Die Trogner Sängerin Franziska Schiltknecht heizt mit einer Konzertreihe dem Winterblues ein

«Celebrao» heisst der neuste Streich der Trognerin Franziska Schiltknecht. Die Konzertreihe ist inszeniert wie ein Bühnenstück, enben Live-Musik gehören auch Masken, Fächer, Kostüme, Videoprojektionen und Lichtstimmungen dazu.

Roger Berhalter
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Masken und Kostüme: Franziska Schiltknecht inszeniert ihre Konzerte wie ein Bühnenstück.

Masken und Kostüme: Franziska Schiltknecht inszeniert ihre Konzerte wie ein Bühnenstück.

Bild: PD

«Seit drei Tagen keine Sonne mehr», sagt Franziska Schiltknecht und blickt durchs Fenster hinaus in den Nebel. «Ich wünsche mir einen warmen Raum, in dem die Leute gemeinsam etwas erleben.» Das würde helfen in dieser dunklen, grauen Jahreszeit. Und natürlich helfe Singen: Die 41-Jährige arbeitet seit fast 20 Jahren professionell und leidenschaftlich mit ihrer Stimme. Als Mitglied der A-cappella-Gruppe Hop o’my thumb ist Schiltknecht bekannt geworden.

Später zog sie zusammen mit ihrem Mann Michael Finger und dessen Cirque de Loin ein Musiktheater auf; als Ronamor tourte die Truppe 2017 durchs Land. Jetzt lodert in Franziska Schiltknecht das «Stimmenfeuer»: Unter diesem Namen gibt sie Gesangsunterricht und betreibt eine gesangstherapeutische Praxis in Trogen.

Franziska Schiltknecht mit ihrem Partner Michael Finger während eines Gastspiels des Cirque de Loin auf der St.Galler Kreuzbleiche.

Franziska Schiltknecht mit ihrem Partner Michael Finger während eines Gastspiels des Cirque de Loin auf der St.Galler Kreuzbleiche.

Bild: Urs Bucher (30.5.2017)

Mit ihrem neusten Projekt «Celebrao» möchte Schiltknecht das Licht und die Dunkelheit feiern und ein «Gesamtkunstwerk aus Musik, Maske und Visuals» auf die Bühne bringen. So steht es auf dem Flyer, der die Konzertreihe ankündet. Schiltknecht verspricht ein zugleich belebendes und entspannendes Konzert; «Celebrao» stehe für Entschleunigung im aktuellen Weihnachtstumult.

Masken, Videoprojektionen und ein Göttinnenmythos

Am liebsten hätte die Sängerin mit der grossen Kelle angerührt: Sie wollte für ihre Konzerte zunächst ein Zirkuszelt aufstellen, darin ein Feuer lodern lassen, die Leute darum versammeln und ein gemeinsames Fest feiern. Weil das logistisch und vor allem finanziell kaum zu stemmen gewesen wäre, musste Schiltknecht ihr Projekt wieder zurückfahren.

Doch noch immer plant sie Grosses: ein Konzert mit Livemusik, inszeniert wie ein Bühnenstück, mit Masken, Fächern und Kostümen, mit Videoprojektionen und Lichtstimmungen sowie mit einem Göttinnenmythos als Handlungsrahmen. Zur Unterstützung hat sich Schiltknecht die Berner Maskenbildnerin Miria Germano und die Berliner Videokünstlerin Lucia Gerhardt ins Boot geholt.

Bereits erschienen ist das Album zur Konzertreihe (hier erhältlich). «In der heutigen kalten, schnellen, reizüberfluteten Welt tut mir solche Musik gut», sagt Schiltknecht über die zwölf Lieder, die sie mit ihrer neuen Band aufgenommen hat: Stefanie Hess (Kontrabass und Stimme), Sara Käser (Cello und Stimme) sowie Thomas Troxler und Simon Wunderlin (Perkussion).

Die Band von Celebrao: Sara Käser, Franziska Schiltknecht, Stefanie Hess und Thomas Troxler (von links).

Die Band von Celebrao: Sara Käser, Franziska Schiltknecht, Stefanie Hess und Thomas Troxler (von links). 

Bild: PD

Speziell daran war der Entstehungsprozess: Schiltknecht hatte vorab weder Texte geschrieben noch Melodien komponiert, sondern traf sich mit Musikerinnen und Musikern während eines Jahres zu ausgedehnten Jamsessions. Sie sagt:

«Es waren tagelange Improvisationen,
die wir aufgenommen haben. Danach haben wir alles durchgehört und die besten Momente gefasst.»

Sie habe nach jenem Zustand gesucht, in dem «das Herz für alle gleich sei», wie sie sagt. Nach jenen Passagen, in denen musikalisch alles zusammenfand, obwohl nichts vorgespurt war.

Anschliessend analysierte die Band diese spontanen Momente und spielte sie nach. So kamen zwölf Lieder zusammen, die ohne Strophe-Re­frain-Strophe-Schema auskommen und wie ein Strom aus Klängen und Stimmen fliessen. Schiltknecht singt keine Texte, sondern setzt ihre Stimme als weiteres Instrument ein.

Kuhglocken, Rockgitarren und Atmosphären

Das Ergebnis klingt meist langgezogen und sphärisch, wie in den Songs «Hang in India» oder «Relax». Manchmal wird die Band aber auch zum Rumpelorchester und spielt beinahe lüpfig auf («Feuer, Schutt & Asche»). In «Alpsegen» meint man im Hintergrund Kuhglocken zu hören, und Schiltknecht touchiert mit ihrer Stimme den Jodel. In «He!» spielt das Cello sogar ein Rockgitarrenriff. Auch das ist «Celebrao», auch auf diese Weise möchte Schiltknecht der nahenden Wintersonnenwende etwas Feuriges entgegensetzen.

Live: 13.12., Rössli, Trogen; 14.12., Offene Kirche, St.Gallen; 3.1., Hof zu Wil, Wil; 11.1., Eisenwerk, Frauenfeld (jeweils 20 Uhr)