Die Polizistin lächelt

Musik Sie ist nicht mehr die Jüngste, aber ihr drittes Album zeigt: Joan Wasser alias Joan As Police Woman ist eine der Besten. In St. Gallen gibt die Soul-/Rock-Sängerin ihr einziges Schweizer Konzert.

Stefan Christen
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Schön und schön anzuhören: Sängerin Joan Wasser, die neuerdings auch Fremde anlächelt. (Bild: Thatcher Keats)

Schön und schön anzuhören: Sängerin Joan Wasser, die neuerdings auch Fremde anlächelt. (Bild: Thatcher Keats)

Mit fast vierzig Jahren hat Joan Wasser alias Joan As Police Woman – der Namen geht angeblich auf ihrer äusserliche Ähnlichkeit mit einer Protagonistin der 70er-TV-Show «Police Woman» zurück – die Lebenslust für sich entdeckt. Erstaunlich. Denn bislang ist die Rock- und Soul-Sängerin nicht gerade durch Fröhlichkeit aufgefallen. Durch gute Songs aber schon.

«Ich habe entschieden, dass ich nicht auf dieser Welt bin, um andauernd trübsinnig zu sein», sagt die New Yorkerin kürzlich in einem Interview. Ihr neustes Werk «The Deep Field» sei ihr bisher offenstes und fröhlichstes Album.

«Verlieb dich in mich»

Jedenfalls ist es eines, in das man sich gerne verliebt.

«I want you to fall in love me», singt sie in der ersten Zeile des Eröffnungstracks «Nervous», einem ruhig dahinfliessenden Midtempo-Stück, in welchem die Orgeln glimmen und gurgeln, der Moog-Bass knarzt und die Gitarre am Ende die Glut zum Grossfeuer entfacht. Überhaupt dürfen die Gitarren auf den zehn Albumtiteln eine prominente Rolle spielen, gleichberechtigt neben dem omnipräsenten Wurlitzer-Piano und sanften R & B-Drumgrooves.

Zeit für den Durchbruch

«The Deep Field» ist das bislang rockigste, groovigste Album der 39jährigen Musikerin, die in Norwalk, Connecticut, aufwuchs und heute in New York lebt. Dieses ausserdem noch phantastisch produzierte Album soll Joan As Police Woman den längst verdienten Durchbruch jenseits vom Mainstream-Soulpop einer Adele, Duffy oder Amy Winehouse bringen.

Denn im Gegensatz zu diesen jungen Hüpfern ist Wasser bereits 20 Jahre im Geschäft. Das Multitalent hat eine klassische Grundausbildung: Sie studierte Klavier und Geige, und als Violinistin hat sie ihre musikalische Laufbahn auch begonnen. Doch schon bald zog es sie Richtung Rockmusik.

Mit Green und Reed und Antony

Als Mitglied von Krachmacherbands schickte sie in frühen Jahren den Klang der Geige verzerrt durch die Lautsprecher, später begleitete sie die Rädelsführer des sentimentalen,

opulenten Pop: Wasser spielte bei Antony & The Johnsons und bei Rufus Wainwright (der ihr Talent erkannte und förderte), ausserdem arbeitete sie mit Lou Reed und Adam Green. Erst im Jahr 2002 gründete sie unter dem Namen Joan As Police Woman ihre eigene Formation als Frontfrau und Sängerin. «Punkrock-R & B» hat sie anfangs ihre Musik genannt, die bei aller seligen Innigkeit immer auch von trashigen Ausbrüchen geprägt ist, und den verschrobenen Visionen der neueren US-Folkszene.

Nun liegt nach «Real Life» und «To Survive» ihr drittes reguläres Studioalbum vor: «The Deep Field» spinnt die Fäden weiter, die die Künstlerin auf der Vorgänger-CD so zauberhaft ineinander verwoben hatte: eine bittersüsse, eindringliche Mixtur aus Soul, Jazz und Singer-/Songwritertum.

Die entfernteste aller Galaxien

Viele Köche haben bei «The Deep Field» mitgewirkt und verderben den Brei doch nicht: Unter anderem waren nicht weniger als fünf verschiedene Bassisten beteiligt, weil Joan Wasser den Songs Fundamente geben wollte, die sich hörbar unterscheiden.

Nicht nur deshalb hat das neue Album etwas Unergründliches, Unkalkulierbares – was die Musikerin auch im Albumtitel signalisiert: «Deep Field» bezieht sich auf das Bild einer kleinen Himmelsregion, die das Hubble-Weltraumteleskop über einen bestimmten Zeitraum aufnahm. Es zeigt die lichtschwächsten und damit die entferntesten Galaxien, die bis dahin beobachtet wurden.

Die Unendlichkeit im Grossen vergleicht Joan Wasser mit dem Mikrokosmos: «Wie tief kann man sich ins eigene Leben vergraben? Es ist ebenfalls endlos.»

Joan As Police Woman: The Deep Field, Pias/Musikvertrieb Konzert: Mittwoch, 2. März, Palace, St. Gallen

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