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Die Heimat in Bilder gefasst

Mit «Ex Voto» hat der Zuger Filmemacher Erich Langjahr dem Ort seiner Kindheit vor über 30 Jahren ein Denkmal gesetzt. Nun liegt der Film digital aufbereitet vor – und überrascht durch seine Zeitlosigkeit.
Andreas Faessler
Trudi Hegglin führt ein einfaches Leben. Erich Langjahr hat sie für «Ex Voto» in ihrem Alltag begleitet. (Bild: PD)

Trudi Hegglin führt ein einfaches Leben. Erich Langjahr hat sie für «Ex Voto» in ihrem Alltag begleitet. (Bild: PD)

Was bedeutet Heimat für mich? Manche wissen die Antwort in viele Worte zu fassen, hat Heimat doch so mannigfaltige Facetten, die nicht unbedingt nur einen geografischen Ort beschreiben. Für andere hingegen bedarf es weniger sprachlicher Ausführungen, für sie ist Heimat einfach ein Gefühl. Der Frage, was Heimat bedeutet, ist der Zuger Filmemacher Erich Langjahr in den 1980er-Jahren auf ganz individuelle Weise nachgegangen. Er griff seine Kamera und hielt Landschaft, Leben und Alltag an den Orten seiner Kindheit fest – es war für ihn das Einlösen eines Versprechens, die Erfüllung eines Gelübdes: seiner Heimat ein Filmdokument zu widmen. Aber es war auch ein Stück Selbstfindung – «Wer bin ich?» fragte sich Langjahr in zweiter Linie, als er sein Filmprojekt im Jahre 1986 umsetze. Entstanden ist «Ex Voto», ein 110 Minuten langer Dokumentarfilm der etwas anderen Art, welcher trotz seines Alters selbst heute – nach über 30 Jahren – noch immer mit Aktualität punkten kann. Denn Selbstfindung und das Sich-treu-Bleiben in einer so schnell sich ändernden Gesellschaft ist vom zeitlichen Aspekt losgekoppelt.

Hauptfigur in «Ex Voto» ist die bescheidene Trudi Hegglin aus dem Kanton Schwyz, die durch Heirat in ein einfaches bäuerliches Umfeld ins Zugerische Menzingen gekommen ist. Langjahr folgt ihr mit der Kamera bei ihren täglichen Tätigkeiten, die sie mit ihrem sonderbaren, zuweilen leicht verstörenden Gesang zu untermalen pflegt. Er begleitet sie, wenn sie ihrer kleinen, einfachen Welt für einen Moment entflieht und zu Fuss hinab in die Stadt steigt, um Einkäufe zu erledigen. Frau Hegg­lins Ausgeglichenheit und vordergründige Sorglosigkeit springen bald auf den Zuschauer über, vermitteln etwas wie das Gefühl von Geborgenheit. Und selbst dann, wenn Frau Hegglin mit einem Stock – unprofessionell und brachial – einen Hasen ins Nirvana kloppt, bleibt das romantisch verklärte Bild dieser scheinbar heilen Welt unversehrt.

Der Dialog zwischen Gegensätzlichem

Mit der Kamera sucht Langjahr in «Ex Voto» wiederholt Nebenschauplätze, die seine Heimat ausmachen – die Stadt, das einfache Klosterleben auf dem Gubel, den baulichen Fortschritt im Kanton, die Ausbeutung der Landschaft, Altes, das Neuem weicht ... Es sind stille, aber unmissverständliche Hinweise darauf, wie schnell sich die Welt verändert und ein potenzieller Verlust der Heimat droht. Indem der Filmemacher aber einen Dialog zwischen Gegensätzlichem schafft, gelingt es ihm auch, aufzuzeigen, dass das eine das andere nicht zwangsläufig verdrängt. Die Existenz von Traditionsbewusstsein und damit zusammenhängender Selbstidentifikation neben rasanter technischer Entwicklung und Fortschritt ist kein Ding der Unmöglichkeit, obschon es sich als Herausforderung erweist, dass sich Althergebrachtes behaupten kann. Erich Langjahr hat seinen Versuch, zu fassen, was Heimat ist – mitsamt allen Widersprüchen –, in einem stimmigen und zeitlosen Filmdokument vorgelegt und somit sein einstiges «Gelübde» erfüllt.

Digitale Restaurierung

«Ex Voto» ist nach Erscheinen wiederholt mit nationalen und internationalen Kunst- und Förderpreisen ausgezeichnet worden. 2011 erlebte der mittlerweile staubig gewordene Film ein Revival, als der Zuger Filmclub Fliz ihn im Kino Gotthard einem begeisterten Publikum vorführte und in vielen die Erinnerung an die eigene Jugend weckte. Der Film kann als bedeutendes immaterielles Kulturgut von Zug und der Schweiz eingestuft werden.

Nun ist «Ex Voto» mit Unterstützung von Memoriav, dem Verein zum Schutz des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz, sowie der Kantone Zug, Schwyz und Luzern und weiteren Gönnern restauriert, digitalisiert und somit «konserviert» worden. Im Rahmen der Generalversammlung von Memoriav wurde der aufgearbeitete Film im vergangenen Mai im Kino Seehof in Zug erstmals vorgeführt. Im Dezember läuft «Ex Voto» in mehreren Kinos (siehe Box unten).

www.langjahr-film.ch

Wo «Ex Voto» gezeigt wird

Luzern: Kino Bourbaki, Sonntag, 2. Dez., 11 Uhr. Einführung von Stefan Sägesser, Leiter Kulturbeauftragter Kanton Luzern, und Cécile Vilas, Direktorin Memo­riav, in Anwesenheit von Erich Langjahr.

Zürich: Kino Riffraff, Sonntag, 2. Dez., im Rahmen der Matinée.

Schwyz: Kino im Mythenforum, Montag, 3. Dez., 20.30 Uhr. Einführung von Franz-Xaver Risi, Kulturbeauftragter Kanton Schwyz. Erich Langjahr ist anwesend.

Zug: Kino Seehof, Dienstag, 4. Dez., 20 Uhr. Einführung von Stephan Schleiss, Regierungsrat Kanton Zug. Erich Langjahr ist anwesend. Bern: Kino Rex, Mittwoch, 5. Dez., 20 Uhr. Einführung von Matthias Lerf, Filmredaktor. Erich Langjahr ist anwesend.

Einsiedeln: Cineboxx, Sonntag, 9. Dez., 11 Uhr. Einführung von Franz-Xaver Risi, Kulturbeauftragter Kanton Schwyz. Erich Langjahr ist anwesend. (fae/PD)

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