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Haubi Songs liefert etwas abseitige, aber präzise Alltagsbeobachtungen

Der Luzerner Nick Furrer war einst mit Alvin Zealot kurz davor, die Welt zu erobern. Heute macht er als Haubi Songs schön-schrägen Rumpelpop mit tiefsinnigen Texten.
Michael Graber
Nick Furrer alias Haubi Songs verarbeitet in seinen Songs präzise Alltagsbeobachtungen auf durchaus schräge Weise. (Bild: PD)

Nick Furrer alias Haubi Songs verarbeitet in seinen Songs präzise Alltagsbeobachtungen auf durchaus schräge Weise. (Bild: PD)

Sollte es tatsächlich so sein, dass die Leute noch tun, was die Leute im Fernsehen ihnen sagen, dann könnten die Swiss Music Awards (SMA) eine leicht verstörende Nebennote gehabt haben. Janine Cathrein, Sängerin von Black Sea Dahu, forderte in ihrer Dankesrede – ihre Band erhielt den Artist Award – das Publikum dazu auf, doch die Platte von ihrem Schlagzeuger zu kaufen. Dieser Schlagzeuger heisst Nick Furrer, kommt aus Luzern und tingelt als Haubi Songs durch die Schweiz. Sollte also jetzt jemand, der sich in die wohlige SMA-Pop-Blase eingekuschelt hat, tatsächlich die neue Scheibe «Highlife» von Haubi Songs gekauft haben, so wäre er wohl vor Schock vom schwarzen Ledersofa runtergepurzelt.

«Highlife» zirpelt und zappelt, zuckt und juckt, es ist nervös und schräg. Darüber erzählt Furrer seine Geschichten. Zu 90 Prozent auf Mundart, zu etwa 7 Prozent auf Englisch, und die restlichen 3 Prozent sind Französisch. Es sind etwas abseitige, aber präzise Alltagsbeobachtungen, die sich mal konzentriert, mal fragmentartig mit der Gesellschaft auseinandersetzen. «Leg di Secondhand-Mantel a, gang hei ond mol es Mandala, Couscous es paar Mandle dra, Minus ei Arbeitstag», singt er in «KafiTogo».

Für Nick Furrer ist das schon eine Reduktion

Furrer, der an der Luzerner Jazzschule Schlagzeug studiert hat, sammelt die Geschichten mit offenen Augen und Ohren. Vieles dreht sich um Flüchtiges. Es geht um die Wegwerfgesellschaft, um Smartphones, um Social Media. «Es ist einfach so, dass mich diese Sachen am meisten beschäftigt haben», sagt Nick Furrer. Er war der Liebe wegen einige Zeit in Berlin und ist jetzt der Realität wegen wieder zurück in Luzern. Hier spielt er eben noch bei den besagten Black Sea Dahu und im Trio Yser. Bei Haubi Songs sitzt er eigentlich alleine am Schlagzeug und bedient Elektronik, am liebsten solche Geräte, die genau etwas können. «Ich möchte nicht mit einem Laptop arbeiten», sagt Furrer, «einfach, weil mich all die Möglichkeiten überfordern würden.»

Seine Musik mag zwar den Zuhörer manchmal fast etwas überfordern, für Furrer ist es dagegen eigentlich schon eine Reduktion. Furrer ist ein unruhiger, hungriger Geist. Das merkt man seinen Songs und vor allem den Texten an. Da verarbeitet einer vieles, was er aufgesogen, aufgeschnappt und aufgelesen hat. Melodien und Texten entstehen unabhängig voneinander und werden erst später zusammengeführt.

Für diese Platte hat Furrer sich Gitarristen geholt. Zwei verschiedene. Sie spielen aber nie miteinander, sondern immer abwechselnd. Weil er sich nicht entscheiden konnte. Beziehungsweise nicht entscheiden wollte: «Ich wollte bewusst mit beiden arbeiten.» Auch bei seinen Livekonzerten wechseln sie sich immer ab. Dieses sich-nicht-festlegen-Wollen ist typisch für das Werk von Haubi Songs. Genregrenzen interessieren Furrer nicht, mal stampft der Beat, mal plätschert er, mal hat es kiloweise Hall auf der Stimme, mal ist es recht melodisch.

Die Platte erfordert etwas Zeit

«Ich kann mir auch vorstellen, dass mein nächstes Album eine Rockscheibe auf Englisch wird», sagt Furrer. Er wolle das aber nicht steuern, es müsse in diesem Moment passen, es müsse sich richtig anfühlen. Daheim ist er mittlerweile im Kreativbiotop Red Brick Chapel, dem Kollektiv um Simon Borer (Long Tall Jefferson), bei dem ihn beeindruckt, wie man sich gegenseitig unterstützt und fördert, sagt Furrer, der auch als Backup bei Faber mitspielt.

Nick Furrer war auch Teil von Alvin Zealot, der Luzerner Band, der man nach ihrem Début 2010 zutraute, mindestens die Welt zu erobern. Alvin Zealot versandete trotzdem, und Haubi Songs war ein bisschen die Gegenbewegung von Furrer. Statt weiter wie bei der Band in klassischen Songs zu denken, hatte er den Mut, die Ideen nicht fertigzudenken. Er beliess die Songs, wie sie grad waren. «Das waren dann tatsächlich ‹Haubi›-Songs», sagt Furrer. Es ging ihm nicht mehr darum, die Welt zu erobern.

«Highlife» erfordert Zeit, sich zu entfalten. Manchmal erfordert es Durchhaltewillen, wenn Furrer mit seinen Songs etwas abdriftet, aber es lohnt sich dranzubleiben. Immer wieder entdeckt man im Sprechgesang-Gerumpel Perlen, die sich, einmal gehört, recht schnell ins Hirn einfräsen: «Wer löscht alli mini Konte noch mim allerletzte Logout?». Da spürt man den Zweifler Furrer, der beschwingt-luftig-lustige Musik mit der notwendigen Ernsthaftigkeit macht.

Haubi Songs: «Highlife» (Red Brick/Irsacible). Live: Samstag, 30. März, Treibhaus, Luzern.

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