Pop

Die Strasse zieht sich durch Chris Reas Werk wie die Route 66 durch die USA

Staugeschichten eines Autofreaks - jetzt nimmt der englische Sänger Chris Rea erneut Fahrt auf. Nach einer Ausfahrt zum Blues, kehrt er mit dem neuen Album zum Pop zurück.

Steffen Rüth
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Chris Rea: Nach Blues nun wieder Pop.HO

Chris Rea: Nach Blues nun wieder Pop.HO

Chris Rea ist ein Autofreak. Lange hat er Oldtimer gesammelt und einen Film über Ferrari-Rennfahrer Wolfgang Graf Berghe von Trips gedreht. Rea klettert selbst gern in seinen alten Rennflitzer, einen «Morris 1000» aus dem Jahr 1957. «Es stimmt, Autos sind mein Leben», sagt er. So überrascht es nicht, dass sein neues Album «Road Songs For Lovers» heisst. Die Idee zum Album entstand im Stau. «Ich betrachtete die Menschen in den Autos nebenan und dachte mir Geschichten zu ihnen aus. Bei Paaren fragte ich mich, wie es wohl um ihre Beziehung steht.» So entstand der Titelsong des Albums «Happy On The Road», «Moving On» oder «The Road Ahead».

Heute ist der Sänger aber meist als Beifahrer unterwegs. Denn seit Jahren plagt er sich mit schweren Gesundheitsproblemen herum und nach einem Schlaganfall im letzten Jahr kommt er nur langsam wieder auf den Damm. Er ist schmal geworden und zerbrechlich. Um auf der kommenden Tournee fit zu sein, muss er sich öfter Erholungspausen gönnen als früher.

«Road Songs For Lovers» ist Reas eingängigstes und poppigstes Album der letzten 15 Jahre. Zuletzt konzentrierte sich der 66-Jährige auf den Blues. Jetzt hat er eine Sammlung von schönen, warmen Rock- und Pop-Balladen, die den Geist seiner grössten Erfolge wie «Josephine» oder «The Road To Hell» atmen. Man fühlt sich geborgen in der Gegenwart dieser von Rea mit sanft-rauer Stimme vorgetragenen, Songs.

Rea kann aber auch anders. Der dunkelste Song heisst «Last Train», eine pessimistische Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Missstände. «Uns älteren Menschen werden die Rückzugsorte genommen», klagt Rea, «alles verändert sich so schnell, wir kommen da nicht mehr mit. Es tut weh zu sehen, dass die Gesellschaft uns nicht wertschätzt.» Der Musiker lobt das Sozialsystem in Deutschland, und obschon er als Europaskeptiker gilt, wettert er gegen die Regierung. «Die EU zu verlassen, ist der grösste Fehler. Die Bevölkerung sei von der Regierung hereingelegt worden.» In Sunderland, dem Ort mit der grössten Autofabrik Europas, «haben die Leute mit dem Brexit für ihre eigene Arbeitslosigkeit gestimmt. Ich hoffe, dass ich eines Morgens aufwache und höre, dass es eine zweite Abstimmung gibt.»