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Die Toten von Marignano

Zu ihrer Zeit gelten sie als unschlagbar. Vor 500 Jahren aber zeigt sich in Marignano, dass sich die für ihre Brutalität berüchtigten Männer aus den Bergen überschätzen. Zum Jubiläum erzählt Markus Somm die Geschichte dieser Niederlage.
Rolf App
Markus Somm: Marignano. Die Geschichte einer Niederlage, Stämpfli 2015, 341 S., Fr. 39.90

Markus Somm: Marignano. Die Geschichte einer Niederlage, Stämpfli 2015, 341 S., Fr. 39.90

Eines ist bei allem auch aktuell-politisch motiviertem Streit klar: Was sich vor genau 500 Jahren im damaligen Marignano vor den Toren Mailands ereignet hat, stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der Eidgenossenschaft dar. Mit ihm nimmt dieses Bündnis souveräner Orte mit stark divergierenden Interessen und auch tiefen konfessionellen Gräben Abschied von Grossmachtträumen.

Das Desaster von Mailand

Ein paar Jahre lang hat man das weltstädtische Mailand beherrscht, herausgekommen ist ein Desaster. Eine letzte Eroberung darf noch sein: das Tessin. Aber 10'000 Tote auf dem Schlachtfeld sind entschieden zu viele. Gefürchtet werden die Schweizer Krieger in Europa weiter sein, dann aber als Söldner, mit denen sich gut Geld verdienen lässt.

In einem weiten Bogen

In einem zum Jubiläum erschienenen Buch erzählt Markus Somm die Geschichte dieser prägenden Niederlage. Er schlägt einen weiten Bogen, mehr als zweihundert Seiten benötigt er, bis er auch nur in die Nähe der Schlacht selber gelangt. Doch macht dieses Vorgehen Sinn, auch wenn Somm den Weg vielleicht da und dort noch ein wenig hätte abkürzen können. Dann etwa, wenn er etwas weitschweifig einzelne Akteure porträtiert.

Es ist die Gründlichkeit, mit der diese Darstellung beeindruckt, und, für den Leser, ihr erzählerischer Fluss. Beinahe wähnt man sich etwa bei den Verhandlungen der Tagsatzung anwesend zu sein, wenn die Delegierten der Orte um eine gemeinsame Linie ringen oder die Gesandten der Grossmächte empfangen.

Habsburger gegen Franzosen

Somm bettet die Schlacht von Marignano ein in die Geschichte Europas. Mehr und mehr ist dieses Europa an der Wende zum 16. Jahrhundert bestimmt vom Gegensatz zwischen den von Spanien über Deutschland bis in die Niederlande herrschenden Habsburgern und den Franzosen. Zum Kampfplatz wird das politisch zersplitterte Italien, und zu begehrten Verbündeten werden die Eidgenossen.

Einzigartig kampfstark

Ihre Krieger sind einzigartig kampfstark, der Papst wirbt um sie, der Kaiser ebenfalls, und auch der französische König glaubt ohne sie nicht siegen zu können. Ein wahrer Geld- und Goldregen geht auf die eidgenössischen Eliten nieder, sie sind bestechlich wie niemand sonst in Europa. Es ist ein wenig schmeichelhaftes Bild, das Somm hier zeichnet – zu Recht. Noch lange wird das Söldnerwesen innenpolitisch ein Stein des Anstosses bleiben. Und noch lange wird diese Eidgenossenschaft aussenpolitisch gelähmt sein durch innere Gegensätze.

Als der französische König Franz I. sich im Frühling 1515 rüstet zum Krieg gegen die Schweizer in Mailand, wird der Dissens rasch offenbar. Die Innerschweizer wollen das Protektorat um keinen Preis räumen, die von Bern geführten westlichen Orte haben es aufgegeben. Die Franzosen aber haben etwas, das die Schweizer unterschätzen: überlegene Artillerie.

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