Die Marathon-Frau

Nadja Schildknecht ist im Stress. Heute beginnt das Zurich Film Festival, und sie ist verantwortlich für den Event, das Marketing, die Finanzen und Sponsoren. «Die elf Tage Festival kommen mir wie ein Marathon vor», sagt sie. In ihrer Stimme schwingt Begeisterung mit.

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Nadja Schildknecht hat in sieben Jahren ein Filmfestival von internationalem Ruf auf die Beine gestellt. (Bild: Keystone)

Nadja Schildknecht hat in sieben Jahren ein Filmfestival von internationalem Ruf auf die Beine gestellt. (Bild: Keystone)

Nadja Schildknecht ist im Stress. Heute beginnt das Zurich Film Festival, und sie ist verantwortlich für den Event, das Marketing, die Finanzen und Sponsoren. «Die elf Tage Festival kommen mir wie ein Marathon vor», sagt sie. In ihrer Stimme schwingt Begeisterung mit. Das 39jährige Ex-Model, das einst für Laura Biagiotti und Giorgio Armani auf den Laufstegen von Mailand, New York und Paris für Furore sorgte, spricht rasend schnell, überlegt nur kurz, weiss immer etwas zu sagen. «In den Tagen vor dem Festival ist die Hektik stark spürbar», erklärt sie, «aber das gehört dazu.» Während elf Tagen werden 120 Filme gezeigt. 280 Freiwillige betreuen 50 000 Besucher. Und mittendrin: Nadja Schildknecht. Sie hat es mit ihrem Geschäftspartner Karl Spoerri und ihrem Team in sieben Jahren geschafft hat, ein Filmfestival von internationalem Ruf auf die Beine zu stellen. Zuvor war sie nach abgeschlossener kaufmännischer Ausbildung und Model-Karriere Moderatorin auf MTV und 3+.

Mit Wille und Begeisterung

Verglichen mit anderen Anlässen erhält das Zurich Film Festival wenig öffentliche Gelder – weniger als zehn Prozent des 5,7-Millionen-Budgets. Was dem Festival an Budget fehlt, macht Schildknecht mit Sponsorenbeiträgen wett. Sie verschafft Sponsoren Werbeauftritte am Festival, bringt den Nachwuchs der Filmbranche auf den roten Teppich, der am Zürcher Filmfestival allerdings grün ist.

In diesem Jahr sind Helen Hunt, Richard Gere, John Travolta und der Produzent Jerry Weintraub zu Gast. Eine Gage erhalten die Berühmtheiten nicht. «Es ist nicht üblich für einen Festival-Auftritt Gage zu zahlen», sagt Schildknecht. Die Kosten für Kost und Logis aber übernimmt das Festival. Für das Wohlergehen der etwa 350 Gäste aus dem Ausland sorgen zwischen 30 und 40 Leute. «Oft wirken die Stars bei ihrer Ankunft leicht angespannt. Das legt sich schnell wieder, wenn sie die Schweiz erleben, denn hier ist alles etwas lockerer; die Leute haben den nötigen Respekt vor bekannten Personen», sagt Schildknecht. Oft drehten die Wünsche der Stars um ihre Sicherheit. «Manche Stars wollen nur wissen, wo es die beste Bratwurst und ein gutes Bier gibt.» Aber, und das ist ihr wichtig, sei das Zurich Film Festival kein Fest, an dem sich nur die Stars treffen. «Es ist ein Festival für alle», sagt sie und gerät ins Schwärmen. Besucher könnten den Stars nahe sein und Filme sehen. Das alles freut die Zürcherin, auch wenn sie kaum etwas davon geniessen kann. Sie werde es kaum schaffen, an einer der 120 Filmvorführungen dabei zu sein. «Die meisten Filme habe ich natürlich bereits gesehen», sagt sie. Ob sie auf das Festival stolz sei? «Ich denke nicht darüber nach. Im Moment freue ich mich einfach auf die bevorstehenden Tage, und ich hoffe auf viele Besucher, die das Festival geniessen.»

Privatleben soll privat bleiben

«Nach dem Festival bin ich dann ziemlich geschafft», sagt sie. Das ganze Jahr über seien die Arbeitstage der Zürcherin und deren Team lang. «Ich beginne meine Arbeit gerne sehr früh am Morgen», sagt sie. Was passiert, wenn sie nicht arbeitet, will sie nicht preisgeben. Beat Glur, Leiter Presse und Kommunikation des Zurich Film Festival, weist Journalisten vor Interviews darauf hin, dass Schildknecht keine Fragen zu ihrem Privatleben und ihrem Lebenspartner – sie lebt mit Urs Rohner, dem Verwaltungsratspräsidenten der Credit Suisse, zusammen und hat einen Sohn – beantworten wird. Etwas Privates gibt sie am Ende doch noch preis: «Für Hobbies habe ich wenig Zeit. Meine Freizeit möchte ich mit meiner Familie verbringen.»

Dominik Bärlocher