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Die Last der frühen Geburt

Glosse
Balz Bruder

Wer im vergangenen Jahr das halbe Lebensjahrhundert vollendete, ist im Jahr danach noch immer gestraft. Neben dem Posttrauma, nun nicht mehr bloss vermutet, sondern auch numerisch zum alten Eisen zu gehören, gesellt sich der dumpfe Eindruck, dass 1968 ohnehin wichtiger war als 1967. Das scheint sich prima vista schon dadurch zu bestätigen, dass die Liste jener, die vor 50 Jahren das Leben aushauchten, ungleich prominenter daherkommt als jene derer, die vor 51 Jahren gehen mussten.

Doch das ist noch nicht Jammers genug. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen werden aus jenen, die 1968 tatsächlich oder bloss im verklärten Dunst diffuser Memoiren auf den realen wie auf den imaginierten Barrikaden standen, frech die «68er». Was deshalb unfair ist, weil die wahren 68er jene sind, die vor einem halben Jahrhundert geboren wurden. Wohingegen die «68er» bei wahrem Licht besehen heute gefühlt mehrheitlich saturierte Bildungs­bürger sind, die sich nach ihrer heroischen Auflehnung gegen das System in selbigem später durchaus behaglich eingerichtet haben.

Zugegeben, da spricht einer, der doppelt gestraft ist. Er ist weder ein 68er noch ein «68er», sondern ein 67er. Und diese haben es nicht einmal zu Anführungszeichen geschafft. Was eine krasse Ungerechtigkeit ist, weil es 1968 ohne 1967 mit Sicherheit nicht gegeben hätte. Einerseits kalendarisch, zweitens aber auch wirkungs­geschichtlich: «War 68 eine explizit politisch aufgeladene Bewegung, die expressiv auf den Strassen stattfand, gab sich 67 als ein hedonistisch geprägter Wandel, der auf intrinsische Veränderung abzielte. Kurz: Warf man 1968 Pflastersteine aufs Establishment, dachte man 1967 im Yogi-Sitz über eine bessere Welt nach und genoss dabei das Leben unter Gleich­gesinnten.» Danke, Beat Grossrieder. Der Journalist und Buchautor schrieb diese wahren Sätze in der NZZ Anfang 2017 in der vorauseilenden Befürchtung, dass die «68er» die 67er in diesem Jahr brutal majorisieren würden. Und dass es daraus kein Entrinnen gäbe.

Übrigens: Grossrieder ist ein 67er wie ich. Und wir beide wissen: «Sgt. Pepper» erschien 1967 und nicht 1968. Im wahren «Summer of Love».

Balz Bruder

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