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Die Kosmopolitin Ilma Rakusa schreibt über alles, was sie bewegt

Von «Angst» bis «Zaun» schreibt die Schweizer Autorin Ilma Rakusa in ihrem neuen Buch «Mein Alphabet» über Leben und Schreiben. Mit ihr erhält 2019 erstmals eine Schweizerin den Kleist-Preis.
Florian Bissig
Ilma Rakusa (Bild: Keystone)

Ilma Rakusa (Bild: Keystone)

«Scribo, ergo sum», sagt Ilma Rakusa von sich: Ich schreibe, also bin ich. Nur leicht übertreibt sie, wenn sie das Schreiben in Anspielung an Descartes’ berühmten Satz als hinreichende Bedingung für ihre Existenz bezeichnet. Als Autorin von Gedichten, poetischer Prosa und Erzählungen hat sie sich nicht nur längst ihren Platz in der literarischen Welt, sondern auch eine intellektuelle Identität erschrieben, die von ihrer Lebensgeschichte ebenso wie von ihrer Lektürebiografie geprägt ist. Die belletristische Tätigkeit ist bei ihr eng verflochten mit der kritischen und literaturwissenschaftlichen Arbeit und mit der Übersetzung der Literatur französischer, russischer, ungarischer und serbokroatischer Autoren.

Preis für «Kosmopolitin und Europäerin»

Rakusa wird 2019 als erste Schweizerin mit dem renommierten Kleist-Preis ausgezeichnet. Wobei sie den Preis als «Kosmopolitin und Europäerin» erhält, wie die Kleist-Gesellschaft schreibt, als «polyglotte Intellektuelle» und «femme de lettres», und für ihre Vermittlung über Grenzen der Sprach- und Kulturräume hinweg. Der Kleist-Preis folgt auf zahlreiche Auszeichnungen, vom Schiller-Preis bis zum Schweizer Buchpreis, mit dem sie 2009 für ihr Erinnerungsbuch «Mehr Meer» ausgezeichnet wurde. Die Preisverleihung findet im November in Berlin statt.

«Alphabet» verbindet Poesie mit dem Leben

Bereits dieser Tage erscheint unterdessen der Band «Mein Alphabet», ein persönliches Buch, das den Satz «Scribo, ergo sum» auf rund dreihundert Seiten veranschaulicht. Neben Gedichten stehen da kurze Prosatexte zu Rakusas Leben, und zu allem, was dieses bewegt. Das ist allem voran die Literatur, die Lyrik und die Sprache – oder besser: die Sprachen, zwischen denen sie sich seit der Kindheit bewegt. Neben Tschechow, Danilo Kiš oder Dostojewskij kommen Ljubljana und Triest, die Orte der Kindheit zur Sprache, aber auch Japan, Zürich und das Bergell. «Alphabet» verbindet die Poesie mit dem Leben, was Rakusas Literatur im Grunde immer tut.

«Ich möchte um nichts in der Welt dickhäutig sein»

Doch in diesem Band ist es der Autorin ein Anliegen, sich in ihren Motiven und Vorlieben unzweideutig sichtbar werden zu lassen. Zu diesem Zweck fingiert sie manche Texte als Interviews, bei denen die Fragerin entweder als blutleere Stichwortgeberin auftritt, oder die Antwort suggeriert: «Du bist ein dünnhäutiger Mensch, was das Leben nicht unbedingt einfacher macht.» – «Das stimmt, aber ich möchte um nichts in der Welt dickhäutig sein.» An solchen Stellen entlarvt die fadenscheinige Dialogform den monologischen Charakter des Buchs. «Alphabet» ist durchweg ein Selbstgespräch, und stellenweise ein überraschend geschwätziges.

Warum es im Deutschen nur ein Wort für Einsamkeit gibt

Dort wo die Ausführungen poetologische Relevanz haben, wird es indessen spannend. Etwa wenn sie über ihr Interesse an Licht und Schatten schreibt, welche in ihrer Poesie eine grosse Rolle spielen; wenn sie von ihrer Migrationsgeschichte oder von Begegnungen mit Autoren wie Danilo Kiš oder Imre Kertész erzählt; oder wenn sie darüber räsoniert, warum es im Deutschen nur ein Wort für die Einsamkeit gibt – wo es doch mindestens zweierlei Einsamkeiten gebe. Von «Angst» bis «Zaun» folgt man Rakusas alphabetischem Selbstgespräch ganz gern. Noch lieber wird man sich aber danach wieder ihren poetisch verdichteten Werken zuwenden.

Ilma Rakusa Mein Alphabet, Droschl, 320 Seiten.

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