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Die Schichten des Lebens freilegen

Die Ostschweizerin Eva Roth hat ihren ersten Roman veröffentlicht. In «Blanko» dienen ihr Erdschichten als Metapher für die Suche eines Mädchens nach den Schichten ihres Lebens. «Kinder setzen die Erzählungen ihrer Eltern zu einem eigenen Bild zusammen», sagt Eva Roth.
Dieter Langhart
Schriftstellerin Eva Roth: «Meine Sicht auf Vergangenes ändert sich immer wieder.» (Bild: Dieter Langhart)

Schriftstellerin Eva Roth: «Meine Sicht auf Vergangenes ändert sich immer wieder.» (Bild: Dieter Langhart)

Von Osten nach Westen ist sie gewandert, von Herisau und Schwellbrunn über Kreuzlingen und Steckborn nach Zürich; den Linien entlang, die die Arbeit und die Liebe vorgaben. Für unser Gespräch treffen wir uns in der Mitte.

Eva Roth hat schon immer geschrieben, vor kurzem hat sie ihren ersten Roman veröffentlicht, ist tief eingetaucht in das Leben der 17jährigen Ayleen und ihrer Mutter Silvia, hat deren Ängste, Bedürfnisse, Hoffnungen freigelegt, Schicht für Schicht.

Zorn – ein Grundgefühl

«Mir ist ein gewisser Zorn aus meiner Jugend geblieben», sagt Eva Roth, «ich konnte mich erinnern und dieses Grundgefühl als treibende Kraft nachvollziehen. Ayleen musste zornig und hartnäckig bleiben gegenüber einer extremen Mutterfigur.» Nur dieses Grundgefühl sei da, Ayleen weise keine autobiographischen Züge auf.

Eva Roth hat nach dem Seminar in Kreuzlingen zwölf Jahre als Lehrerin im Thurgau gearbeitet. «Ich habe gern unterrichtet und immer wieder gestaunt, mit welchen Lebensrealitäten die Kinder zum Teil zurechtkommen mussten.» Jetzt arbeitet sie als Lektorin und Programm-Mitverantwortliche beim Kinderbuchverlag Atlantis. Sie hat schon immer versucht, das Leben in Worte zu fassen, später besuchte sie einen Bildungsgang in literarischem Schreiben. «Blanko» ist ihr erstes langes Prosastück, 2015 war das Bilderbuch «Unter Bodos Bett» erschienen.

Geologie als Metapher

«Ich habe für <Blanko> eine Skizze verwendet und einem Gerüst entlang geschrieben – ein lustvoller Prozess, weil er nicht linear verlief.» Sie muss sich den Raum fürs Schreiben immer wieder nehmen, für «kurze, dichte, anstrengende Phasen». Eva Roth arbeitet derzeit an einem Theaterstück, hat szenisch angefangen und einen Erzählbogen gefunden, «aber vielleicht wird auch ein Roman daraus. Plötzlich reizte es mich, auch die Kulisse zu erzählen».

Der Autorin dient in «Blanko» die Geologie als Metapher für das Freilegen von Geschichte. «Diese Idee hatte ich ganz früh. Überall in den Voralpen ist Gestein sichtbar, aber meine Geschichte kann irgendwo spielen.» Ayleen sucht ihren unbekannten Vater, einen Schwarzafrikaner, sie ringt um ihre Geschichte, um die Schichten ihres Lebens. «Nicht alle Sedimente in einem Menschen sind entscheidend», sagt Eva Roth, «aber Bewusstsein für Geschichte ist sehr wichtig. Man verdrängt, ordnet wieder. Nur so kann man leben.»

Die Wahrheit ist individuell

Eva Roth eignete sich geologisches Wissen an, klopfte beim Bundesamt für Migration an, hatte Kontakt zu einer Person im Ausschaffungsgefängnis. «Die Recherchen bereiteten mir Freude. Entlastend war, dass die Schichten nur in der Fiktion stimmen müssen. Der Leser braucht nichts nachzuschlagen, er soll die Sprünge wirken lassen – alles fügt sich beim Lesen zusammen.» In «Blanko» gebe es nur eine Wahrheit – Ayleens individuelle Wahrheit. Die Vergangenheit, die Ayleen verschwiegen werde, berühre die Zuhörer, wie Eva Roth an Lesungen erfahren hat. «Manche erzählten mir ihre eigene Geschichte.»

Hat die Autorin einen Wunsch für ihre Figur? «Gestein ist kantig, hartnäckig – wie Ayleen. Ja, dass sie weiter nach ihrem Vater sucht, ein reales Gegenüber findet für die Auseinandersetzung.»

Kinder sollen Fragen stellen

Eva Roth ist 1974 in Herisau geboren und in Schwellbrunn aufgewachsen. «Meine Biographie ist nicht kompliziert, und doch ändert sich meine Sicht auf Vergangenes immer wieder», sagt sie. Ja, Fragen von Kindern nach früher seien wichtig (Eva Roth hat zwei Buben aus erster Ehe und ein Mädchen aus der zweiten): «Eltern erzählen Episoden – daraus setzt sich das Kind ein Bild zusammen.»

Eva Roth: Blanko. Roman. Edition 8 2015, 160 S., Fr. 23.90

Eva Roth: Blanko. Roman. Edition 8 2015, 160 S., Fr. 23.90

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