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«Die Instrumente haben uns gesucht», sagt das unverwechselbare Quantett

Ihre Musik wirkt stets wie eine aufheiternde Medizin: Das Ostschweizer Quantett Kobelt feiert dieses Jahr seinen 45. Geburtstag – am Sonntag auf Schloss Roggwil.
Martin Preisser
Johannes Kobelt, Katharina Kobelt und Adrian Bodmer beherrschen zusammen virtuos rund 40 Musikinstrumente. Bild: PD

Johannes Kobelt, Katharina Kobelt und Adrian Bodmer beherrschen zusammen virtuos rund 40 Musikinstrumente. Bild: PD

Gäbe es das Quantett nicht, müsste man es erfinden, hat unsere Zeitung einmal über dieses spezielle Trio geschrieben. 14 CDs, 15 Programme, 200 Arrangements, das sind die äusseren Zahlen. 45 Jahre zu dritt zusammengeschweisst, das ist eine Rarität in unserer schnelllebigen Zeit. In ihrem Geburtstagsprogramm entführen die drei ins Paprikaland, ins Balalaikaland oder ins (schweizerische) Käseland. Was wie Titelgags wirkt, ist in Wahrheit eine Perlenkette genaustens ausgearbeiteter Arrangements aus ganz verschiedenen Musikstilen. Und die Kunst von Johannes Kobelt: Musik aus Jazz, Zigeunerfolklore, Klassik oder Volksmusik perfekt neu einzufärben, den Eigenarten vieler musikalischer Traditionen wirklich auf den Grund zu gehen, ist die Kernzelle des Quantett-Erfolgs.

Im Alten immer wieder Neues entdecken

Johannes Kobelt war vor 45 Jahren Cellist im Tonhalle Orchester Zürich. Dass er die klassische Karriere aufgegeben hat, bereut er bis heute nicht. Unablässig feilt er an seinen Arrangements, entdeckt im Alten immer wieder Neues, lässt nicht locker, bis der Klang für die ganz verschiedenen Instrumentenkombinationen wirklich sitzt. Bis zu fünf Stunden übt der 73-Jährige heute immer noch, an sieben In­strumenten. «Mit dem Alter wächst die Reife, man weiss viel bewusster, worauf es ankommt, in der Musik wie im Leben.»

Mit seiner Frau Katharina Kobelt lebt er seit 26 Jahren in einem kleinen Häuschen, nur mit Holzofen, ohne Badezimmer, aber umgeben von Obstbäumen, eine Oase im sankt-gallischen Berg. Auch Katharina Kobelt hat ihre Konzertkarriere aufgegeben. Sie war einst Schülerin von Aida Stucki, die auch Stargeigerin Anne-Sophie Mutter unterrichtet hat. «Dass ich etwas Persönliches machen darf, etwas, was genau auf mich zugeschnitten ist, empfinde ich als grosses Privileg.»

Das Quantett lebt seit 45 Jahren von seiner Musik, ohne absichernde Brotberufe. Engagiert werden sie in der ganzen Schweiz, aber auch in Deutschland sind sie sehr beliebt. Die Geschichte des Trios sei auch eine spannende Lebensschule geworden, sagt das Ehepaar Kobelt. So intensiv Musikmachen hat für die beiden und den dritten im Bunde, Adrian Bodmer, immer auch bedeutet, dem menschlichen Miteinander auf den Grund zu gehen. Da wird schon mal eine Probe unterbrochen, wenn zwischenmenschlich etwas zu klären ist.

Man geht schmunzelnd aus einem Quantett-Konzert

Adrian Bodmer aus Schlatt bei Winterthur ist mit 64 der Jüngste und seit 38 Jahren mit dabei. Er war ursprünglich Orgelbauer und hat als Jugendlicher ein Konzert des damaligen Quantetts gehört. «Viel zu perfekt, da könnte ich nie mithalten», dachte er damals. Nach einer Weltreise stiess er zu den Kobelts, hängte seinen Jazz an den Nagel, um ihn ganz neu in die Quantett-Musik zu integrieren.

Das Quantett zu beschreiben, ist eigentlich unmöglich. Man muss es einfach gehört haben. Diese Musik ist wie wohltuende Medizin. Niemand geht ohne ein Schmunzeln aus dem Konzert. Quantett zelebriert auf technisch perfektem Niveau eine Philosophie der Heiterkeit in der Musik, ohne die Ernsthaftigkeit vermissen zu lassen.

Autohupe und Premium-Cello

Die lange Geschichte der beiden Kobelts und von Adrian Bodmer ist auch eine Geschichte von Musikinstrumenten. Man könnte ein höchst spannendes, dickes Buch darüber schreiben. «Die Instrumente sind zu uns gekommen, sie haben uns gesucht, nicht wir sie», sagen die drei. Vierzig sind es inzwischen, vom wertvollen Guarneri-Cello aus Cremona bis zur Autohupe. Gitarrist Adrian Bodmer spielt auf einer der letzten Renaissance-Gitarren aus Venedig von 1580. Im Sortiment sind eine wertvolle Django-Reinhardt-Gitarre, aber auch wunderschöne Balalaikas. Und die «Stradivaris» unter den Schwyzerörgelis oder unter den Banjos.

Ob sie blasen, streichen, schlagen, quietschen, singen, hupen – überflüssig zu sagen, dass das Quantett seine Instrumente nicht einfach nur vorführt: Der Reiz ist das Austüfteln des jeweiligen Klangs und das perfekte Beherrschen des Klangmixes. Drei bis vier Jahre feilen sie an einem neuen Programm. Und neben Musik aus dem Käse- oder Jazz-Land gibt es stets Musik aus dem Bach-Land. Bach ist ein Fixstern in jedem Konzert. «Sein Geist trifft einen mitten ins Herz», sagt Johannes Kobelt.

«Wie das Leben ist auch das Musikmachen endlich», weiss der Musiker und schätzt daher jedes neue Konzert wieder neu. «Je älter man wird, desto weniger personenzentriert ist auch ein Auftritt. Viele Äusserlichkeiten fallen weg.» Ans Aufhören denkt bis jetzt keiner. Die Kraft ist da, der Enthusiasmus ungebrochen. Das merkt man den Quantettlern in jedem Satz an.

Hinweis

So, 22.9., 17 Uhr, Schloss Roggwil; quantett.ch

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