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Das Geheimnis der angeketteten Affen

Maler Pieter Bruegel der Ältere arbeitete mit einem unglaublichen Sinn fürs Detail. Seine Wimmelbilder gehören zu den grossartigsten Werken der Kunstgeschichte. Das Kunsthistorische Museum in Wien zeigt nun 90 Bilder und Grafiken des flämischen Meisters. Eine Jahrhundertschau.
Ingrid Schindler
1562 malte Pieter Bruegel diese beiden Meerkatzen auf Eichenholz. Der Künstler setzte die Grundstimmung von Gefangenschaft und stillen Sehnsucht der wehrlosen Tiere meisterhaft um.

1562 malte Pieter Bruegel diese beiden Meerkatzen auf Eichenholz. Der Künstler setzte die Grundstimmung von Gefangenschaft und stillen Sehnsucht der wehrlosen Tiere meisterhaft um.

Welcher Bruegel? Pieter oder Jan, der Ältere, oder Pieter, Jan, die Jüngeren? Der Bauern-, Blumen-, Landschafts-Bruegel, der Moralist, Humanist, Humorist, Gesellschaftskritiker? Bis auf die Blumen beziehen sich alle Etiketten auf Pieter Bruegel den Älteren (1525/30–1569), den Gründer der flämischen Malerdynastie, der die Landschafts- und Genremalerei des 16. Jahrhunderts revolutionierte und dessen Bildwelten den Betrachter heute noch in Bann ziehen.

Manfred Sellink, Direktor des ­Königlichen Kunstmuseums Antwerpen und einer der Kuratoren der Wiener Ausstellung, sagt:

«Über Pieter Bruegel den Älteren weiss man so wenig wie über Shakespeare, aber seine Bilder erzählen viel über die Zeitgeschichte.»

Werke des gelernten Miniaturmalers, Grafikers und Zeichners haben wir wohl alle schon gesehen: Dolle Griet, Turmbau von Babel, Bauernhochzeit, Bauerntanz oder Jäger im Schnee, das erste Winterbild überhaupt.

Eines der berühmtesten Werke von Pieter Bruegel d.Ä.: Grosser Turmbau zu Babel, 1563 gemalt.

Eines der berühmtesten Werke von Pieter Bruegel d.Ä.: Grosser Turmbau zu Babel, 1563 gemalt.

Die flämischen Winterszenen und die in der Tradition von Hieronymus Bosch stehenden Wimmelbilder gehören zu den grossartigsten Werken der Kunstgeschichte. Aufgrund ihrer Originalität und Qualität, Detailtreue, Vielschichtigkeit und ihres Bildwitzes erzielten sie schon zu Lebzeiten des Künstlers ungewöhnliche hohe Preise und wurden viel kopiert, auch von seinen Söhnen.

Oft kopiert, sogar von seinen Söhnen: Die flämischen Winterszenen.

Oft kopiert, sogar von seinen Söhnen: Die flämischen Winterszenen.

Noch nie da gewesen: die Originale nebeneinander

Bruegels erhaltenes Werk ist mit gut 40 gesicherten Gemälden und 80 Grafiken überschaubar. Der grösste Bruegel-Schatz hängt in Wien: Das Kunsthistorische Museum (KHM) verfügt dank der Sammlerfreude der Habsburger über zwölf Bildtafeln. Den zweitgrössten Anteil am Œuvre besitzen die Musées Royaux des Beaux-Arts (Bozart) in Brüssel, darunter die «Winterlandschaft mit Schlittschuhläufern und Vogelfalle» (1565), das meistkopierte der Bruegel-Tableaus.

Die aus Eichenholzbrettern zusammengesetzten Bildtafeln zählen zu den kostbarsten und fragilsten Kunstwerken der Welt. Sabine Haag, die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, sagt:

«Ein Bruegel reist nicht. Man lässt auch keine ‹Mona Lisa› reisen. Den Publikumsmagneten gibt man nicht aus der Hand.»

Wie die Ausstellung trotzdem gelang und andere ­Museen Wien ohne Gegenleihen ihre Werke zur Verfügung stellten? «Entscheidend war, dass unsere Schau vor dem offiziellen Bruegel-Jahr beginnt, so dass sie 2019 selbst ihre Originale zeigen können. Der andere Part of the Deal war, dass wir von Anfang an die internationale Bruegel-Szene in das Wiener Bruegel-Research-Projekt eingebunden haben.»

Die Ausstellung sei für die Forschung eine Jahrhundertchance, die Originale erstmals nebeneinander vereint zu sehen. Seit Beginn der Vorbereitungen 2012 führt das KHM mit finanzieller Unterstützung der amerikanischen Getty Panel Paintings Initiative eine tiefgreifende, zerstörungsfreie Untersuchung seiner zwölf Bruegel-Tafeln durch.

