Weinfelden: Die Ruhe vor dem Wahnsinn

Peter Wenk und Thomas Götz führen Regie und spielen auch mit in der Loriot-Silvesterproduktion der Bühni Wyfelde.

Dieter Langhart
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Peter Wenk und Thomas Götz im Theaterhaus Thurgau.

Peter Wenk und Thomas Götz im Theaterhaus Thurgau.

Bild: Dieter Langhart

Das Stück heisst «Loriot, der ganz normale Wahnsinn», in einer Woche ist Premiere im Theaterhaus Thurgau. Ganz normal ist es nicht, dass zwei der Spieler zugleich Regie führen. Aber sie mussten bald nach Probenbeginn im August den Reset-Knopf drücken, weil die Bühni Wyfelde nicht zufrieden war mit der Regisseurin und sie nach einer Aussprache entlassen musste. Drum stehen Thomas Götz und Peter Wenk gleichzeitig auf der Bühne und am Regiepult, assistiert von Ambrosia Weisser.

Sechs Darsteller spielen vier verschiedene Paare in «Loriot, der ganz normale Wahnsinn» und nehmen zwischen den Sketchen weitere Rollen ein. Und ähnlich wie in Thomas Götz’ Satireprogramm «Ergötzliches» verbinden Filmsequenzen von Daniel Felix die Szenen, überbrücken Umbauzeiten, stimmen auf den nächsten Sketch ein. Eine Herausforderung seien die Kostümwechsel.

«Theater ist wie eine ­geschützte Werkstatt»

Thomas Götz ist festes Ensemblemitglied der Bühni Wyfelde, seine Frau Marta Wechsler Produktionsleiterin. Zum vierten Mal spielt Peter Wenk mit. Der Bottighofer Theaterpädagoge und Schauspieler hat 2003 den Comedy-Express an der Bildungsstätte Sommeri gegründet. Wenk sagt: «Theater ist wie eine geschützte Werkstatt; als Regisseur bin ich froh um Inputs der Schauspieler.» Götz sagt: «Ich bin es gewohnt, der Regie dreinzureden.» Wenk sagt zu Loriot: «Er brachte Alltagsgeschichten mit einer schnörkellosen, melodischen Sprache auf den Punkt.» Götz sagt zu Loriot: «Ich kann seinen Texten vertrauen, wir müssen das Material nicht aufmotzen.»

Beide wollen Loriot auch jungen Menschen nahebringen, die ihn nicht von früher kennen: in einer reduzierten Inszenierung, welche die Protagonisten ins Zentrum rücke, denn auf der Bühne sei alles unmittelbarer. Bei unserem Gespräch sind die beiden die Ruhe selbst und doch vergnügt.

Was bedeutet Vico von Bülow alias Loriot den beiden? Für Thomas Götz ist er zeitlos. «Er beherrschte die Kunst der Kürze, konnte in zwei Minuten einen dramaturgischen Bogen spannen.» Peter Wenk pflichtet ihm bei: «Loriot brachte Alltagsprobleme auf den Punkt.» Wie inszenieren sie ihren Loriot? «Wir zeigen in zweimal 45 Minuten neunzehn Sketches, auch weniger bekannte.» Und weil sie wussten, welche Schauspieler mitmachen, half dies bei der Auswahl, damit möglichst viel Abwechslung entsteht.

Und wie handhaben Peter Wenk und Thomas Götz ihre Doppelfunktion? «Wenn der eine auf der Bühne steht, nimmt der andere die kritische Haltung ein.» Feedback über Kreuz.

Premiere: 31.12., 17.15/20.15 Uhr; bis 25.1. theaterhausthurgau.ch

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