Die singenden Schwestern und ihr Opa Jo

«Als wir drei das erste Mal zusammen gesungen haben?» Pause. «Das war ein Gefühl wie zum ersten Mal im Leben ein Eis zu essen.» Meegan Closner strahlt und blickt in die Schwesternrunde am Interviewtisch.

Steffen Rüth
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Headphones isolated on a white, close up (Bild: Steffen Rüth)

Headphones isolated on a white, close up (Bild: Steffen Rüth)

«Als wir drei das erste Mal zusammen gesungen haben?» Pause. «Das war ein Gefühl wie zum ersten Mal im Leben ein Eis zu essen.» Meegan Closner strahlt und blickt in die Schwesternrunde am Interviewtisch. «Aber natürlich haben wir uns auch gefragt, warum um Himmels willen wir so lange damit gewartet hatten.» Das fragt sich zurzeit die halbe Musikwelt. Denn was das Schwesterntrio namens Joseph, bestehend aus den Zwillingen Allison und Meegan und der vier Jahre älteren Natalie, mit seinen Stimmen anstellt, ist schlicht hinreissender Indie-Folk-Pop.

Die Zwillinge hatten gerade ihr Studium abgebrochen, als die grosse Schwester anfragte, ob sie nicht zusammen Musik machen wollten. Seit 2013 singen die Closners, die in Oregons Hipstercity Portland zu Hause sind, nun gemeinsam – erst meist bei Wohnzimmerkonzerten von Freunden, mittlerweile auch bei Festivals oder im Vorprogramm von James Bay – und das tun sie wirklich grossartig. Das zweite Album «I'm Alone, No You're Not» setzt im Vergleich mit dem unausgereift klingenden Début nicht nur auf formvollendeten Harmoniegesang im Stile der Beach Boys, sondern auch auf waschechte Hymnen. Wie etwa «White Flag», eine furiose Temponummer.

Derweil die drei ungekünstelten Schwestern durch die Welt ziehen und immer bekannter werden, sitzt ganz oben in den Bergen Oregons jemand, der ist der stolzeste von allen. Opa Jo, nach ihm ist die Enkelinnen-Band benannt. Neuerdings soll Jo sein Joseph-Leibchen sogar zum Schlafen nicht mehr ausziehen.

Joseph: «I'm Alone, No You're Not», seit gestern erhältlich

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