Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Viertes Album von Stahlberger: Die Grundstimmung ist bodenlos

Morgen erscheint das vierte Album der St. Galler Mundartband Stahlberger. «Dini zwei Wänd» klingt elektronischer als seine Vorgänger. Manuel Stahlberger besingt poetisch und lakonisch die Stimmungslage.
Philipp Bürkler
Die fünf St.Galler sind meistens in Anzügen unterwegs: die beiden Brüder Christian und Dominik Kesseli, Manuel Stahlberger, Marcel Gschwend und Michael Gallusser. (Bild: Adrian Elsener/Eisbüro)

Die fünf St.Galler sind meistens in Anzügen unterwegs: die beiden Brüder Christian und Dominik Kesseli, Manuel Stahlberger, Marcel Gschwend und Michael Gallusser. (Bild: Adrian Elsener/Eisbüro)

Die Weltuntergangs-Hymne «Klimawandel» ist bereits zehn Jahre alt und das letzte Stahlberger-Album liegt auch schon wieder fünf Jahre zurück. Die meisten Bandmitglieder haben in dieser Zeit eigene Projekte verwirklicht. Songschreiber Manuel Stahlberger veröffentlichte ein Soloalbum und trat als Kabarettist regelmässig im Fernsehen in einer Late Night Show sowie auf zahlreichen Kleinkunstbühnen auf. Schlagzeuger Dominik Kesseli und Gitarrist Michael Gallusser starteten mit ihrem Duo Lord Kesseli and The Drums durch. Bassist Marcel Gschwend ist unter dem Namen Bit-Tuner international als Elektronikproduzent erfolgreich.

Ausprobieren, Weglassen und Neugestalten

Nun die überraschend kurzfristige Ankündigung eines neuen Albums: «dini zwei Wänd» heisst es und ist tanzbarer und elektronischer als alles was Stahlberger bisher fabriziert haben. Dabei hatten die Ostschweizer gar nicht die Absicht, ein derart elektronisches Album zu machen. «Es war kein bewusster Entscheid, elektronischer zu werden», erklärt Manuel Stahlberger in seinem kleinen Aufnahmestudio in St. Gallen. Die Band habe sich Ende 2017 im Studio getroffen und einfach darauf los gejammt. «Dominik und Michael haben zusammen das Gerüst aus Beats gebaut und Bit-Tuner hat mit dem Synthesizer verschiedene Melodien ausprobiert.» Als Ergänzung zum akustischen Schlagzeug spielte Dominik Kesseli mit dem Drum-Computer zusätzlich einige Rhythmen.

Das gesamte Album ist durch instrumentelles Ausprobieren, Weglassen und Neugestalten gewissermassen nach dem Prinzip Versuch und Irrtum entstanden. Teileweise hätten sie bis zu fünf verschiedene Versionen von einem Lied aufgenommen.

Auch die Texte von Manuel Stahlberger sind nicht im üblichen Prozess des Songschreibens entstanden, sondern Stück für Stück zusammen mit der Musik im Studio gewachsen. «Als wir uns das erste Mal zum Jammen trafen, hatte ich nur fünf Songtexte fertig», erzählt der 44-jährige. Aus den anfänglichen fünf wurden letztendlich zwölf sehr persönliche, teilweise düstere aber immer sehr stimmungsvolle und bildhafte Lieder. Es sind Songs zwischen plastischen Alltagsbeobachtungen und fragmentarischen Traumwelten. «Ich träume gerne, aber meistens kann ich mich nicht daran erinnern.»

Blutbad auf dem Pausenhof

Das Lied «Wieder i de Schuel» basiert auf einem Traum, oder viel eher Alptraum, den Stahlberger tatsächlich geträumt hat und an den er sich interessanterweise erinnern konnte. Stahlberger sitzt in diesem horrorartigen Traum in einem Schulzimmer und schaut aus dem Fenster. Draussen steht ein Riesenrad von dem eine Frau mit einem Ballon hinunterfällt. «...Und d Lüt springed häre, sie bewegt sich nöd, und s Rieserad haltet, e Truube um d Frau, jetzt gseht me sie nüme, aber öppis wo ufstigt, de Ballon...», heisst es in den Zeilen. Es ist wahrscheinlich eine fest verankerte Fügung, wenn Stahlberger von der Schule als Blutbad träumt. Seine Schulzeit sei nicht mit positiven Erinnerungen verbunden. «Ich konnte mich nicht darauf einlassen und habe mich verweigert und gelitten.» Er habe sich in seine eigene Welt zurückgezogen und still rebelliert. Diese Orientierungslosigkeit beschreibe sehr trefflich das Grundgefühl des neuen Albums. Die Grundstimmung sei bodenlos.

Bildhafte Songs und freie Interpretation

Das wohl persönlichste Lied ist «chline Fisch», wo es um eine Frau geht, deren Wohnung einem Aquarium gleicht. «Vo de Stube i d Chuchi bruucht sie drü, vier Täg, und zum Kafi mache hät sie drü, vier Stund», heisst es darin. Es ist ein Lied das ziemlich deprimiert anmutet und die wahre Geschichte dahinter offenbar so niedergeschlagen ist, dass Stahlberger gar nicht darüber reden mag. «Als Bild ist der Song eindeutig, aber die eigentliche Bedeutung bleibt verborgen.» Überhaupt sei es jedem selber überlassen, wie seine Texte zu interpretieren seien. Nicht selten sei er sogar überrascht, wenn jemand seine eigene Deutung erzähle.

Eine weitere Figur ist der «Stadtyeti», der verschwunden ist und irgendwann von allen vergessen wird, «aber irgendwo muess er sii.» Die Geschichte über ein Stadtoriginal hat Stahlberger bereits auf der letzten Tour zwischen den Songs dem Publikum erzählt und fortlaufend ausgeschmückt. Erst beim Schreiben für das neue Album sei ihm diese alte Geschichte wieder in den Sinn gekommen.

Bald gehen Stahlberger mit den neuen Songs auf Tour. Man darf gespannt sein, welche neuen Geschichten Manuel Stahlberger dieses mal einfallen werden.

Hinweis

«Dini zwei Wänd» erscheint morgen Freitag. Tourstart wird am 19. und 20. April mit einem Doppelkonzert im Palace St. Gallen gefeiert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.