Die Unkonventionelle

Diane Keaton hat als erste Frau den «Golden Icon Award» des Filmfestivals Zürich erhalten und ihre neue Komödie «And so it goes» vorgestellt. Eine Begegnung mit der US-Schauspielerin, die begeistert von Zürichs alten Häusern ist.

Andreas Stock
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Szene aus der romantischen Komödie «And so it goes» mit Diane Keaton und Michael Douglas. (Bild: pd)

Szene aus der romantischen Komödie «And so it goes» mit Diane Keaton und Michael Douglas. (Bild: pd)

Genau so gekleidet hat man sie erwartet: Diane Keaton erscheint im weissen, hellgrau gestreiften Anzug mit identischer Krawatte und weisser Bluse zur Medienkonferenz in Zürich. Gut gelaunt und gesprächig ist die Schauspielerin und es scheint, es mache ihr Spass Fragen zu beantworten, wie: Wie war es, Michael Douglas zu küssen? («Es war lustig – er hat es gut gemacht.»), oder wo sie den «Golden Icon Award» hinstelle («Ins Büro, dort habe ich alle Preise, er wird sich nicht einsam fühlen.»). Keaton freut sich, als erste Frau diesen Preis des Zurich Film Festivals zu erhalten: «Ich werde mich bemühen, die Frauen so gut wie möglich zu repräsentieren.»

Annie Hall, nur älter

Es ist eine typische Keaton-Rolle, diese Leah in der romantischen Komödie «And so it goes» von Regisseur Rob Reiner. Es braucht nicht viel, sich Leah als eine gealterte Annie vorzustellen – jene Rolle in Woody Allens «Annie Hall» («Der Stadtneurotiker»), für die sie 1978 den Oscar und den Golden Globe gewonnen hatte. Leah ist Witwe und ehemalige Schauspielerin; nun versucht sie sich als Barsängerin – wie damals Annie. Und wieder braucht es einen Mann, der ihr Selbstbewusstsein stärkt; hier Michael Douglas als griesgrämiger Immobilienmakler Oren Little. Dass die beiden Mittsechziger einander näher kommen, ist nicht zu viel verraten. «And so it goes» ist eine vorhersehbare Komödie, die vom entspannten Spiel zwischen Douglas und Keaton lebt.

Vielfältiger als ihr Image

Diane Keaton variiert hier wie in vielen ihrer Filme den Typ unkonventionelle, warmherzige Frau. Zu den vielen polierten Kinoheldinnen setzt sie damit einen vom Publikum geschätzten Gegenpol. Diese leicht exzentrischen, aber charmanten Frauenfiguren, die sich gern Männerkleider anziehen, oft etwas verunsichert und schusselig wirken und beim Sprechen eher umständlich formulieren. Dieses Keaton-Image lässt schnell übersehen, dass die 1946 in Los Angeles als Diane Hall geborene Schauspielerin in über 40 Jahren ihre Vielseitigkeit bewiesen hat. Ihre Karriere begann am Broadway, wo sie Woody Allen kennenlernte, der sie für sein Stück «Play It Again, Sam» besetzte. International bekannt wurde sie 1972 mit Coppolas «Godfather» sowie den zwei Fortsetzungen an der Seite von Al Pacino. Dass sie dramatische Rollen beherrscht, zeigte sie ebenso im düsteren Thriller «Looking for Mr. Goodbar». Auch bei Allen spielte sie beispielsweise in «Interiors» (1978) ernstere Rollen.

Eine schwierige Rolle

Ihre Popularität brachte ihr in den 80er und 90er Jahren zahlreiche Rollen ein; für «Reds» von Warren Beatty, mit dem sie liiert war, erhielt sie 1981 eine weitere Oscar-Nominierung. «Es war eine meiner schwierigsten Rollen», erzählt Keaton, «weil ich diese Frau zuerst nicht mochte.» Ende der 80er-Jahre begann sie selbst Regie zu führen; unter anderem inszenierte sie eine Folge der Mystery-Soap «Twin Peaks» und das feinsinnige Kinomelodrama «Unstrung Heroes» (1995). «Diesen Film mochte ich wirklich.» «Hanging up» sei ihr danach misslungen, gesteht sie; darauf hätten sich nicht mehr so viele Möglichkeiten ergeben, Regie zu führen. «Ich würde es gerne nochmals probieren.» Sie bewundere Regisseure, die einen visuellen Stil haben: «So wie David Fincher – mit dem würde ich gerne mal arbeiten», verrät Keaton. Ob sie denn bereit sei, eine Szene 75mal zu wiederholen – ein Ruf, den Fincher geniesst. Ihre prompte Antwort: «Klar bin ich dazu bereit. Ich habe ja auch mit Warren Beatty gedreht.»

Die Liebe zu alten Häusern

Ihr Geld verdient Diane Keaton neben der Schauspielerei als Immobilienmaklerin, womit sie in die Fussstapfen ihres Vaters trat. Später, beim persönlichen Treffen – der Medien-Marathon scheint sie nicht zu ermüden, sie begrüsst einen, als ob man heute der erste sei – erzählt sie mehr davon: «Es macht mir Freude, ein Haus zu renovieren und neu einzurichten. Das ist es, was ich am liebsten daran mag, den Häusern ein neues Leben einzuhauchen.» Für «And so it goes» durfte sie Vorschläge machen, wie die Wohnung von Leah eingerichtet wird, was ihr Vergnügen bereitet habe.

Diane Keaton ist in der Los Angeles Conservancy aktiv, einer Organisation, die sich für den Erhalt historischer Bauten engagiert; sie ist ganz begeistert über die schönen historischen Häuser von Zürich, die sie in der Stadt entdeckt hat. «Hier steht ein prächtiges altes Haus neben dem anderen. In L. A. sind solche historischen Bauten quer über die Stadt verteilt.»

Wie sieht denn Ihr Traumhaus aus, Miss Keaton? «Oh, ich baue gerade daran», antwortet sie. «Von der Planung bis zum Schluss. Es ist beängstigend. Ich merke dabei, dass ich viel zu wenig über Architektur weiss.» Das klingt nach jener widersprüchlichen Eigenschaft der US-Schauspielerin, die sie in ihrer Autobiographie als Mischung aus «schmerzhaft unsicher und beängstigend ambitiös» beschrieben hat. «Nein», betont sie, «das ist wirklich eine grosse Herausforderung.»

Der Film «And so it goes» startet am 13. November in den Kinos.