Die St.Galler Autorin Isabel Rohner hat ihren ersten Krimi geschrieben

In «Schöner morden» ermittelt Linn Kegel, Bestellerautorin mit Schreibhemmung und Ostschweizerin im Exil – wie ihre Schöpferin.

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«Ich passe nicht in eine Schublade», sagt Isabel Rohner (Bild: PD)

«Ich passe nicht in eine Schublade», sagt Isabel Rohner (Bild: PD)

Gegen Ende des kurzen Telefonats fallen die entscheidenden zwei Sätze. «Ich passe nicht in eine Schublade», sagt Isabel Rohner am anderen Ende. «Ich bin eher so etwas wie ein Apothekerschrank.» Warum denn ein Krimi, lautete die Ausgangsfrage. Warum denn nicht, war ihre Antwort. Und schon arbeitet sie an einem zweiten, wieder mit Linn Kegel in der Hauptrolle, die ihrer Schöpferin doch einigermassen gleicht: Auch sie ist eine Ostschweizerin, die es ins Ausland verschlagen hat. Und vielleicht kommt auch Isabel Rohner in Berlin manchmal der eine oder andere schweizerdeutsche Satz über die Lippen. Wie dieser Linn Kegel, Bestsellerautorin mit Schreibhemmung. Doch fangen wir vorne an in der Geschichte Isabel Rohners, bevor wir auf ihren Krimi «Schöner morden» zu sprechen kommen.

Dreizehn veröffentlichte Bücher

In St.Gallen ist sie aufgewachsen und zur Schule gegangen, und dann nach Zürich entschwunden zum Germanistikstudium. Von dort geht es weiter mit einem Erasmus-Stipendium nach Köln, wo sie ihr Studium abschliesst und hängen bleibt. Sie arbeitet als Regieassistentin und fängt an zu schreiben. Dreizehn Bücher hat die heute Vierzigjährige publiziert, und sich vor allem einen Namen gemacht als Herausgeberin und Biografin der deutschen Frauenrechtlerin, Journalistin, Theater- und Romanautorin Hedwig Dohm (1831–1919).

Doch ist Isabel Rohner keineswegs bierernst bei ihrer Sache, sondern mit einer grossen Portion Humor. Davon zeugen nicht nur ihre kabarettistischen Auftritte als Teil des Hedwig Dohm Trios und zwei Bücher, in denen sie zusammen mit Andreas Franken kluge Gedanken von Frauen «über Männer, Autos und andere Accessoires» und «über Macht, Erfolg und Geld» gesammelt hat. Sondern auch ihr Kriminalroman «Schöner morden».

Mordopfer mit dunklen Geheimnissen

In ihm steht Linn Kegel mächtig unter Druck. Ihr Verleger will unbedingt ein neues Buch von ihr. Doch statt sich etwas einfallen zu lassen, lässt sie sich von ihrer Freundin Bettina Heidenreich in einen Mordfall in ihrer ehemaligen Künstleragentur hineinziehen. Das Mordopfer, ein ausgesprochenes Monster, hat jede Menge Feinde gehabt und zwei dunkle Geheimnisse. Doch Kommissar Walter Bucher wartet ab und liest lieber philosophische Klassiker – weil sich, in seiner Erfahrung, die meisten Fälle irgendwann von selber lösen.

Dazu ist es dann allerdings doch noch ein weiter Weg, den Linn Kegel und Bettina Heidenreich mit Tempo und Witz zurücklegen, und am Ende entscheidet eine Kleinigkeit den Fall. Ein paar Mal schaut dem «Strubbel-Heidi aus der Schweiz», wie Linn Kegel im Krimi genannt wird, auch Hedwig Dohm über die Schulter. Sie hatte geforder:

«Mehr Stolz, ihr Frauen!»
Isabel Rohner: Schöner Morden, Ulrike Helmer, 160 S., SFr. 18.–

Isabel Rohner: Schöner Morden, Ulrike Helmer, 160 S., SFr. 18.–

Ein Satz, der einem in den Sinn kommt, wenn Isabel Rohner hochironisch beschreibt, wie es in der Künstleragentur beim Vorsprechen zugeht. Da ist eine Casting-Kandidatin, welche die personifizierte Männerfantasie mimt. «Als ob alle Männer auf seelenlose Verfügbarkeit abfahren würden!», denkt Linn Kegel sich. Und: «Diese Geschlechterklischees brachten doch niemanden weiter, im Gegenteil.»