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Die Mordszene schob sie am
längsten vor sich her

Die pensionierte Schulleiterin Monika Rösinger liefert mit «Novembereis» einen beeindruckenden Roman. Er handelt vom ­Toggenburger Tagelöhner Johann Bleiker, der 1878 ein Mädchen umbrachte. Ein typischer Krimi ist es aber nicht geworden.
Sascha Erni
«Ich war vielleicht ein wenig frech»: Monika Rösinger, Autorin von «Novembereis». (Bild: Sascha Erni)

«Ich war vielleicht ein wenig frech»: Monika Rösinger, Autorin von «Novembereis». (Bild: Sascha Erni)

An einem warmen Herbsttag empfängt Schriftstellerin Monika Rösinger den Besuch, um über ein eiskaltes Thema zu sprechen: Ihren Roman «Novembereis». Ihr Erstling ist soeben im Orte-Verlag erschienen. Ein literarischer Neuling ist die 66Jährige aber nicht. «Ich schreibe eigentlich ständig», sagt sie. Theaterstücke, Zeitungsartikel und unzählige Kurzgeschichten haben bisher Rösingers Schaffen bestimmt und sie zur Trägerin des Toggenburger Literaturpreises gemacht.

«Novembereis» ist die Charakterstudie zu einem Mordfall.

«Novembereis» ist die Charakterstudie zu einem Mordfall.

Der verwitterte Gedenkstein liess sie nicht mehr los

Nun also ein historischer Roman. Wie kam es dazu? Als Oberstufenschülerin in Bütschwil sei sie oft mit Nachbarskindern Rad gefahren. Eines Tages stiessen sie so auf einen Gedenkstein: Frida Bruggmann aus Oberhelfenschwil, ein 11jähriges Mädchen, wurde 1878 zwischen Wigetshof und Lichtensteig missbraucht und getötet. Der Täter war mit dem Vaganten und Tagelöhner Johann Bleiker schnell gefunden. Die Empörung über die Tat kochte im ganzen Kanton St.Gallen hoch, so dass Bleiker wohl die zeitweilige Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1879 mit verursachte.

Der verwitterte Stein steht heute im Toggenburger Museum in Lichtensteig und ist etwas in Vergessenheit geraten. Die Geschichte dahinter jedoch hat Monika Rösinger jahrzehntelang nicht mehr losgelassen.

Erst nach der Pensionierung Zeit fürs Buch gehabt

Bereits 2012 begann sie mit ersten Recherchen. Die Musse, daraus tatsächlich ein Buch zu machen, hatte die ehemalige Schulleiterin aber erst nach ihrer Pensionierung im Jahr 2016. In zwei Monaten kam dann der erste Entwurf zusammen. Monika Rösinger recherchierte intensiv in den «Toggenburger Annalen», besuchte das St. Galler Staats­archiv, sprach mit Lokalhistorikern. Sie hätte bei aller schriftstellerischen Freiheit, die sie sich auch durchaus genommen hätte, eine möglichst wahrheitsgetreue Geschichte erzählen wollen:

«Die Fakten müssen stimmen,
sonst denkt man sich als Leser:
Das habe ich anders gehört. Und dann mag
man das Buch nicht mehr lesen.»

Rösinger schrieb das Manuskript nicht chronologisch, von Anfang bis Schluss. Sie setzte es viel mehr aus einzelnen Szenen zusammen, konnte sich so aussuchen, an welchem Teil der Erzählung sie gerade arbeiten wollte. Die Mordszene schob sie am längsten vor sich her. «Darüber wollte ich irgendwie gar nicht schreiben, aber es gehört nun mal zur Geschichte», sagt sie. Und fragt sich, wie das Krimiautoren handhaben würden. Einige Schriftsteller wären da ja wenig zimperlich. «Denken sie sich, je schlimmer, je besser? Hat das vielleicht eine kathartische Wirkung?»

Aus dem Täter kein Opfer machen

Im September 2016 war der Entwurf fertig, es stand die Frage nach einer Veröffentlichung im Raum. Monika Rösinger ging spontan vor – bei einem Besuch im Verlagshaus Schwellbrunn sprach sie Marcel Steiner, Geschäftsführer des dazugehörigen Appenzeller-Verlags, direkt an. «Ich war vielleicht ein wenig frech», lacht sie. Aber ihr Mut hat sich gelohnt; nach Sichtung der Leseprobe schlug Steiner den Orte-Verlag vor.

Yvonne Steiner übernahm das Lektorat, Rösinger machte sich ans Werk. Es sei ihr dabei ein wenig wie einem Kind in der Schule ergangen, das seinen Aufsatz zurück erhält. Und auch wenn die Überarbeitung weniger kreativ als das Schreiben war, schätzte sie das Lektorat sehr. «Ich habe habe viel dabei gelernt».

Ein Mann aus dem Armenhaus

Das durchwegs gelungene Resultat ist nun im gut sortierten Fachhandel erhältlich. Auf den ersten Blick scheint «Novembereis» ein historischer Krimi zu sein, diese Einschätzung tut Rösingers Roman aber unrecht. «Es geht mir um die Schilderung des Lebens», wie sie sagt. Und tatsächlich ist «Novembereis» mehr Zeitstudie als Kriminalroman. Sie wollte aus dem Täter kein Opfer machen. Aber dennoch müsse man sagen, dass er eigentlich keine Chance hatte. «Wer im Armenhaus war, mit dem ist das Leben hart umgegangen. Das war damals durchaus Normalität.»

Buchvernissage am 30.11., Ortsmuseum Bütschwil

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