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Die Literatur stützt bis zuletzt

Regional – radikal – randständig. Unter diesem Motto startet «Mauerläufer», ein literarisches Jahresheft. 28 Texte von Autoren aus der Vierländerregion um den Bodensee sind darin vertreten, darunter Texte zur Gebärdensprache, zu Geräuschen und der Zeit.
Valeria Heintges
Mauerläufer. Literarisches Jahresheft. A. Ausgabe 2014, 175 S., Fr. 14.00

Mauerläufer. Literarisches Jahresheft. A. Ausgabe 2014, 175 S., Fr. 14.00

Die Liste der Herausgeber des neuen literarischen Jahresheftes ist lang, umfasst sechs Namen (Hippe Habasch, Jochen Kelter, Christa Ludwig, Katrin Seglitz, Hanspeter Wieland, Eva Hocke). Vielleicht liegt es daran, dass das broschierte Heft, knapp 180 Seiten stark, so sehr durchkomponiert und durchdacht wirkt. Der Eindruck fängt mit dem Titel an: «Mauerläufer». Das sind seltene kleiberartige Vögel, mausgrau, wenn sie auf Mauern sitzen; nur wenn sie fliegen, sieht man ihre wunderschönen roten Federn.

Vogel, der Schriftstellern ähnelt

Im Vorwort gelingt es Mitherausgeber Hanspeter W(ieland), schlüssige Parallelen zwischen Autoren, Mauerläufern und der neuen Zeitschrift zu ziehen, die wie das Tier «regional, radikal, randständig» sein will.

Das Regionale ist leicht umschrieben, denn das Literaturheft «Mauerläufer» ist hervorgegangen aus der «Meersburger Anthologie» und versammelt Texte von am Bodensee lebenden oder mit der Vierländerregion verbundenen Autoren. Konsequent sind manche Texte auch im Dialekt geschrieben.

Auch randständig ist erklärbar, denn in jedem Heft will die Redaktion eine regional verankerte Gruppe in den Mittelpunkt stellen, «eben weil sie in unserer Gesellschaft normalerweise randständig ist». Der Gruppe soll zudem eine eigene Sprache eigen sein. Das klingt kompliziert, wird aber mit dem Thema der Gebärdensprache und der Gehörlosen wunderbar abgedeckt. In einer gekonnten Mischung aus Literatur, Information, Reportage und Empathie nähern sich die Herausgeber Wieland, Katrin Seglitz und Christa Ludwig, aber auch der in Ermatingen lebende Jochen Kelter den betroffenen Menschen und dem Phänomen ihrer nicht hörbaren Sprache an. Das Thema ist einleuchtend bebildert mit Gebärden, etwa für regional, radikal oder Bodensee.

Darum herum gruppieren sich andere freie Themen, etwa zu Geräuschen: Wieland befindet im Gedicht «D Mensche sin lout», Claudia Scherrer und Peter Salomon bedichten zwei ganz unterschiedliche Bären.

Mehrere Texte sind – naheliegend – dem See gewidmet. Zsuzsanna Gahse macht sich Gedanken über «Der Himmel über dem Bodensee», Kelter über «Verortung», Beat Brechbühl über Egnach, und Peter Höner, der auf dem Iselisberg lebt, schreibt ein Drama über die Afrikanerin Chidima. Ein weiterer Schwerpunkt ist Hermann Kinders körperlichen Leiden gewidmet, Texte und Bilder aus dem Band «Der Weg allen Fleisches» loten Grenzen, auch Sprach- und Schmerzgrenzen aus.

Hintergründige Bildideen

Insgesamt besticht die sorgfältige Arbeit, die in das Werk geflossen ist, auch die klare Gestaltung mit den hintergründigen Bildideen – beides stammt von Eva Hocke. So ist der Bereich über die Ruhe mit Werkzeugen des Geräuschemachers Joo Fürst illustriert, versehen mit entsprechenden Verszeilen. So etwa zu der Zeile «Wälder//Grün/Doch nimmermehr zahm» ein Foto von zerknülltem Ton- und Filmband und die Bemerkung «Geräusch: rauschen».

Auch die Texte halten das hohe Niveau ein. Faszinierend der letzte, ein Gedichtzyklus «Auf dem Grunde der Zeit», in dem Jochen Kelter Bilanz zieht, eine traurige, nach einem Leben in bewegten Zeiten, Jahren voller Gewalt und Krieg. Und letztlich ohne Liebe. Aber mit «Zeilen, die mich noch halten». Wenigstens die Literatur stützt, bis zuletzt.

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