Interview
Die Romanshornerin Katharina Ammann vor ihrem Wechsel ans Aargauer Kunsthaus: «Ich bin nicht getrieben von grossen Namen»

Die Thurgauerin Katharina Ammann wird Direktorin des Aargauer Kunsthauses. Zuletzt hat sie wissenschaftlich gearbeitet. Was reizt die Kunsthistorikerin an dieser Stelle?

Julia Nehmiz
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Katharina Ammann wird ab Juli das Aargauer Kunsthaus leiten.

Katharina Ammann wird ab Juli das Aargauer Kunsthaus leiten.

Bild: Judith Stadler

Von Kunst umgeben war sie schon als Kind. Katharina Ammann (46) wuchs ganz selbstverständlich mit Kunst auf – ihr Vater, der Romanshorner Künstler und Zeichnungslehrer Max Ammann, nahm sie mit ins Atelier oder zu Ausstellungen befreundeter Künstler. Katharina Ammann zog es auf die andere Seite. Die promovierte Kunsthistorikerin arbeitete in den Kunstmuseen in Chur und Solothurn, seit fünf Jahren leitet sie die Abteilung Kunstgeschichte des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft in Zürich. Jetzt folgt der nächste Karriereschritt.

Was hat Sie bewogen, sich in Aarau zu bewerben?

Katharina Ammann: Das Aargauer Kunstmuseum ist eines der Museen in der Schweiz mit sehr grosser Ausstrahlung, es ist lebendig. Von weit her schaut man, was dort passiert, die Szene trifft sich dort. Zudem besitzt das Aargauer Kunsthaus eine der besten Sammlungen zur Schweizer Kunst und arbeitet kunsthistorisch wichtige Themen auf, wie beispielsweise Pop Art in der Schweiz. Der Ausstellungskatalog wurde ein Standardwerk. Diese Basis in Aarau, diese Substanz gefällt mir, darauf will ich aufbauen.

Gäbe es auch eine Stelle in der Ostschweiz, die Sie in Ihre alte Heimat locken könnte?

Das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen ist mir sehr nahe. Aber dort kann ich mich auch über meine Arbeit im Beirat einbringen.

Sie haben noch eine enge Beziehung zum Thurgau?

Ja, ich bin auch immer wieder im Thurgau unterwegs, besuche den Kunstraum Kreuzlingen, die Kunsthalle Arbon, die Galerie Bleisch oder der Shed im Eisenwerk.

Können Sie als Direktorin des Aargauer Kunsthauses weiterhin in der Einkaufskommission des Thurgauer Kunstmuseums tätig sein?

Als ich in die Ankaufskommission berufen wurde, war ich Konservatorin im Bündner Kunstmuseum. Es spricht also nichts dagegen. Mein Wunsch wäre, dass sich mein Bezug zum Thurgau auch an der neuen Stelle aufrechterhalten lässt.

Dem Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen ist Katharina Ammann sehr verbunden.

Dem Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen ist Katharina Ammann sehr verbunden.

Bild: Andrea Stalder

Sie wechseln von der Wissenschaft an die «Front» eines Museums. Ein grosser Schritt.

Der Wechsel ist weniger fundamental, als es tönt. Ich komme vom Museum, habe viele Jahre in den Kunstmuseen Chur und Solothurn Ausstellungen kuratiert, die Museumsarbeit ist mir sehr nahe. Ich freue mich darauf, wieder näher am Publikum zu sein und Kunst zu vermitteln. Auch die wissenschaftliche Arbeit ist Vermittlung, einfach an ein weniger breites Publikum. Insofern gibt es viele Parallelen.

Welche denn?

Es geht immer um die Auseinandersetzung mit Kunst. Klar kann ich im Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft aufwendigere, längere Projekte verfolgen als mit einem Ausstellungskatalog. Das Tempo im Museum ist schneller. Doch hier wie dort geht es um die seriöse Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Themen wie auch mit zeitgenössischer Kunst.

Sie treten im Juli Ihre neue Stelle an. So schnell können Sie kaum eine Ausstellung organisieren.

Das Jahr 2020 ist bereits vollständig programmiert von meiner Vorgängerin. Jetzt wollen wir uns mit dem Team rasch zusammensetzen um zu klären, wie 2021 aussehen soll. Klar habe ich Pläne und Ideen, aber ich möchte das Programm gemeinsam mit dem Team entwickeln.

Ist die Direktion des Aargauer Kunsthauses ein Traumjob?

Es ist wirklich eine Wunschstelle. Das Aargauer Kunsthaus ist eines der Museen in der Schweiz, das mich schon immer stark interessiert hat. Dass die Stelle jetzt frei wurde, war Zufall. Aber diese Gelegenheit wollte ich unbedingt ergreifen! Das Institut ist ein spannender Ort, ich wollte dort nicht weg. Doch das Aargauer Kunsthaus hat mich sehr gereizt.

Ort für Experimentelles: Rund hundert Laien proben im Oktober 2019 im Aargauer Kunsthaus für das Schraffurprojekt von Fritz Hauser.

Ort für Experimentelles: Rund hundert Laien proben im Oktober 2019 im Aargauer Kunsthaus für das Schraffurprojekt von Fritz Hauser.

Bild: Colin Frei

Von aussen wirkt Ihr Werdegang äusserst gradlinig.

Nein, eine Karriere lässt sich nicht so genau planen. Museumsarbeit hat mich schon immer interessiert, deswegen habe ich früh Praktika absolviert. Man kann in gewisser Weise vorspuren, aber planen geht nicht. Es gehören so viele Faktoren dazu. Ist eine Stelle frei, passt das Profil – die wenigsten kunstwissenschaftlichen Karrieren verlaufen geradlinig.

Gibt es Träume, wie es vielleicht für Sie international weitergehen kann?

So funktioniere ich nicht. Ich denke immer an das, was ich vor mir habe. Die grosse Möglichkeit, die sich mir in Aarau bietet, möchte ich voll nutzen. Natürlich gibt es Museen, die mich interessieren, aber ich bin nicht getrieben von grossen Namen. Ich lebe und arbeite stark im Moment und will jeweils dort, wo ich bin, richtig gut arbeiten. Und erst mal ankommen.