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Am «Generations» wird die Jazztradition durcheinandergewirbelt

Am internationalen Jazzfestival Generations standen Marie Kruttli und Michael Arbenz zuerst Solo auf der Bühne, bevor sie in Formation auftraten. Im ausverkauften Eisenwerk zeigten sie ihre ganze Klasse.
Rainer Kobe
Die Westschweizer Pianistin Marie Kruttli überzeugt im Eisenwerk Frauenfeld mit klarem Anschlag. (Bild: Andrea Stalder (Frauenfeld, 3.10.2018))

Die Westschweizer Pianistin Marie Kruttli überzeugt im Eisenwerk Frauenfeld mit klarem Anschlag. (Bild: Andrea Stalder (Frauenfeld, 3.10.2018))

Mit seiner Trilogie der Piano-Trios drang das Jazzfestival Generations ins Herz des Jazz. Die am weitesten verbreitete Standard-Besetzung des Jazz, bestehend aus Klavier, Bass und Schlagzeug, legt stets Zeugnis ab von der Befindlichkeit des Genres – mit unterschiedlichen Ideen und Konzepten freilich. Doch bevor die Combo auftraten, waren zunächst die Chefs gefragt. Mit beeindruckenden Solo-Konzerten im ausverkauften Frauenfelder Eisenwerk gaben sie ihre Visitenkarten ab.

Marie Kruttli stellte am Dienstag ihre klassische Ausbildung und ihre im Bieler Sinfonieorchester erworbene Erfahrung unter Beweis. Die in Berlin lebende Westschweizer Pianistin überzeugt mit klarem, präzisem Anschlag in Eigenkompositionen, die sie mit freien Improvisationen verknüpft. Die spätromantischen Reflexionen der 27-Jährigen münden schliesslich in Carla Bleys leicht zugängliche «Ida Lupino».

Der anderntags spielende Michael Arbenz, ebenfalls im Eisenwerk vor hoch konzentriertem Publikum, geht ähnlich vor, und erinnert schliesslich an Duke Ellington. Der Basler Pianist schafft ein kammermusikalisches Klima, in dem Blues und Balladen bestens gedeihen.

Im Trio dann abends mit seinem Zwillingsbruder Florian am Schlagzeug und Thomas Lähns am Bass bieten Swing und Groove eine gute Grundlage für Kompositionen von Maurice Ravel. Das Publikum in der engen Beiz des Eisenwerks schien mitunter mehr am leiblichen Wohl interessiert, denn am kulturellen Genuss. Dies bekam auch Marie Kruttlis Trio zu spüren, das am Abend zuvor auftrat. Doch Bassist Lukas Traxel und der glänzend sich bewährende neue Schlagzeuger Jonathan Barber liessen sich nicht beirren.

Instrumentale Höhenflüge

In der Piano-Bar vermochte sich das Ari Hoenig Trio gegen den Geräuschpegel im voll besetzten Café bestens zu behaupten. Der 44-jährige Amerikaner, der als einer der melodischsten Schlagzeuger gilt, hat die besagte Standard-Besetzung zwar nicht verändert, doch mit rhythmischen Impulsen durchsetzt. Pianist Nitai Hershkovitz und Bassist Or Bareket folgen auf dem Fusse. Völlig durcheinander gewirbelt hat die Jazztradition Donny McCaslin mit seinem Quartett. Der US-Saxofonist, der das letzte Album von David Bowie adelte, lieferte im «Dreiegg» ein Lehrstück an grenzüberschreitenden Erfahrungen. Hier wird Jazz nicht museal konserviert, sondern mit instrumentalen Höhenflügen, mitunter elektronisch aufgedonnert, in neue Dimensionen geführt. Am Nachmittag demonstrierte der 52-Jährige im Kanti-Workshop auch seine Klasse im traditionellen Jazz höchst eindrücklich.

Generations, international Jazzfestival Frauenfeld, noch bis Sa, 6.10. generations.ch

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