Die israelische Vorlage von «Homeland»

«Hatufim» ist manchmal kaum auszuhalten und doch kann man nicht wegsehen. Sollte man auch nicht. Denn «Hatufim – In der Hand des Feindes» gehört mit zum Packendsten, was es zurzeit im Fernsehen zu sehen gibt. Morgen startet auf dem Sender Arte die zweite Staffel der israelischen Serie.

Katja Fischer De Santi
Drucken
Teilen
Bild: Katja Fischer De Santi

Bild: Katja Fischer De Santi

«Hatufim» ist manchmal kaum auszuhalten und doch kann man nicht wegsehen. Sollte man auch nicht. Denn «Hatufim – In der Hand des Feindes» gehört mit zum Packendsten, was es zurzeit im Fernsehen zu sehen gibt. Morgen startet auf dem Sender Arte die zweite Staffel der israelischen Serie.

17 Jahre vegetieren die drei Soldaten Nimrod, Uri und Amiel gefangen in einem Kellerloch. Eine Terroristengruppe hält sie dort gefangen, foltert sie. Nach zähen Verhandlungen tauscht die israelische Regierung die Männer gegen Gefangene Palästinenser aus. Und genau in diesem Moment beginnt die Serie und das eigentliche Drama.

Als Nimrod in den Einsatz im Libanon zog, war seine Frau zum zweitenmal schwanger. Jetzt ist er wieder frei und mit einer Familie konfrontiert, die er nicht kennt, und mit einer Welt, die er nicht versteht. Was bitte ist das Internet?

Übersät mit blauen Flecken

In der Nacht kommen die Bilder und Erinnerungen aus der Zeit der Dunkelheit und der Folter wieder hoch. Nimrod schlägt schlafend um sich, der Körper seiner Frau Talia ist mit blauen Flecken übersät. Er merkt es nicht, sie verheimlicht es vor ihm. Wenn er Stress hat, steckt er den Kopf unter Wasser, bis er das Gefühl hat zu ersticken. Uri liegt tagelang zusammengekrümmt in seinem alten Kinderzimmer.

«Hatufim» untersucht, was 17 Jahre Gefangenschaft aus Menschen machen, und zwar nicht nur aus den Gefangenen. Uris Verlobte Nurit hat inzwischen seinen Bruder geheiratet und viel Hass auf sich gezogen. Nimrods Frau Talia dagegen hat – alleine mit zwei Kindern – ununterbrochen für die Freilassung der Gefangenen gekämpft. Nun fühlt sie sich nutzlos. Und dann ist da noch Yael, die Schwester des dritten Soldaten Amiel, der mit Nimrod und Uri heimkehrte. Im Sarg. Als Vision leistet er Yael nun unheimliche Gesellschaft.

Politische Debatte ausgelöst

Es sind nicht die Folterszenen, welche «Hatufim» so schwer erträglich machen. Es ist viel mehr das authentische Leiden der Rückkehrer und ihrer Familien im Hier und Jetzt. In Israel löste die Serie landesweite Debatten aus, und nach jeder Ausstrahlung meldeten sich Hunderte Soldaten beim Fernsehsender, um sich zu bedanken. Bis heute ist «Hatufim» die erfolgreichste israelische Fernsehserie überhaupt. Eine dritte Staffel ist in Arbeit.

Der Regisseur von «Homeland»

Wer sich durch den Plot an die amerikanische Serie «Homeland» erinnert fühlt, liegt richtig. Regisseur Gideon Raff wurde, nachdem er «Hatufim» realisiert hatte, angefragt, ob er für den Sender Showtime ein ähnliches Format produzieren könnte. Doch viel gemeinsam haben die beiden Serien nicht. Zum Glück, denn das Original ist atmosphärischer, realistischer und mutiger als die Kopie.

Arte Hatufim – In der Hand des Feindes, donnerstags, 22.15 Uhr. Die alten Folgen kann man heute nacht ab 23.45 Uhr aufnehmen.

Aktuelle Nachrichten