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Theater Konstanz inszeniert Robert Menasses Roman «Die Hauptstadt»

«Die Hauptstadt», Robert Menasses vieldeutiger EU-Roman, vermittelt auf der Konstanzer Bühne ziemlich genau, was den Autor umtrieb.
Brigitte Elsener-Heller
Der österreichische Autor Robert Menasse. (Bild: Keystone)

Der österreichische Autor Robert Menasse. (Bild: Keystone)

Wird da wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben? Will da ­jemand Aufmerksamkeit erregen oder gezielt ablenken? Das Schwein, das im «Dorf Brüssel» auftaucht, ist jedenfalls auf Geheiss von Robert Menasse unterwegs, dessen Roman «Die Hauptstadt» 2017 den Deutschen Buchpreis erhielt. Rechtzeitig zur Europa-Wahl hat das Theater Konstanz den Roman auf die Bühne gewuchtet. Mark Zurmühle hat die Theaterfassung erstellt und bleibt nah an der Vorlage. Fünf Schauspieler und eine Schauspielerin (Politik bleibt ein männliches Geschäft) verweben die Erzählstränge in einem Raum, in dem nur eine verschiebbare Wand mal mehr, mal weniger Öffentlichkeit im Politischen wie Privaten gewährt. Im Prolog tritt als Erster David de Vriend (leise und anrührend: Peter Cieslinski) aus einem mythischen Gegenlicht. Durch das gesamte Stück zieht sich die Erscheinung des sanften alten Mannes, der den Holocaust überlebt hat und nun der Demenz sowie einer Pflegerin ausgeliefert ist.

Der Killer hat den falschen Mann ermordet

Eine weitere Gestalt bewegt sich ebenfalls in einem fast unwirklichen Raum rund um das Personal der Europäischen Kommission: Den Polen Matek Oswiecki (Sebastian Haase) hat ein spezieller Auftrag nach Brüssel geführt, an dem er «gescheitert» ist: Offenbar hat er den falschen Mann ermordet. Wie bei Menasse Glaube, innere Einkehr und ein Leben als Auftragskiller zusammengehen, ist kunstvoller Zierrat, dem sich Sebastian Haase überzeugend hingibt.

Ein seltsames Friedensprojekt

Doch wer sind die «Macher» in Brüssel? Etwa Fenia Xenopoulou (Johanna Link), Leiterin der Generaldirektion Kultur, was sie treffsicher als Abstellgleis interpretiert? Hilfe sucht sie in Büro und Bett des smarten Kai-Uwe Frigge (Georg Melich), der gut vernetzt ist und sich elegant zwischen den Fronten zu bewegen weiss. Um die Generaldirektion Kultur aufzuwerten, soll also ein Projekt zur 50-Jahr-Feier der Kommission entwickelt werden. Ausführender und damit Leidtragender wird Fenias Mitarbeiter Martin Susman (Dan Glazer), ein zart besaiteter und daher wehrloser Mensch.

Und dann kommt Auschwitz. Menasse erlaubt sich hier mehr als nur eine Schrecksekunde. Denn er lässt Auschwitz zum Gründungsmythos der EU erklären, des «Friedensprojekts Europa». Das Big Jubilee Project, wo anders sollte es also stattfinden? Und es gesellt sich gar noch «wissenschaftliche Expertise» zu dieser – literarischen – Idee, denn der traurig in die Jahre gekommene Professor Erhart (Ingo Biermann) präsentiert bei einem Think Tank die Idee einer Neugründung der EU mit neuer Hauptstadt. Wo? Ja, genau dort, wo sich Zukunft eigentlich nicht denken lässt.

«Moral war noch nie ein politisches Programm»

Feinsinnigkeit, die mal in Nebel getaucht ist, mal ästhetisch von farbigem Licht und eingestreuten Klavierakkorden getragen wird (Musik: Francesco Tristano, Artist in Residence beim Internationalen Bodenseefestival), wird kontrastiert mit einer clownesken Heiterkeit, von der man nicht weiss, ob man sie zulassen kann oder es sogar muss. Das Ensemble steht dabei vor der Herausforderung, aus einer Szene heraus Erzählstrukturen einzubinden, was sehr gut gelingt. Hier zeigt sich aber auch, dass der Romantext von dichter Struktur ist und sich nur wenig ausblenden lässt. Das einzige Manko dieses Abends. Trotzdem auch hier noch ein Zitat als Merksatz: «Moral war noch nie ein politisches Programm.»

Vorstellungen bis 26.7., Theater Konstanz, Stadttheater

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