Die junge Frauenfelderin Alessandra Biondi setzt sich ein für die italienische Kultur

Als Präsidentin der Società Dante Alighieri Turgovia organisiert Alessandra Biondi im Thurgau Veranstaltungen zu italienischer Kunst, Musik, Literatur oder Politik. Die 27-Jährige will Toleranz schaffen gegenüber anderen Kulturen.

Claudia Koch
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Seit 2018 steht Alessandra Biondi als Präsidentin der Società Dante Alighieri Turgovia vor und organisiert ein vielfältiges Programm für Italienliebhaber.

Seit 2018 steht Alessandra Biondi als Präsidentin der Società Dante Alighieri Turgovia vor und organisiert ein vielfältiges Programm für Italienliebhaber.

Bild: Andrea Stalder

«Wir müssen der italienischen Kultur und Sprache Sorge tragen, da sie ein Teil unserer Schweizer Identität ist». Diese Ansage stammt von der 27-jährigen Frauenfelderin Alessandra Biondi. Sie weiss, wovon sie spricht.

Der Vater sei ein Secondo, sie selber eine Terza, sagt sie lachend und nippt an ihrem Espresso, schwarz, mit Zucker. Die Grosseltern kamen nach dem 2. Weltkrieg aus Italien nach Frauenfeld; die häufig besuchte Nonna lebt wieder im Herkunftsland. Alessandra wie auch ihre Schwester sind dank des Vaters zweisprachig aufgewachsen. Zudem besuchten beide die italienische Sprach- und Kulturschule in Frauenfeld.

Alessandra Biondi sagt dazu: «Damals war es ein Müssen, am Mittwochnachmittag Unterricht zu haben, wenn alle andern frei hatten.» Heute sieht sie es als Geschenk. Entsprechend empfänglich war sie an der Kantonsschule Frauenfeld, als sie von ihrem Italienisch- und Ethiklehrer Marco Molteni für Veranstaltungen der Società Dante Alighieri Turgovia animiert wurde. Im April 2016 trat sie dem Vorstand bei, seit 2018 steht sie diesem nun als Präsidentin vor.

Nicht nur für Vereinsmitglieder, offen für alle Italienliebhaber

Wie kommt es, dass sich eine so junge Frau für einen solchen Verein stark macht? Einerseits liegt es an ihrem Migrationshintergrund, da sie mit der italienischen Kultur und Sprache aufgewachsen ist. Andererseits ist es ihr ein Anliegen, sich kulturell für ihre Wurzeln zu engagieren. Toleranz schaffen gegenüber anderen Kulturen lautet ihr Credo.

Immer noch kommen Menschen aus Italien in die wirtschaftlich attraktive Schweiz. Der Verein bietet allen Interessierten verschiedene Veranstaltungen in einem bunten Jahresprogramm an, das der Vorstand aus Themen wie etwa Kunst, Musik, Literatur oder Politik zusammenstellt.

Nebst den 100 Vereinsmitgliedern sind auch andere Italienliebhaber eingeladen. Da die Società Dante Alighieri mit Sitz in Rom weltweit organisiert ist und in der Schweiz mehrere Sektionen unterhält, können Referentinnen oder Musiker für mehrere Städte gebucht und Gagen geteilt werden.

Digital will sie mehr junge Leute ansprechen

Nachwuchsprobleme kennt auch Alessandra Biondi, die hofft, mit der künftigen digitalen Werbung per Mail mehr junge Leute anzusprechen. Gemeinsame Auftritte mit dem Cinema Luna, der Thurgauer Kantonsbibliothek sowie mit dem Bücherladen Marianne Sax sollen dem Verein ebenfalls zu mehr Bekanntheit verhelfen. Auch Sprachkurse bietet der Verein an, in St. Gallen wie auch in Zürich kann gar ein Sprachzertifikat erworben werden.

Als ihr Highlight der Veranstaltungen nennt sie ein Referat über 70 Jahre italienische Verfassung. Dies vor allem, weil sie selber Jus studiert hat, zurzeit am Bezirksgericht in Frauenfeld tätig ist und sich auf die Anwaltsprüfung vorbereitet. Zudem ist sie politisch aktiv.

Das Studium ermöglichte ihr auch ein Semester in Rom. Ob sie sich je überlegt habe, in Italien zu leben? «Ja, als ich in Rom studierte, aber die Zukunftsaussichten dort sind schwierig», sagt sie dazu. Verbunden ist sie mit ihrer zweiten Heimat trotzdem stark, besonders, wenn sie in den Ferien ist. «Dann träume ich Italienisch.»

Literaturabende mit Raffaella Romagnolo in italienischer und deutscher Sprache: am 12.2., 19.30 Uhr, Kantonsbibliothek Thurgau; am 13.2., 20 Uhr, Literaturhaus Thurgau Gottlieben. Infos unter www.ladante.ch/comitato-di-turgovia/