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Die Russen verstehen ja doch Spass

Sie gelten als schwer, düster und melancholisch: russische Romane – grossartig, aber nur mit viel Vodka auszuhalten. Mit ihren dicken, schwermütigen Meisterwerken wie «Krieg und Frieden» oder «Schuld und Sühne» haben Lew Tolstoi und Fjodor Dostojewski im 19.
Hansruedi Kugler
book (Bild: Hansruedi Kugler)

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Sie gelten als schwer, düster und melancholisch: russische Romane – grossartig, aber nur mit viel Vodka auszuhalten. Mit ihren dicken, schwermütigen Meisterwerken wie «Krieg und Frieden» oder «Schuld und Sühne» haben Lew Tolstoi und Fjodor Dostojewski im 19. Jahrhundert dieses Vorurteil zementiert und scheinbar verewigt. Zwar haben jüngere Autoren wie Wladimir Kaminer den unbändigen, schrulligen Witz der russischen Seele rehabilitiert. Aber wenn Anton Tschechow eines seiner Stücke als Komödie untertitelte, wusste man: Lustig wird es nicht, sondern melancholisch. Deshalb ist der Besuch an den Schlossfestspielen Hagenwil empfehlenswert: bei Nikolaj Gogols spöttischer Komödie «Der Revisor». Den Theaterbesuch sollte man gleich fortsetzen mit der Lektüre eines der grossartigsten satirischen Romane der Weltliteratur: Gogol hat 1846 in «Die toten Seelen» einen auch heute noch frisch und amüsant zu lesenden, höhnischen Kommentar auf das zaristische Russland geschrieben. Tschitschikow reist in der Provinz herum und kauft von Gutsbesitzern tote Seelen, verstorbene Leibeigene. Alles nur auf Papier, versteht sich. Bis zur Revision alle zehn Jahre müssen deren Besitzer weiter für sie Steuern zahlen und wollen sie natürlich loswerden. Tschitschikow kauft sie ihnen ab, um mit diesem fiktiven Vermögen bei Banken Kredit für eigene Geschäfte zu bekommen. Nicht zufällig denkt man da an <faule Kredite>. Wie hier das Geschäft mit toten Seelen die Seelenlosigkeit der hohlköpfigen Gutsbesitzer entlarvt, ist meisterhaft.

Nikolaj Gogol, Die toten Seelen, Diogenes 2009, 365 S., Fr. 21.90.

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