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Die Übermacht der Väter

Auf dem St. Galler Klosterplatz inszeniert Guy Joosten die Oper «Le Cid» von Jules Massenet. Bereits zu sehen sind die Bühne und zwei fahrbare Türme. Hinzukommen werden spektakuläre Videoprojektionen von Franc Aleu.
Rolf App
Zwei verschiebbare Türme prägen in diesem Jahr die Bühne der St. Galler Festspiele auf dem Klosterplatz. (Bilder: Michel Canonica)

Zwei verschiebbare Türme prägen in diesem Jahr die Bühne der St. Galler Festspiele auf dem Klosterplatz. (Bilder: Michel Canonica)

ST. GALLEN. Über schmale Holztreppen steigen wir elf Meter hoch und schauen uns vorsichtig um. Ein Geländer gibt Halt, trotzdem ist der Blick in die Tiefe beunruhigend. Hier oben also wird Mary Elizabeth Williams am Freitag der kommenden Woche stehen und die Chimène singen. «Glücklicherweise sind unsere Sänger schwindelfrei», sagt Opernchef Peter Heilker. «Im Unterschied zu mir selber.»

Ein wichtiges Element fehlt

Trotzdem sieht die von Alfons Flores entworfene Bühne auf dem St. Galler Klosterplatz noch eher schlicht und nackt aus. Ein wichtiges Element fehlt: Jene Videoprojektionen, an denen Franc Aleu noch rastlos arbeitet. Sie lassen die Fassade der Kathedrale zur Mitspielerin werden.

Das hat seine Berechtigung. Denn Jules Massenet lässt seine Oper «Le Cid» auf dem Platz vor der Kathedrale von Burgos spielen. Hier vollzieht sich der Aufstieg Rodrigues – des späteren Cid – zum Ritter. Hier entzweien sich sein Vater und jene Chimène, für die er viel empfindet. Hier zerbricht ihre Liebe an der Pflicht, die Familienehre zu rächen. Oder genauer: Sie droht zu zerbrechen. Denn am Ende der farbigen, musikalisch äusserst vielgestaltigen Grand Opéra steht doch ein Happy End.

Sogar der heilige Jakob

«<Le Cid> ist ein Stück, das es nicht verdient hat, so vergessen zu werden», sagt Peter Heilker. «Es geht um Ehre, es geht um Familienzwist, es geht um Religion – um all das also, was uns heute immer noch etwas angeht.» In seinem Herzen habe Guy Joosten diese Oper schon einige Jahre getragen. So sei es denn nicht schwer gefallen, den Belgier, der in St. Gallen schon «La Wally» von Alfredo Catalani und Mozarts «Don Giovanni» inszeniert hat, für das Vorhaben zu gewinnen. «Auch der religiöse Anteil ist gross, deshalb passt <Le Cid> perfekt auf den Klosterplatz. Es werden Glocken erklingen, es wird die Orgel ertönen. Selbst der heilige Jakob wird dem Helden Rodrigue den rechten Weg weisen.»

Stefano La Colla wird den Rodrigue geben, Levente Páll Don Diègue, seinen Vater. Auf der anderen Seite stehen die Chimène Mary Elizabeth Williams und Kevin Short als ihr Vater, der Comte de Gormas. Und dazwischen Tomislav Lucic als König und Evelyn Pollock als Infantin.

Guy Joostens Idee

Für Guy Joosten ist die Zusammenarbeit mit dem katalanischen Team um Alfons Flores und Franc Aleu von zentraler Bedeutung für die Verwirklichung seines Konzepts. «Es gibt im Stück drei Familien, die Diègues, die Gormas' und den König. Es sind drei Väter, die je ein Kind haben – und diese Kinder geraten in einen Zwiespalt zwischen eigenen Ambitionen und der Familienehre.» Das eigene Leben nicht leben zu können, das arbeitet Joosten als Hauptthema heraus. «<Le Cid> handelt von der Macht der Väter.»

Die Türme als Schauplatz

Die Bühne setzt für den Gegensatz der Gormas' und der Diègues in Gestalt der Türme ein starkes Symbol. Auf Schienen lassen sie sich nach vorn oder nach hinten rücken – eine grosse Herausforderung für den Technischen Leiter Georges Hanimann. «Wir erstellen hier zwar immer nur temporäre Architektur. Aber die sieben bis acht Tonnen schweren Türme müssen sich auf einer stabil konstruierten Bühne bewegen können.»

In vier Gehäusen sind acht Projektoren untergebracht, die in der Nacht zum Leben erwachen. Dann werden Aleus Projektionen erprobt und den Details der Kathedrale angepasst. «Das ist jetzt ein Wettlauf gegen die Zeit», fasst Georges Hanimann die Lage zusammen.

Die Träume des Regisseurs

Im Wettlauf gegen die Zeit steht auch Guy Joosten, der aber einen sehr gelassenen Eindruck hinterlässt. Gerne hätten er und Alfons Flores die Bühne bis dicht an die Kirche gezogen, was aber nicht möglich war. Joosten kann das verschmerzen. «Wir Regisseure haben immer unsere wilden Träume – und müssen dann Kompromisse eingehen. Wenn am Ende der Diskussionen eine überzeugende Lösung steht, lässt sich das gut vertreten.»

Ein Dank an den Bischof

Joosten mag St. Gallen sehr. Ihm gefallen zum einen der Ort und seine Umgebung. «Ich jogge jeden Morgen oben auf Drei Weieren. Und wenn ich mal weg muss, dann bin ich schnell auf dem Flughafen Zürich – für einen Regisseur nicht ganz unwichtig.» Zum andern aber schätzt er die Art und Weise, wie das Theater geführt wird.

Die Probe naht, Stefano La Colla und Levente Páll stehen bereit, im nahen Ausstellungssaal auch das Orchester. Theaterdirektor Werner Signer stattet einen letzten Dank an einen Abwesenden ab: an den Bischof, dessen Schlafzimmer sich direkt über der Bühne befindet – und der die Oper vermutlich schon bestens kennt.

Guy Joosten (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Guy Joosten (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

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