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Theaterschauspieler suchen in Trogen nach dem Glück

Die Schauspieler des Freilichttheaters «Das glückselige Leben» laden die Zuschauer zu einem Dorfspaziergang ein. In Gassen und Häusern zeigen sie, wie es wäre, wenn Trogen das glücklichste Dorf der Schweiz wäre.
Julia Nehmiz
In Trogen geht es auch mal hoch hinauf: Schauspielerin Rachel Braunschweig, Regisseur Hans-Christian Hasselmann (Mitte) und Schauspieler Manuel Löwensberg proben einen Dialog auf dem Landsgemeindeplatz. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

In Trogen geht es auch mal hoch hinauf: Schauspielerin Rachel Braunschweig, Regisseur Hans-Christian Hasselmann (Mitte) und Schauspieler Manuel Löwensberg proben einen Dialog auf dem Landsgemeindeplatz. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Die Probe im Trogener Gasthaus Schäfli plätschert dröge dahin. Wieder und wieder muss die Laienspielerin vor das Restaurant und wieder hinein, ein Mädchen muss nochmal und nochmal ein Stück auf dem Klavier spielen. Es geht um Timing, Technik, wer wann wohin soll. Da stürmt ein älterer Mann in den Gastraum. «Das ist Kulisse genug, das ist Kulisse genug!», ruft er. «Ich will das nicht!» Er fordert, die Marienkäferbilder müssen abgehängt werden. Sofort. Die Bedienung führt ihn nach nebenan. «Vater, komm.»

Kurze Irritation. Das ist kein Auftritt, die Realität bricht in die Probe. Regisseur Hans-Christian Hasselmann will die Bilder abhängen, die anderen stoppen ihn. «Das ist alles abgesprochen, wir dürfen die Bilder aufhängen», zischt Regisseurin Katrin Sauter. Sie geht nach nebenan, «Der Auftritt war super», sagt Schauspieler Ingo Ospelt trocken. Sauter kommt zurück: «Gut, wir können weiterproben.»

Jetzt sollen die prächtigen Häuser lebendig werden

In Trogen sind doch nicht alle so glücklich, wie das Theaterstück behauptet. In «Das glückselige Leben» wird erkundet, was Glück überhaupt ist. Was es ausmacht. Wann ist man glücklich? Die Theatermacher Katrin Sauter, Hans-Christian Hasselmann und Karin Bucher, die 2016 das Projekt «Checkpoint Säntis» im alten Hotel auf der Schwägalp realisierten, haben ihre Stückidee bei drei Autoren in Auftrag gegeben.

Seit zweieinhalb Jahren arbeiten sie an ihrem Freilufttheater, ihrem «Theaterspaziergang durch Arkadien», wie sie es nennen. Fünf Gruppen à 25 Zuschauern werden am Abend durch Trogen geführt, in den Gassen, in den Häusern, auf den Plätzen erzählen ihnen die 60 Mitwirkenden die Geschichte, wie Trogen angeblich von einem Glücksforscher zum glücklichsten Dorf der Schweiz erkoren wurde, und was das mit den Dorfbewohnern macht.

In letzter Minute doch noch finanziert

Verwoben wird dies mit der historischen Geschichte der Textilhandelsfamilie Zellweger, die dem Dorf sein Gesicht gab, prächtige Häuser und Paläste baute, die Kantonsschule gründete und schon damals Diskurse über das glückselige Leben verfasste. «Ich habe in Trogen immer das Gefühl, es war mal mehr, als es jetzt ist», sagt die Trogener Szenografin Karin Bucher. Jetzt will sie die Häuser lebendig werden lassen.

Dass das wirklich alles zustande kommt, war ungewiss. «Wir waren kurz davor, alles abzusagen», sagt Hasselmann. Das Geld reichte nicht. Doch das Crowdfunding war erfolgreich. Und: «In der kritischen Zeit haben wir viele gute Rückmeldungen bekommen», sagt Katrin Sauter. Die bekommen sie auch jetzt, zwei Drittel der Tickets sind bereits verkauft.

Schauspielerin Rachel Braunschweig (Bild: Nadia Schärli)

Schauspielerin Rachel Braunschweig (Bild: Nadia Schärli)

Und sie haben prominente Mitstreiter gefunden. Fünf Profis spielen mit, darunter Rachel Braunschweig, die zuletzt in «Zwingli», «Wolkenbruch» und «The Lines of my Hand» vor der Kamera stand und die für ihre Rolle der Teresa im Kinofilm «Die göttliche Ordnung» mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet wurde.

Manuel Löwensberg, der mit der TV-Serie «Lüthi & Blanc» seinen Durchbruch feierte und in vielen TV- und Kinofilmen sowie unzähligen Theaterproduktionen mitwirkte, gibt in Trogen den Glücksforscher. Warum spielen sie in einem Laientheater mit?

Den Star-Schauspielern gefällt der Text

«Das ist für mich kein Laienstück», sagt Rachel Braunschweig. Profis haben den Text geschrieben, Profis führen Regie. Der Text habe sie überzeugt, ihr gefallen die Figuren, besonders die der fünf Protagonisten. Braunschweig: «Ich habe in letzter Zeit vor allem gedreht, jetzt geniesse ich die intellektuelle Auseinandersetzung mit Texten.» Das sei auch der Grund, warum sie immer noch gerne Theater spiele.

Im Film seien die Texte selten literarisch. Autor Lukas Linder finde starke sprachliche Bilder, «da freue ich mich schon beim Lesen», sagt Braunschweig. Sie spielt in «Das glückselige Leben» die Gemeindepfarrerin. «Meine Figur hat viele Facetten, das finde ich spannend.»

Für Manuel Löwensberg war der Regisseur ausschlaggebend, er kannte ihn von einer gemeinsamen Arbeit am Theater Marie in Aarau. «Ich fand ihn sympathisch, eloquent, inhaltlich scharf denkend», sagt Löwensberg. Auch die Zusammenarbeit mit den Laien sei schön. «Mit dem, der den Laurenz Zellweger spielt, bin ich sehr glücklich.» Es sei beeindruckend, was die vielen Freiwilligen hier gemeinsam auf die Beine stellen.

Glück wird für die Schauspieler gerade mehr zum Thema, aber ihre Vorstellung von Glück habe sich durch das Stück nicht verändert. Glück sei, wenn sie das Gefühl habe, dass sie das Leben lebe und geniesse, sagt Braunschweig.

Kein Ratgeber, sondern ein Mutmacher

Dass Trogen das glücklichste Dorf der Schweiz sei, ist eine hübsche theatrale Hypothese. Man führe kein Ratgeberstück auf, auch kein Historienspiel, sagt Regisseur Hasselmann. Das Stück sei Volkstheater im besten Sinne. Und ein Mutmacher, sich selber auf den Weg zu machen, das Glück zu erkunden.

Das Glück ist flüchtig, auch in Trogen. Am Landsgemeindeplatz flattert am Parkschild hinter den blühenden Oleanderbüschen ein Zettel im Wind: Die Giesskanne, die hier seit vielen Jahren in Gebrauch sei, sei spurlos verschwunden. Man bitte, sie zurückzubringen. Wenn das Glück mitspielt, ist sie zur Premiere vielleicht wieder da.

Aufführungen von 16.8. bis 14.9.

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