Interview

«Die Künstler sassen lange genug auf dem Trockenen»: Wie das St.Galler Kleintheater Kellerbühne spontan ein Kleinkunstfestival stemmt

Es gibt Kultur nach dem Lockdown: Matthias Peter, Leiter der St.Galler Kellerbühne, hat in nur vier Tagen ein Festival organisiert. Kaum hatte der Bundesrat sein Okay für Kulturveranstaltungen gegeben, fragte Matthias Peter Ostschweizer Künstlerinnen und Künstler an. Und fast alle sagten sofort zu – auch wenn sie nur vor 40 Leuten auftreten können.

Julia Nehmiz
Drucken
Teilen
Matthias Peter, Leiter der Kellerbühne St.Gallen, lässt in seinem Kleintheater sofort nach dem Lockdown wieder spielen.

Matthias Peter, Leiter der Kellerbühne St.Gallen, lässt in seinem Kleintheater sofort nach dem Lockdown wieder spielen.

Bild: Michel Canonica

Eigentlich wäre am 6.Juni Saisonschluss gewesen. Doch Matthias Peter wollte sein St.Galler Kleintheater Kellerbühne nicht sang- und klanglos aus dem Lockdown in die Sommerpause schicken – und stellte in kürzester Zeit das Kleinkunst-Festival «Heimspiel» auf die Beine. Am 6.Juni geht es los.

Kaum hat der Bundesrat beschlossen, dass ab 6. Juni Kultur wieder stattfinden kann, hauen Sie ein Festival raus. Wie kam es dazu?

Matthias Peter: Für mich war die Sache gelaufen, denn am 6. Juni wäre in der Kellerbühne Saisonende gewesen. Ich hatte wirklich nicht daran gedacht, noch etwas aus dem Boden zu stampfen. Aber die Pressekonferenz des Bundesrates am 27. Mai war ein Signal: Ab 6. Juni darf man wieder! Da hat es mich dann gejuckt: Es ist doch blöd, wenn wir sang- und klanglos in die Sommerpause gehen. Sonst haben wir immer ein «Heimspiel»-Festival zum Abschluss gemacht. Das hatte ich natürlich bereits um ein Jahr verschoben. Also habe ich letzten Donnerstag unverbindlich Künstlerinnen und Künstler angefragt, ob sie sich vorstellen könnten, in der Kellerbühne aufzutreten.

Und alle konnten?

Nein, nicht alle. Das Liedermacherduo Weniger & Egli beispielsweise, die arbeiten als Richter und sind mit Coronafällen komplett ausgelastet am Gericht. Andere wie Goran Kovacevic und Peter Lenzin wären mit ihrem Quartett aufgetreten. Doch dieses Programm gibt es nicht, sie konnten nicht proben, da zwei Österreicher dabei wären. Jetzt treten Kovacevic und Lenzin als Duo auf.

Sollten als Quartett auftreten, doch wegen des Lockdowns konnten sie nicht proben: Jetzt spielen Goran Kovacevis und Peter Lenzin in der Kellerbühne als Duo ihr Programm «Swingin’ Balkan Soul».

Sollten als Quartett auftreten, doch wegen des Lockdowns konnten sie nicht proben: Jetzt spielen Goran Kovacevis und Peter Lenzin in der Kellerbühne als Duo ihr Programm «Swingin’ Balkan Soul».

Bild: PD

Trotzdem: Sie fragen am Donnerstag Künstlerinnen und Künstler an, und am Montag steht das Programm?

Ich hatte das Glück, dass auf Freitag eine Sitzung mit dem Kellerbühnen-Vorstand anberaumt war. Denn ich kann solch ein Festival ja nicht einfach so durchführen. Wir haben das Sicherheitskonzept besprochen, und der Vorstand gab sein Okay. Dann ging wirklich alles ganz schnell. Ich schickte einen Terminplaner an die Künstler. Enrico Lenzin antwortete, er wolle einfach nur zurück auf die Bühne. Sandra Kreisler hat sich als Erste bei mir gemeldet: Spielen, egal wo, egal wie, sei allemal besser, als nicht zu spielen. Ich finde es wirklich schön, dass Ostschweizer Künstlerinnen und Künstler und ein nationaler Act bei uns wieder auftreten können! Sie sassen alle lange genug auf dem Trockenen.

Der St.Galler Jan Geiger alias «Klebeband» wird beim Auftritt in der Kellerbühne auch seinen Corona-Song «Latino Quarantino» performen.

«Heimspiel»-Festival in der Kellerbühne

Ostschweizer Grössen und ein nationaler Act

Vom 6. bis 27. Juni lässt Matthias Peter in der Kellerbühne St.Gallen Ostschweizer Künstlerinnen und Künstler auftreten - und einen nationalen Act. Zum Auftakt am 6. und 7. Juni spielen Goran Kovacevic & Peter Lenzin («Swingin’ Balkan Soul»).  Am 10. und 12. Juni treten Irina Maria Garbini & Dany Kuhn auf mit ihrer Mischung aus Piaf-Songs, griechischer Poesie und Fadogesang. Die St.Galler Formation «Theater am Tisch» mit den Schauspielern Marcus Schäfer und Hans Rudolf Spühler liest am 13.6. (zur musikalischen Begleitung) von Peter Lutz den Roman «Zündels Abgang». Die Schlagwerker Andi Pupato & Enrico Lenzin präsentieren am  17./18.6. ihr erstes gemeinsames Konzertprogramm. Der St.Galler Jan Geiger («Klebeband») tritt am 19.6. mit humoristischer Musik und Mundarttexten auf.  Das Duo Valsecchi & Nater zeigt am 20.6. sein Musik-Kabarettprogramm «Macht Liebe!». Der St.Galler Historiker Hans Fässler präsentiert am 24.6. sein Buch über Simon Ammann (Vorpremiere). Peter Lenzin tritt am 25./26.6. solo mit seinem Musik-Kabarettprogramm auf. Zum Abschluss singen und spielen Sandra Kreisler & Roger Stein am 27.Juni ein Chanson-Konzert zum Thema «Glück». (red)

Wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen Sie in der Kellerbühne empfangen?

Wenige: Wie lassen maximal 40 Leute rein. Geplant ist, 16 Doppelplätze zu verkaufen, also für Leute aus dem gleichen Haushalt, und acht Einzelplätze. Dazwischen lassen wir ausreichend Platz. Wir sperren zudem jede zweite Reihe ab, und bauen die ersten drei Reihen vor der Bühne aus. Damit wollen wir zeigen: Wir verzichten auf ganz viele Plätze, damit sich das Publikum sicher fühlen kann. Unsere Bar bleibt geschlossen, es gibt aber eine eingeschränkte Ausgabe von Getränken. Diese müssen auf den Zuschauerplätzen konsumiert werden, damit wir die Regeln, die für die Gastronomie gelten, einhalten können.

Lohnt es sich, vor so wenigen Leuten zu spielen?

Alle Künstlerinnen und Künstler wussten vorab, dass wir nur 40 Plätze verkaufen und ihnen eine prozentuale Beteiligung an den Einnahmen zusteht. Das ist für alle in Ordnung. Jetzt hoffen wir alle, dass wir nicht nur am Auftaktkonzert ausverkauft sind!

Mehr zum Thema