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Die Kino-Paraderolle, für die Christian Bale 20 Kilo zunahm

Die für acht Oscars nominierte Politsatire «Vice» zeigt den ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney als Drahtzieher des Irakkriegs. Eine Paraderolle für Verwandlungskünstler Christian Bale, der für den Film 20 Kilo zunahm.
Lory Roebuck
US-Vizepräsident Dick Cheney, hervorragend verkörpert vom britischen Filmschauspieler Christian Bale. (Bild: Matt Kennedy/Annapurna Pictures)

US-Vizepräsident Dick Cheney, hervorragend verkörpert vom britischen Filmschauspieler Christian Bale. (Bild: Matt Kennedy/Annapurna Pictures)

Sie haben ihn damals während des Irakkriegs verteufelt, doch heute wünschen sich viele Amerikaner George W. Bush als Präsidenten zurück. «Das ist doch verrückt», sagt US-Filmregisseur Adam McKay. «Die Leute sagen das nur, weil Donald Trump noch schlimmer ist als Bush. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass unter der Bush-Regierung über eine Million Menschen ihr Leben verloren haben. Der Irakkrieg war ein Wendepunkt in der US-Geschichte.»

Ein Wendepunkt, den McKay nun in seiner für acht Oscars nominierten Politsatire «Vice» unter die Lupe nimmt. Im Fokus des Films steht allerdings nicht Bush, sondern dessen damaliger Vizepräsident Dick Cheney. Der ewige Zweite. Der Mann, der seine eigenen Ambitionen für das höchste Amt begraben musste, der es nie bis ganz nach oben schaffte. Dachte man zumindest.

«Vice» malt ein anderes Bild und zeigt Cheney als Drahtzieher hinter dem unbeholfenen Präsidenten. Als Vize mit einer nie ­gesehenen Machtfülle. Als den Mann, den die Angestellten im Weissen Haus «Boss» nennen.

Aufstieg ohne Rücksicht auf Familie und Weggefährten

«Sein Aufstieg war phänomenal», sagt Cheney-Darsteller Christian Bale.

«Cheney war ein Tunichtgut, der von der Uni flog und wegen Alkohol am Steuer festgenommen wurde. Und trotzdem brachte er es zum jüngsten Stabschef in der Geschichte des Weissen Hauses.»

Zu verdanken hat er das, legt «Vice» nahe, seiner Gattin Lynne Cheney: «Entweder du machst etwas aus dir, oder ich verlasse dich», macht sie ihm in einer frühen Filmszene unmissverständlich klar. «Lynne Cheney hätte wohl jeden Mann zum Vizepräsidenten gemacht», sagt Bale und lacht.

Seine Filmfigur nimmt sich das Ultimatum zu Herzen und schliesst sich der Republikanischen Partei an, wo er jahrelang Handlangerdienste verrichtet. Bis US-Präsident Richard Nixon stürzt und Cheneys Stunde schlägt: Als einer von wenigen in der Partei bleibt er in der Watergate-Affäre unbefleckt.

Cheney wird unter Nixons Nachfolger Gerald Ford Stabschef, unter George Bush senior Verteidigungsminister und opfert seinem Aufstieg selbst Familienmitglieder und alte Weggefährten.

Christian Bale geht in dieser Machiavelli-Rolle ganz auf. Um Cheney zu ähneln, nahm der britische Oscar-Gewinner («The Fighter») innert weniger Monate 20 Kilo Körpergewicht zu. «Wenn ich mich in eine Filmfigur verwandle, dann muss das für mich nicht nur im Kopf geschehen, sondern auch körperlich», sagt Bale. «Das Eine geht nicht ohne das Andere.»

Über den Körper in die Figur hineingefunden

Der Schauspieler erklärt das an einem Beispiel: Ihm sei während der Vorbereitung aufgefallen, dass Cheney kaum einen Nacken hat. Also habe er so viel trainiert und gegessen, bis auch sein Nacken nur noch ein Wulst war.

«Das gab mir das Gefühl, ein unbewegliches Objekt zu sein. Und genau das ist Cheney, auch im Kopf: ein unbewegliches Objekt. Er gibt in einer Verhandlung nie nach und kennt keine Reue. Diese Körperlichkeit half mir, mich in die Figur hineinzuversetzen.»

Für solche extremen physischen Transformationen ist Bale berüchtigt. Für «The Machinist» (2004) etwa hungerte er sich zum Skelett, für die «Batman»-Filme (2005–2012) stählte er seine Muskeln, für «American Hustle» (2013) zeigte er sich wie in «Vice» fettleibig.

Szenenbild aus «Vice»: Christian Bale als Dick Cheney (links) und Sam Rockwell als George W. Bush. (Bild: Matt Kennedy/Annapurna Pictures via AP)

Szenenbild aus «Vice»: Christian Bale als Dick Cheney (links) und Sam Rockwell als George W. Bush. (Bild: Matt Kennedy/Annapurna Pictures via AP)

Christian Bale zeigt sich wieder schlank an der Berlinale Berlin. (Bild: Berlin, 11.Februar 2019, EPA/Alexander Becher)

Christian Bale zeigt sich wieder schlank an der Berlinale Berlin. (Bild: Berlin, 11.Februar 2019, EPA/Alexander Becher)

«Mich haben immer jene Leute beeindruckt, die Grenzen ausloten», sagt Bale. «Ich besuchte nie eine Schauspielschule und war deshalb lange verunsichert. Ich dachte: Wenn ich nicht alles, was ich kann, in diesen Job rein stecke, werde ich ihn nicht lange ausüben können.»

Cheney und Trump als Duo - eine Horrorvorstellung

Bale gilt für seinen fulminanten Auftritt in «Vice» als heisser Anwärter auf den Oscar. Im Januar gewann er bereits einen Golden Globe. Damals bedankte er sich für den Preis bei Satan. «Das war natürlich ein Witz», schmunzelt Bale.

«Aber Cheney hat schon etwas Teuflisches. Er ist ein intelligenter, belesener Mann, aber bis heute versteht er nicht, was er mit dem Irakkrieg anrichtete. Geschweige denn, dass er sich dafür entschuldigen würde.»

Wenig überraschend zieht «Vice» eine direkte Linie von Cheney zu einem anderen ­«Teufel»: Die Pervertierung der US-Politik unter Donald Trump, behauptet der Film, hat ihren ­direkten Ursprung in Cheneys Machtmissbrauch. Eine steile These, die selbst vor dem Hintergrund der satirischen Überzeichnung des Filmstoffes nicht vollends überzeugt.

Cheney und Trump als Duo, das ist für Christian Bale eine Horrorvorstellung. «Cheney liest und nimmt die Briefings des Geheimdienstes ernst», sagt der Darsteller. «Mit ihm als Vize wäre Trump viel gefährlicher. Dann hätte er jemanden, der genau versteht, wie die Regierungsmaschinerie läuft.»

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