Die öffentliche Not

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Peach Weber Komiker
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Letzthin wäre ich beinahe zu spät zu einem Auftritt gekommen, und das passiert mir selten. Ich war unterwegs in einer Raststätte auf dem WC. Dort hing ein verhängnisvolles Täfelchen: Bitte verlassen Sie das WC so, wie Sie es anzutreffen wünschen. Das ist natürlich schnell gesagt, zum Glück hatte ich mein Handy dabei und konnte einen Innenarchitekten und ein paar Handwerker auftreiben. Nachdem ich dann noch ein paar am Kiosk gekaufte Duftbäumchen aufgehängt hatte, konnte ich endlich guten Gewissens weiterfahren.

Ich sehe Ihren skeptischen Blick, deshalb gebe ich gleich zu: Das habe ich natürlich erfunden. Das ist es auch nicht, was ich von einem öffentlichen WC erwarte, keine Wellness-Wohlfühl-Oase mit handgeschöpftem Bütten-Papier, nein eine einfache Schüssel, die nicht übermässig verkrustet ist, eine Rolle billigstes Papier, da bin ich schon zufrieden. Aber nur, und jetzt kommt’s: Wenn das Sch....-Ding zugänglich ist!

Wenn Sie schon einmal auf einem unserer «Geisterbahnhöfe», die immer mehr zu Passagier-Entsorgungsplätzen werden, mit letzter Energie die Tür erreicht haben, die bevorstehende Explosion noch knapp zurückhalten konnten, die Klinke drückten und feststellen mussten, dass das Tor zum «Paradies» geschlossen ist, dann bin ich sicher, in diesem archaischen Moment war es Ihnen völlig egal, ob der Papst bei Christa Rigozzi eine Audienz hatte oder was Dieselfahrzeuge hinten rauslassen. Darauf wette ich um eine gut gelagerte, edle Flasche feinster WC-Ente.

Natürlich gibt es Leute, die können cool die Backen zusammenkneifen bis zum nächsten Restaurant, bestellen dort das Menü 3 mit Suppe und Salat, nur um dann ganz legal ein Pfünderli zu setzen. Aber Leute wie ich, die ab und zu mit Kanalisationsproblemen kämpfen, sind verloren.

Wir würden uns ja auch nicht mehr getrauen, im nächsten Gebüsch einfach so eine Spezialdüngung vorzunehmen. Das hat uns die Evolution dummerweise abgewöhnt. Hallo! Ich will ja nicht etwa Atommüll endlagern, ich möchte mich einfach meines Darmkomposts entledigen.

Ich weiss nicht, ob das in der Menschenrechtskonvention explizit als Menschenrecht definiert ist. Wenn nicht, werde ich es eigenhändig nachtragen, und zwar mit wasserfestem Filzer!

Wir sind heute technisch in der Lage, eine WC-Schüssel zu bauen, die sogar in der Schwerelosigkeit funktioniert, oder eine, die am Morgen meine Werte messen kann, um dann in Kommunikation mit dem Kühlschrank und Amazon mein perfektes Frühstück zusammenzustellen.

Auf der anderen Seite entwickeln wir uns zum Toiletten-Drittweltland. In SBB-Zügen habe ich WCs angetroffen, die mich dazu brachten, mich nach einem Reise-WC umzusehen. So weit haben wir es gebracht.

Deshalb hier mein Aufruf: Wenn Sie das nächste Mal unter Druck vor einer verschlossenen Türe stehen, womöglich mit einem Hinweisschild, sie sei wegen Vandalismus geschlossen, bitte nehmen Sie allen Mut zusammen und verrichten Sie Ihr Geschäft einfach vor die Türe. Zeigen Sie den Verantwortlichen, was wirklicher Vandalismus ist. Wenn wir das ein paar Wochen durchziehen, wette ich nochmals, dass schon nach kurzer Zeit alle Türen wieder offen sind: Occupy the Hüüsli!

Warum ich bei diesem Thema so sensibilisiert bin?Ich habe schon erwähnt, dass ich öfters Probleme habe in dieser Richtung. Wenn ich mit dem Hund spazieren gehe, nehme ich immer zwei Säckli mit.

Warum ich nicht zum Arzt gehe? Weil man heute alles bei Google findet unter «Symptome». Ich habe das getan. Nach einer Stunde war klar: entweder Eileiterschwangerschaft oder die Zylinderkopfdichtung.

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