Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die Kür im Kunstspagat

Birte Theiler ist, neben Jiajia Zhang, die zweite Assistentin von Felix Lehner. Die Kulturwissenschafterin unterstützt den Leiter der Kunstgiesserei in der gesamten Planung der komplexen Arbeitsprozesse.
Brigitte Schmid-Gugler
Werner Aeschbacher Experimentalmusiker auf dem Schwyzer- und anderen Örgeli. (Bild: Coralie Wenger)

Werner Aeschbacher Experimentalmusiker auf dem Schwyzer- und anderen Örgeli. (Bild: Coralie Wenger)

Wer mit Kunstbüchern zu tun hat, wird früher oder später auch mit den Aktivitäten des Sitterwerks und somit der Kunstgiesserei in Berührung kommen. Das war bei Birte Theiler nicht anders. Die aus Lübeck stammende Kulturwissenschafterin hatte in Zürich beim 2004 gegründeten JRP • Ringier, einer Partnerschaft zwischen Michael Ringier und JRP Editions, einem von Lionel Bovier gegründeten Verlag für zeitgenössische Kunst, gearbeitet, als sie die Ausschreibung las: Der Leiter der Kunstgiesserei und des Sitterwerks, Felix Lehner, suchte eine Assistentin.

Erst beim zweiten Anlauf

Man lernte sich kennen, doch Birte Theiler zog es vorerst zurück in den Norden. Die Assistentenstelle war stark auf die neugegründete Zweigstelle der Kunstgiesserei in Shanghai ausgerichtet. Jiajia Zhang, die in Zürich Architektur studiert hatte, selber als Künstlerin tätig ist und chinesisch spricht, brachte die idealen Voraussetzungen mit.

Doch nachdem sich die Arbeitsbereiche der Kunstgiesserei in den vergangenen Jahren immer mehr ausweiteten, die Prozesse immer komplexer wurden, musste sich Felix Lehner nach einer zweiten Assistenz umsehen. Als Birte Theiler Jahre später in Hamburg, inzwischen beim Kunstverlag Philo Fine Arts tätig, von Lehner angefragt wurde, ob sie immer noch Interesse an der Stelle habe, sagte sie zu. Vorausgegangen war eine Woche mit schlaflosen Nächten, wie sie heute gesteht, «denn es war schon ein extremer Wechsel von Hamburg nach St. Gallen». Letztlich betrachtete sie die Anfrage dann aber als einen Wink des Schicksals und packte ihren Koffer. Wie sie heute findet, hat sie sich damals vor zwei Jahren richtig entschieden.

Birte Theiler hatte in Hildesheim studiert. An der dortigen Kunsthochschule liessen sich Kulturwissenschaften und ästhetische Kommunikation mit praktischen Fächern kombinieren. «Das Studium bestand aus 50 Prozent Theorie und einer zweiten Hälfte Praxis wie Fotografie, Bildhauerei und Malerei. Ein Studium, das einen sowohl technisch, planerisch als auch vermittelnd an sämtliche Prozesse im künstlerischen Umfeld heranführt», sagt Theiler, und relativiert: «Was man später damit macht, ist eine andere Frage. Man muss innerhalb dieser diffusen Abläufe eine Nische finden.»

Das Schauen trainiert

Bei ihrer früheren Tätigkeit in Kunstverlagen befand sie sich an der Schnittstelle von Grafik, Korrektorat, dem Austausch mit den Autorinnen und Autoren beziehungsweise Künstler und Künstlerinnen und Edition. «Ich konnte die Sinne trainieren – das Zuhören, das richtige Schauen sensibilisieren für die Aufgaben, die sich innerhalb eines Kunstprojekts stellen, und ein Gefühl für die relevanten Netzwerke entwickeln.» Die passenden Voraussetzungen für ihre Mitarbeit in der Kunstgiesserei. Ein Ort, der von ihr ebenfalls fordert, auf vielen Feldern gleichzeitig aktiv zu sein.

Als Assistentin von Felix Lehner muss Birte Theiler sämtliche Arbeitsabläufe – von den ersten Gesprächen mit den Kunstschaffenden und dem Team der Kunstgiesserei bis zur Fertigstellung einer Skulptur – genau kennen und begleiten. «Es geht darum, Felix Lehner in diesem Strudel von Arbeitsabläufen zu unterstützen, den Überblick zu behalten: Wo brennt's? Welche Prioritäten müssen gesetzt werden? Welche Leute – mit ihren jeweiligen Stärken – braucht es wann und wo? Welche Aufträge können an Dritte vergeben werden?»

Komplexe Arbeitsprozesse

Bei allen technischen, teilweise hochkomplexen Arbeitsschritten gelte es, das Anliegen der Kunstschaffenden, deren Potenzial, ausgerichtet auf eine längerfristige Zusammenarbeit, zu erkennen und zu fördern. Oft kommen Künstler und Künstlerinnen mit winzigen Modellen, andere mit Bildvorlagen und Fotomontagen – wie der chinesische Künstler Xu Zhen, der in der Kunstgiesserei für die kommende Art Basel zehn überlebensgrosse Figuren der Parthenon-Gruppe aus Kunststein nachgiessen möchte.

In solchen kniffligen Fällen muss Birte Theiler Kontakt zu Antikensammlungen aufnehmen und Scans organisieren. Für taugliche Referenzen recherchiert sie zudem in kunstgeschichtlichen Büchern. «Es ist ein Spagat, ich hänge mitten drin in den Details eines Projekts und darf gleichzeitig den Zeitplan und das Gelingen eines Endprodukts nie aus den Augen verlieren», sagt Birte Theiler, deren Augen so blau sind, als hätte sie sich ein Stück aus dem nordischen Himmel ausgeschnitten, um weniger Heimweh zu haben.

Die Kulturwissenschafterin Birte Theiler mit ihrer Kollegin Jiajia Zhang (im Hintergrund) an ihrem Arbeitsplatz in der Kunstgiesserei. (Bild: Urs Jaudas)

Die Kulturwissenschafterin Birte Theiler mit ihrer Kollegin Jiajia Zhang (im Hintergrund) an ihrem Arbeitsplatz in der Kunstgiesserei. (Bild: Urs Jaudas)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.