Die Schweiz, vom Gummiboot aus

Der diesjährige «Bundesordner» am Casinotheater Winterthur ist von mitreissendem Schwung. Zwischen Morgarten und der Flüchtlingskrise entspannt sich ein sehr musikalischer Bilderbogen.

Rolf App
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Schön&gut mit Bart. (Bild: pd)

Schön&gut mit Bart. (Bild: pd)

Von A nach Z, in Einzelauftritten der beteiligten Kleinkünstler, vielleicht mit einem gemeinsamen Auftritt am Schluss: So spielte sich der satirische Jahresrückblick «Bundesordner» am Casinotheater Winterthur bisher ab. Jetzt ist vieles anders. Die neueste Ausgabe, die am Donnerstagabend Premiere hatte, ist bunter geraten, überraschender, und auch musikalischer. Und: Der Einzelauftritt ist die Ausnahme, stattdessen greift vieles ineinander. Mit, im Wortsinn, phantastischem Resultat.

Die zwei mit den Bärten

Morgarten, die Flüchtlinge, das Internet: Das sind die Stichworte des abgelaufenen Jahres. Morgarten, das gilt es für die Bundesordner-Hüter Hans und Heiri mit ihren Bärten am Ende auch originalgetreu nachzustellen. In Englisch, damit alle es verstehen. Zum Darsteller der Habsburger wird mangels Österreichern Jess Jochimsen erkoren, der Deutsche in der Runde. Die Schlacht ist kurz, aber heftig, das Duo schön&gut alias Hans und Heiri ganz zufrieden. Die Schweizer haben gesiegt, mit Zündhölzern.

Alles ist ausgelöscht

Aber die wahre Gefahr kommt nicht von den Habsburgern, sondern von diesen Leuten da in ihren Gummibooten, die sich zu Beginn des Abends im Bühnennebel einschleichen. Magdalena Martullo-Blocher bringt ihnen immerhin dann in forschem Ton die «seven sinking steps» des Fonduekochens bei: eine von zahlreichen absurden Auftritten der unnachahmlich komischen Anet Corti an diesem Abend.

Das Gummiboot, übrigens, leitet den Abend auch aus. Nur umgekehrt. Jetzt wollen schön&gut weg. Ein wenig pöschtele im superbilligen Deutschland. Jess Jochimsen, ihr Schlepper, wird sie hinüberrudern. Und dann macht Resli Burri von «Les trois Suisses à deux» den melancholischen Schluss – indem er das Jahr rückwärts laufen lässt. Jetzt sind alle Katastrophen ausgelöscht. Wie schön das doch wäre.

Nein, die Zeiten sind hart, überall blüht der Hass. Janu Mumford und Lea Whitcher besingen sie hinreissend rockig. Sie geben dem Ganzen Schwung und Energie, lassen aber den Stillen im Lande genügend Raum.

Die Wiedergeborenen

Kathrin Bosshard mit ihren philosophierenden und singenden Puppen etwa. Oder Nils Althaus mit seiner Gitarre, der sich auch mal – wir sind gerade bei der Totenehrung – in einen etwas hageren Winnetou verwandelt. Oder der unter seinen Playmobilfiguren ein lustvolles Massaker anrichtet.

Dabei hat es so ordentlich begonnen: Der Dalai Lama hat erklärt, er wolle nicht wiedergeboren werden, also stellt Althaus nach, wie denn unsere wiedergeborenen Schweizer Prominenten aussehen könnten.

Weitere Vorstellungen bis Ende Januar

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