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KKL: Bernard Haitink macht die Strings zum Festival-Orchester

Die Festival Strings Lucerne laden zu einem Galakonzert, das diesen Namen auch verdient. Mit Bernard Haitink stand einer der ganz grossen Dirigenten seiner Generation am Pult – und wie!
Roman Kühne
Ein historischer Moment: Bernard Haitink dirigiert erstmals im Konzert die Festivals Strings Lucerne. (Bild: Eveline Beerkircher; KKL, 23. Mai 2018)

Ein historischer Moment: Bernard Haitink dirigiert erstmals im Konzert die Festivals Strings Lucerne. (Bild: Eveline Beerkircher; KKL, 23. Mai 2018)

89 Jahre ist er alt! Man kann es sich nicht oft genug vor Augen führen. Alles hat er geleitet, was man leiten kann, von Berlin nach Wien bis in die USA. Er war Chefdirigent des Concertgebouworkest Amsterdam (27 Jahre!) und des Chicago Symphony Orchestras, zwei der führenden Klangkörper der Welt. Seit 52 Jahren tritt er am Lucerne Festival auf, wo er unter vielen anderen auch das Festival Orchester leitete.

Als er jetzt am Mittwochabend im Konzertsaal des KKL ans Pult der Festival Strings Lucerne tritt, mag man all diese Zahlen nicht recht glauben. Sparsam, aber frisch ist sein Dirigat. Bestimmt führt er die Strings durch das sinfonische Programm. Und hört man das Resultat, hofft man, dass Bernard Haitink uns noch ewig beglücken werde.

Sonnenkönige im Kinderspiel

Alles wirkt bei ihm so leicht, natürlich und klar – aber auch spannend und musikalisch. Da ist die 86. Sinfonie von Joseph Haydn aus seinen Pariser Jahren. Es ist ein entspannter Haydn, nichts wird forciert. Natürlich fliessen die reichen Melodien. Wie so oft wählt Haitink einen kammermusikalischen Ansatz. Alles ist hörbar, die Lautstärke wird in sämtliche Richtungen austariert, das wuchtige Forte bleibt stets im Dienste der Musik. Metrisch präzis, kurze Noten, schnell verklingende Akzente – den Instrumenten wird viel Platz gelassen.

Herrlich sind die Farben, die so entstehen, wenn zum Beispiel die Flötistin im zweiten Satz sich mit den Violinen mischt. Eine springende Leichtigkeit im geschmückten Fürstensaal. Es ist, als ob Haitink dem pompösen Hof die Spitze brechen wollte. Das ganze historische Zeremoniell des Ancien Régime wird verwandelt in einen tanzenden, wohl leicht verliebten Jüngling.

Sinfonische Kammermusik

Ganz anders erklingen die beiden romantischen Stücke, «Manfred» von Robert Schumann und die vierte Sinfonie von Johannes Brahms. Zwar bleibt auch hier Bernard Haitink seiner kammermusikalischen Linie treu, ist alles aufgefächert und transparent. Aber dazu kommt eine sinfonische Breite und Fülle, die man beim Konzert vom Sonntag mit Philippe Herreweghe bei Brahms’ Dritter vermisste (wir berichteten). So setzt Haitink auf weite Grösse, ist emotionell und packend. Mächtig wogt es im vierten Satz, strömen das Volumen und die Farben. Doch immer sind Klang und Schattierungen wichtiger als Kraft und Protz. Herrlich ist es, wenn das finale Sehnen plötzlich in sich zusammenbricht, die Lautstärke lange unten bleibt. Herausragend ist das langsame Andante, mit viel Gespür für die Entwicklung, die malenden Wechsel zwischen Horn, Flöte, Klarinette und Fagott, der zupfenden Streicher Pianissimo im Hintergrund.

Ein kleines Festival Orchestra

Das beglückende Erlebnis verdankt sich natürlich auch der Exzellenz des Orchesters. Die Festival Strings Lucerne, schon für sich genommen ein ausgezeichnetes Kammerensemble, werden für diesen sinfonischen Abend mit Konzertmeistern, Stimmführern, Solobläsern und Kammermusikern aus Klangkörpern wie der Staatskapelle Dresden oder dem Gewandhausorchester Leipzig ergänzt. Ein wenig fühlt man sich in der Konstellation ans Lucerne Festival Orchestra erinnert.

Und es ist hier sicher ein Vorteil, dass die Festival Strings sonst auch ohne Dirigent sinfonische Werke spielen. Unter ihrem Konzertmeister Daniel Dodds spielen die erweiterten «Strings» entfesselt und kontrolliert in einem. Die Solostellen sind ausgezeichnet besetzt. Die Musiker hören mit der gleichen Intensität aufeinander.

Aber wie kann sich das kleine Kammerorchester einen Star wie Haitink überhaupt leisten? Dies vor allem, da das Orchester heute deutlich weniger Geld vom Staat erhält als vor 10 Jahren? Hans-Christoph Mauruschat, Geschäftsführer der Festival Strings, erklärt: «Dieses Konzert ist aus einer starken musikalischen Wertschätzung und Freundschaft entstanden. Unsere Zusammenarbeit in den Dirigierkursen des Lucerne Festival hat hierzu den Boden gelegt. Herr Haitink hat zahlreiche Freunde im Orchester und hat sich einfach darauf freut, mit dem Orchester einmal arbeiten und auftreten zu können.»

Fürs Publikum hat es sich gelohnt. Es ist ein Abend, der von Anfang bis Schluss ein anregendes, ja beglückendes Momentum bot. Zu Recht verabschieden die Zuschauer die Musiker und den Dirigenten mit einer lang anhaltenden Standing Ovation, die auch bei vollem Lichte nicht enden will.

Letztes Saisonkonzert der Festival Strings (mit Rudolf Buchbinder, Klavier): Sonntag, 17. Juni, 18.30, Konzertsaal, KKL Luzern.

Mehr Koordination von Seiten des KKL?

Innerhalb von zwei Wochen wird vier Mal im KKL eine Sinfonie von Brahms durch verschiedene Orchester aufgeführt. Zusammen mit dem Konzert des Luzerner Sinfonieorchesters Ende März sind es gar fünf Aufführungen. Was spannend sein kann – die teils gleichen Sinfonien in kürzester Zeit in unterschiedlichen Interpretationen zu hören – wird den durchschnittlichen Konzertbesucher aber eher abschrecken. Auch da zeigt sich, dass im KKL eine Stelle fehlt, die Programme koordinieren könnte. Man hat sich ja von Anfang an bewusst gegen ein künstlerisches Management entschieden. Mit der kürzlich erklärten Absicht, doch vermehrt auch Eigenveranstaltungen zu zeigen, stellt sich die Frage, ob darüber hinaus nicht ein Minimum an Steuerung Sinn machen würde: Um Ballungen zu vermeiden, bei denen sich Veranstaltungen gegenseitig direkt konkurrenzieren. (kü)

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