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Die verlorene Poesie auf der Bohrinsel

Lesbar Literatur

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Anja Kampmann: Wie hoch die Wasser steigen. Roman, Hanser, 352 S., Fr. 36.–

Die Lyrikerin Anja Kampmann erzählt in ihrem ersten Roman die Geschichte des polnischen Arbeiters Wenzel, der sich nach harten Arbeitsjahren auf einer Bohrinsel auf die Reise zu seiner inneren Heimat macht. Mit diesem Roman ist Kampmann für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Poetische wie glasklare Beobachtungen reihen sich aneinander. Auf dem offenen Meer gibt es Wellenberge, die Regen und Blitze schlucken und selbst das Schreien des Sturms. Die den Naturgewalten ausge­lieferte Bohrinsel, die sonnendurchglühte Hafenstadt Tanger, die staubige ungarische Puszta, das verrusste Ruhrgebiet von Wenzels Kindheit oder das ländliche Polen ziehen in vielen Details vorbei. Das liest sich schwebend und schön, wie ein langes Gedicht. Als Wenzels Freund bei einem Sturm von der Bohrinsel stürzt, macht er sich auf den Weg in dessen ungarische Heimat. Aber erst als er in den Bergen von Genua einen alten Freund seines Vaters wiederfindet, rückt er einem als Figur selbst näher. Dieser alte Mann ist ein Bindeglied zu Wenzels Vater, der an einer Staublunge starb. Heimat findet Wenzel trotzdem nicht mehr.

Andrea Barthélémy/DPA

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Erich Kästner: Das blaue Buch: Geheimes Kriegstagebuch 1941–1945. Atrium, 432 S., Fr. 45.–

Bombennächte und Auschwitz-Schock

1933 war er Augenzeuge, als seine Bücher verbrannt wurden. Zwölf Jahre lang war Erich Kästner in Deutschland mit einem Publikationsverbot belegt – und blieb trotzdem im Land. Ab 1941 notierte er in Stenografie das Alltagsleben, die Bombennächte, die Flüsterwitze, den Kriegsverlauf, die Gerüchte über Judenverfolgungen und Widerstand. Der Schock über den Horror des Holocausts lässt ihn 1945 sein blaues Buch zuklappen. Den grossen Roman über das Dritte Reich, für das sein Tagebuch als Stoffsammlung dienen sollte, wird Kästner deshalb bis zu seinem Tod nicht schreiben. Vielleicht auch, weil er erkannte, dass er sich dies nach Auschwitz in seinem typischen, ironisch-sachlichen Stil, nicht leisten konnte. Dabei war dieses Projekt eines Tagebuchs Kästners Begründung, weshalb er im Gegensatz zu anderen verbotenen Autoren nicht ins Exil gegangen war.

Werner Herpell/DPA

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