTuber. Genau wie YouTuber aus Fleisch und Blut, erzählen die virtuellen Figuren-Geschichten aus ihrem Alltag, spielen Videospiele, präsentieren neue Apps, singen, tanzen oder streamen Chats mit ihren Zuschauern.

Da ist beispielsweise Kizuna Ai, eine virtuelle Figur, die aussieht wie ein Schulmädchen. Grosse Augen, lange Haare und eine hohe kindliche Mädchenstimme. Bereits mehr als 250 Videos gibt es auf YouTube mittlerweile von diesem weiblichen Avatar, der sich als künstliche Intelligenz versteht. In den Live-Videos beantwortet sie Fragen der Zuschauer oder stellt neue Apps vor. Kizuna Ai wurde von der japanischen Designerin Morikura En entworfen. Wer genau allerdings hinter der Produktion steckt, welche Schauspielerin sie verkörpert und wer ihr die Stimme leiht, ist nicht bekannt. Hinter dem Profil steckt ganz offensichtlich ein professionelles Team aus Produzenten, Programmierern und Designern.

Erster VTubestar mit 2,5 Millionen Followern

Ähnliche YouTube-Avatarewie Kizuna Ai gibt es in Japan mittlerweile rund 5000. Nicht selten verbergen sich hinter manchem virtuellen Profil eines Schulmädchen-Avatars paradoxerweise oft männliche Software-Entwickler mittleren Alters. Der Grund ist klar: Mit virtuellen Stars lässt sich Geld verdienen. In Japan mit seinen 128 Millionen Einwohnern sind VTuber ein ideales Marketingvehikel. Der japanische Mobilfunkanbieter Softbank spannte Kizuna Ai letztes Jahr für eine Werbekampagne ein, als das neue iPhone auf den Markt kam.

Kizuna Ai ist mit knapp 2,5 Millionen Followern die erfolgreichste VTuberin. Noch vor einigen Monaten folgten ihr lediglich knapp 200000 Menschen. Obwohl die Followerzahlen im Vergleich zu echten japanischen YouTubern wie Hikakin mit 7,1 Millionen Followern noch verhältnismässig klein sind, hat Kizuna Ai doch bereits einige menschliche YouTuber wie Sekine Risa, die es auf 1,5 Millionen Fans schafft, zahlenmässig überholt.

Im Hauptkanal von Kizuna Ai geht es vor allem um den persönlichen Austausch der künstlichen Intelligenz mit ihrem Publikum.

Neuste 3D-Technologie macht es möglich

Wie aufwendig eine Produktion sein kann, zeigt die dafür verwendete Technik. Eine echte Person wird mit einer Kamera oder einem Smartphone gefilmt. Dabei muss die Person einen Ganzkörperanzug mit Sensoren tragen, die jede Arm- und Beinbewegung mit einer sogenannten Motion-Capture-Software aufzeichnet. Für die Handbewegungen braucht es entsprechende Handschuhe, die ebenfalls mit Sensoren ausgestattet sind. Anschliessend werden alle Bewegungen durch eine 3D-Animations-Software geschleust und direkt auf dem Bildschirm oder dem Internet in Form eines beliebigen Avatars in einer beliebigen Landschaft oder Umgebung ausgegeben. Es ist eine Technologie, die sich bis vor kurzem nur professionelle Filmstudios leisten konnten.

Dass VTuber mehr sind als ein momentaner Hype, beweist der japanische Game-Entwickler Gree. Das Unternehmen will in den kommenden zwei Jahren umgerechnet rund 90 Millionen Franken in die Entwicklung virtueller Talente, neuer Live-Streaming-Möglichkeiten sowie professioneller Film- und Anima­tionstudios investieren. «Immer mehr IT-Firmen steigen ins Geschäft mit VTubern ein», erklärt Takayuki Ikeda an einer Technologie-Messe in Tokyo. Ikeda ist Chef von ZeroCSeven, einer japanischen Firma, die Motion- Capture-Software herstellt.

Virtuelle Influencer machen keine
Probleme und werden nie älter

Dass der Trend aus Japan kommt, erstaunt nicht. Einerseits ist Japan seit Jahrzehnten führend in technologischer Innovation. Roboter und virtuelle Umgebungen werden von der japanischen Öffentlichkeit breit akzeptiert. Andererseits leben Japanerinnen und Japaner im Alltag eher zurückgezogen, anonym und scheu. In einer Grossstadt wie Tokyo ist Augenkontakt eher die Ausnahme. Genau deshalb funktioniere VTubing in Japan so gut, erklärt Ikeda. Als Avatar würden sich Menschen eher trauen, persönliches über sich zu erzählen. «Gerade für schüchterne Leute, die nicht ihr Gesicht zeigen wollen, ist VTube eine ideale Möglichkeit, zu kommunizieren und sich auszudrücken», so Ikeda.

Virtuelle Stars sind nicht nur günstiger, sondern auch einfacher zu steuern. Sie machen keine Probleme oder Skandale, und sie bleiben immer gleich alt. Dennoch sähen die Fans die Charaktere als eine Art Menschen, glaubt Ikeda. «Japanische Jugendliche unterscheiden nicht mehr zwischen realen Menschen und einem Avatar».

Sinkende Kosten für Software und Equipment dürfte vermehrt Laien ins VTuber-Business bringen. Der Hersteller Gree spricht mit der VTuber App «Reality» explizit auch Bloggerinnen und Vlogger an. Mit «Reality Studio» lässt sich sogar kostenlos ein eigener Avatar erstellen. Alles, was es braucht, ist ein Smartphone. Ikeda ist überzeugt, VTuber werden sich auch in der restlichen Welt etablieren. Die Stars der Zukunft sind virtuell und basieren auf reinem Porgramm­code. Wie menschlich diese sind, hängt ab von den Programmierern und Produzentinnen, die ihnen Leben einhauchen.

Im zweiten YouTube-Kanal von Kizuna Ai geht es vor allem um Computerspiele.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.