Eintauchen in die Bruegel-Welt, physisch und digital

Mittels Röntgenstrahl- und Fluoreszenzanalyse, Makro-, Infrarotfotografie und -reflektografie, 3D-Kartierung und dendrologischer Analysen wurde «die Hand des Meisters», so der Untertitel der Ausstellung, nachvollzogen. Unter dem Farbauftrag sichtbar gewordene Unterzeichnungen verraten viel über Materialien, Komposition und Entstehungsprozess: Wie hat Bruegel die komplexen Inhalte aufgebaut, welche Figuren und Details hat er nachträglich hinzugefügt oder entfernt, wie führt sein Pinselstrich den Betrachter durchs Bild? Auf der ab Ausstellungsbeginn (2. Oktober) aufgeschalteten Website www.insidebruegel.net können Laien wie Wissenschafter die Wiener Tafeln bis ins Mark analysieren.

Die Wimmelbilder von Pieter Bruegel des Älteren werden mittels Röntgenstrahlen bis aufs Mark untersucht und analysiert.

Die Wimmelbilder von Pieter Bruegel des Älteren werden mittels Röntgenstrahlen bis aufs Mark untersucht und analysiert.

Games führen in die virtell Bruegel-Welt

Bruegels gewitztes Spiel mit Alltagsgegenständen und seine ­ungeheure Detailtreue kann der Museumsbesucher am Beispiel des Wimmelbilds «Kampf zwischen Fasching und Fasten» direkt in Augenschein nehmen: Durch Kooperation mit dem Bokrijk-Museum, dem flämischen Ballenberg, werden Originalobjekte dem Bild gegenübergestellt. «The World of Bruegel», die ­gerade für das Bruegel-Jahr in ­Bokrijk mit Originalhäusern und -gerätschaften, nachgestellten Spielen, Szenen und komponierten Landschaften aufgebaut wird, geht noch weiter. Dank modernster Bildtechnik kann sich der Besucher in das Gewimmel des Kampfes stürzen und Teil des Bilds werden. Dies als ein Beispiel für die breite Palette digitaler Games, die die reale in die virtuelle Bruegel-Welt hinüberführen.

Der Hafen von Neapel ist ein hunderprozentig echter Bruegel, was bisher laut dem Kurator fraglich war.

Der Hafen von Neapel ist ein hunderprozentig echter Bruegel, was bisher laut dem Kurator fraglich war.

Die Highlights und die Entdeckung

Zurück nach Wien: Weitere Höhepunkte der Ausstellung sind für die Kuratoren Sabine Pénot, Elke Oberthaler, Manfred Sellink, Ron Spronk die Restaurierung der Gemälde Dulle Griet (Antwerpen) und Triumph des Todes (Madrid), das Sichtbarmachen der ­Entstehung der vieldeutigen angeketteten Affen (Berlin), die erstmalige Zusammenführung beider Turmbau-von-Babel-Tafeln (Wien und Rotterdam) oder die Gegenüberstellung der Zeichnung «Die Imker» (Berlin) mit dem Gemälde «Bauer und Vogeldieb» (Wien). Und: «Wir wissen jetzt, dass Hafen von Neapel hundertprozentig ein echter Bruegel ist, was bisher fraglich war», sagt Kurator Manfred Sellink. Für ihn wäre Bruegel heute der grösste Filmemacher der Welt. Ein Fest fürs Auge ist die Wiener Ausstellung auf jeden Fall.

Die Zeichnung der Imker gehört zu den Höhepunkten der Ausstellung.

Die Zeichnung der Imker gehört zu den Höhepunkten der Ausstellung.

Auftakt zum Bruegel-Jahr

Ausstellung Bruegel in Wien, Kunsthistorisches Museum, 2.10.2018 bis 13.1.2019, täglich geöffnet, Tipp: Timeslot für den Eintritt auf der Homepage buchen, www.khm.at.

www.insidebruegel.net: Das Wiener Bruegel-Projekt gewährt ab 2.Oktober Einblick in die Meisterwerke bis ins kleinste Detail. Der Betrachter kann durch die 12 Wiener Bruegel-Tafeln mithilfe modernster Methoden selber navigieren.

The World of Bruegel, Bokrijk, 5.4. bis 20.10.2019, www.bokrijk.be Weitere Veranstaltungen im Bruegel-Jahr 2019 in Belgien: www.visitflanders.com www.flemishmasters.com Literatur: Katalog: Bruegel – Die Hand des Meisters, Hrsg. Sabine Haag, KHM, Wien, Okt. 2018, € 39.95; Bruegels Winterlandschaften, Hrsg. Tine Luk Meganck und Sabine van Sprang, Hatje Cantz, Sept. 2018, € 54.95. (is)

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