Die St.Gallerin Veronika Brusa macht den Modewahnsinn nicht mehr mit

Zusammenbruch in Neu Delhi, Pleite in New York: Nach Rückschlägen ist die St.Galler Modedesignerin Veronika Brusa wieder auf Kurs. Heute präsentiert sie ihre Kleider am Designermarkt Cash for Trash.

Roger Berhalter
Drucken
Teilen
Die St.Gallerin Veronika Brusa ist heute mit ihrem Modelabel Berenik am Designermarkt Cash for Trash vertreten.

Die St.Gallerin Veronika Brusa ist heute mit ihrem Modelabel Berenik am Designermarkt Cash for Trash vertreten.

Bild: Benjamin Manser

Sie war gerade in Neu Delhi, als alles über ihr zusammenbrach. Die Zeit drängte, so wie immer in der Modebranche. Die nächste Fashion Week stand an, bis dahin musste Veronika Brusa eine neue Kollektion liefern. In Indien, so hoffte sie, würde sie noch eine Kleiderfabrik finden. Doch in Neu Delhi angekommen, brach sie körperlich zusammen und landete im Spital.

Kaum wieder draussen, vergab sie den Auftrag in letzter Minute an eine Schneiderei. «Es war eine Katastrophe», erinnert sich die 36-Jährige. «Die Qualität stimmte nicht, wir waren zu spät dran, und unsere Käufer sprangen ab.» Ein Rückschlag für ihr Modelabel Berenik. Da habe sie beschlossen, diesen «Wahnsinn» nicht mehr mitzumachen.

Alle sechs Monate eine neue Kollektion

Die St.Gallerin hat ihre Marke Berenik in ihrer Heimatstadt gegründet, danach zog sie mit ihren Kleidern und Entwürfen in die Welt hinaus: Sie lebte in Schanghai, Paris und New York, präsentierte ihre Mode an den Fashion Weeks von Paris bis Tokyo, eröffnete Boutiquen in ­Zürich und New York. Alle sechs Monate entwarf sie eine neue Kollektion, um den Händlern immer wieder etwas Neues zu bieten:

«Meist arbeitete ich an vier Kollektionen gleichzeitig.»

Mode zu designen, Kleider zu entwerfen, Materialien aufzustöbern: Das sei ihre Obsession. «Ich sprudle immer vor Ideen. Meist sehe ich die komplette Kollektion schon vor mir, bevor ich mit Entwerfen anfange.» Das Grösste seien jeweils die eigenen Modeschauen: Shows mit bis zu 200 Beteiligten und 1000 Besuchern, mit Tänzern und «wilden» Performan­ces, wie Brusa sagt.

13. Designermarkt Cash for Trash

Am 14. Dezember, 11–18 Uhr, findet in der Lokremise St.Gallen zum 13. Mal der Designermarkt Cash for Trash statt. 40 Ausstellerinnen und Aussteller zeigen Schmuck, Mode, Accessoires, Kunst, Keramik und Möbel. Der St.Galler Dimitrij Itten organisiert den Designermarkt seit zehn Jahren. In dieser Zeit habe sich Cash for Trash etabliert: «Ich bekomme mehr und mehr Anfragen, auch von etablierten Labels.» Für viele Jungdesigner sei der Markt zur wichtigen Plattform geworden. Und der Besucher finde eine grosse Auswahl vor. «Vieles sind Einzelstücke, in der Schweiz produziert.»

Am diesjährigen Cash for Trash können die Besucherinnen und Besucher nicht nur schauen und kaufen, sondern auch mitmachen: Beispielsweise eine Christbaumkugel mit dem 3D-Drucker drucken oder einen Wäschekorb aus Holz bauen. 

In New York seien die Leute Schlange gestanden, auch die Resonanz in der Presse sei gut gewesen. «Da habe ich gedacht: Jetzt hab ichs langsam im Griff.» Doch erlitt sie in New York einen weiteren Rückschlag. Sie erhielt eine erhoffte Baubewilligung nicht und musste den Laden nach einem halben Jahr schon wieder schliessen.

Kleider verkaufen und Bäume pflanzen

Jetzt scheint Veronika Brusa ihren Frieden in Finisterra gefunden zu haben, einem Fischerdorf im westlichsten Zipfel von Spanien. Dort lebt sie heute mit ihrem Freund, und von dort aus vertreibt sie ihre Mode per Onlineshop. Boutiquen hat sie keine mehr, auch an den Fashion Weeks ist sie nicht mehr vertreten. Dafür macht sie an speziellen Verkaufsevents wie dem heutigen Cash for Trash in St.Gallen mit.

Seit sie zur Modeindustrie auf Distanz gegangen ist, setzt sie vermehrt auf Nachhaltigkeit. Konkret spendet sie zehn Prozent der Einnahmen an die Non-Profit-Organisation «One Tree Planted», die mit jedem Spendedollar einen Baum pflanzt:

«Wer bei uns ein Kleid für 100 Dollar kauft, pflanzt zehn Bäume.»

Mode aus dem Hauptquartier

Die Modedesignerin Veronika Brusa bewegt sich mit ihrem Label Berenik auf internationalen Laufstegen. Jetzt eröffnet die St. Gallerin in Zürich eine eigene Boutique. Damit sie Kleider nicht nur entwerfen, sondern auch verkaufen kann.
Roger Berhalter