Die Herisauerin Eva Roth verhilft Büchern zur Geburt

Als Lektorin und Programmleiterin des Zürcher Atlantis Verlags begleitet sie Manuskripte auf dem Weg zu den Leserinnen und Lesern. Kürzlich hat Eva Roth einen Werkbeitrag des Kantons Appenzell Ausserrhoden erhalten.

Bettina Kugler
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Eva Roth macht und schreibt Bücher.

Eva Roth macht und schreibt Bücher.

Bild: Hanspeter Schiess

Wenn Eva Roth am Schreibtisch ihres Büros in Zürich Wiedikon sitzt, hört sie von unten leise und dumpf das Stampfen der Gelddruckmaschine. Sicherheitspersonal gehört im Verlagshaus Orell Füssli zum Alltag, denn hier werden nicht nur Bücher lektoriert, sondern auch seit über hundert Jahren Banknoten hergestellt. Oben im vierten Stock des streng bewachten Gebäudes macht Eva Roth währenddessen aus guten Bilderbüchern sehr gute. Als Lektorin und Programmverantwortliche im kleinen, international renommierten Atlantis-Verlag betreut sie erfahrene Autoren und Illustratoren – etwa das Schweizer Erfolgsduo Lorenz Pauli und Kathrin Schärer. Daneben aber auch Newcomer, die gerade erst ihr Studium abschliessen.

Der Werkbeitrag ermutigt sie, dranzubleiben

«Ich leiste Geburtshilfe», sagt sie, während wir gemeinsam in den Probedrucken der im Frühjahr erscheinenden Bücher blättern. Lektorieren, das heisst, oft noch spätabends oder sonntags mit Künstlern und Autoren zu telefonieren, denen das Loslassen schwerfällt, die Endgültigkeit eines gedruckten Textes oder Bildes Respekt einflösst. Eva Roth kennt die Bedenken und Zweifel nur allzu gut. Ein Buch bleibt, während sich die Sätze, die Geschichte mit dem Schreibenden weiterentwickeln.

«Für mich selbst, für die Schublade habe ich schon früh mit dem Schreiben begonnen», sagt sie, «es begleitet mich, war immer eine Notwendigkeit.» Das handwerkliche Rüstzeug, das «Besteck», erwarb sie im Lehrgang literarisches Schreiben. Immer noch reizt es sie, mit allen Formen, dem szenischen, epischen, lyrischen Schreiben zu experimentieren. Der Stoff entscheide darüber, welche Form sich am besten eignet, findet Eva Roth. Doch ihre Texte müssen meist warten, müssen sich die Aufmerksamkeit mit anderen Aufgaben teilen.

Dass sie nun kürzlich einen Werkbeitrag des Kantons Appenzell Ausserrhoden erhalten hat, könnte gleich einer ganzen Reihe von halbfertigen Manuskripten helfen, das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken: Einem Bühnenstück, das sie vorletztes Jahr im Rahmen der Förderwerkstatt «Dramenprozessors» begonnen hat. Einem Kinderroman, der auf einen bereits abgeschlossenen, aber noch nicht veröffentlichten folgen soll. Und auch für erwachsene Leser will sie wieder ein längeres Stück Prosa wagen. «Es ermutigt mich, dranzubleiben und weiterzumachen mit dem Schreiben», sagt sie.

1974 in Herisau geboren und aufgewachsen, ging Eva Roth zunächst ans Lehrerseminar und wurde Primarlehrerin; ihre Stärken sah sie eher im Malen und Zeichnen. Das aber trat bald mehr und mehr in den Hintergrund. «Das Leben spielt eben so», diese Erfahrung hat sie öfters gemacht. In ihrem Fall spielt es Neigungen, Interessen und Fertigkeiten aus zwei Brotberufen einander zu. «Ich bin froh, dass ich Kinder nicht mehr beurteilen muss», sagt sie. Stattdessen bringt sie ihr Wissen über die kindliche Entwicklung, über das Denken und Fühlen im Alter zwischen dem «magischen» Weltbild und ersten Zweifeln in ihre Arbeit als Lektorin ein – und auch beim Schreiben ihrer Texte für Kinder.

In den Atlantis-Verlag lockte sie Hans ten Doornkaat, Doyen des Schweizer Bilderbuchs und Lektor ihres Bilderbuchdébuts «Unter Bodos Bett». Er schlug ihr vor, sich auf eine frei werdende Stelle zu bewerben. Immer noch teilt Eva Roth mit ten Doornkaat das schmale Büro im Verlag; unterdessen hat sie ihn als Programmverantwortlich abgelöst.

Schicht für Schicht zu einer Geschichte finden

2015, im selben Jahr wie «Unter Bodos Bett», erschien auch ihr erster Roman «Blanko». Sie erzählt darin von der Spurensuche einer Achtzehnjährigen nach ihren Wurzeln, dem unbekannten Vater, nach der Vergangenheit ihrer Mutter: in kurzen Kapiteln, nicht linear, eher wie geologische Proben aus tieferen Erdschichten. Mit ihnen befasst sich die Maturandin Ayleen in ihrer Freizeit. Die Form passte zur Lebenssituation, in der Eva Roth mit dem Schreiben des Romans begann: Einer Zeit, in der sie viel im Tram unterwegs war, 45 Minuten zwischen Enge und Höngg pendelte. Aus Zetteln und Notizen entstand in konzentrierten Schreibstunden eine Geschichte: Schicht für Schicht.

Werdenberger Autorin schreibt über Gewalt am Rande eines Fussballmatchs

Zwei Bücher, ein Titel: In der vierten Edition des Ostschweizer Verlags Da Bux hat die Werdenberger Autorin und Co-Verlegerin Alice Gabathuler eine Geschichte über entfesselte Gewalt am Rande eines Fussballmatchs geschrieben. «Krawallnacht» erzählt von einem Date zweier Jugendlicher, die in Luzern miterleben, wie das Chaos ausbricht.
Bettina Kugler