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Obwaldner beschäftigt sich mit der grösster Naturgewalt: dem Menschen

Der Obwaldner Moritz Hossli porträtiert in seiner neuesten Installation im Aargauer Kunsthaus Gletscher und Menschen. Dabei wird klar, dass wir einen verderblichen Einfluss auf ein Phänomen haben, das früher als Bedrohung gesehen wurde.
Elisabeth König
Der Obwaldner Künstler Moritz Hossli vor einem seiner Gletscherbilder. (Bild: Colin Frei)

Der Obwaldner Künstler Moritz Hossli vor einem seiner Gletscherbilder. (Bild: Colin Frei)

Früher stellten Gletscher eine Gefahr für die Menschen dar. In Anbetracht des Klimawandels hat sich dieses Verhältnis inzwischen gekehrt. Im Rahmen von Caravan, der Ausstellungsreihe für junge Kunst, zeigt das Aargauer Kunsthaus eine mehrteilige Medieninstallation von Moritz Hossli, die das Spannungsfeld Mensch/Gletscher mit poetischer Bildsprache in ein neues Licht rückt.

Wer die Ausstellung betritt, sieht als Erstes zwei grosse Projektionen, die in wechselnder Abfolge Flugbilder von Gletschern in Grau und Weiss darstellen sowie Menschenfiguren im Farbspektrum von Rot, Gelb und Blau. Auf der Wand links der Monitore ist ein Gemälde des Rohnegletschers von Caspar Wolf zu sehen. Ergänzt wird die vierteilige Installation mit einer Infrarotlampe und einem Ventilator: Die Luft im Ausstellungsbereich wird gleichzeitig aufgewärmt und gekühlt.

Beten gegen die Gefahr

Moritz Hossli, 1990 in Giswil (OW) geboren, arbeitet in Giswil, Luzern und Berlin. Ihn interessieren die Spuren, die Menschen hinterlassen, wenn sie in die Natur eingreifen. Auf der Suche nach neuen Bildwelten nutzt er bevorzugt das Medium des Films. Als Ausgangspunkt für die aktuelle Medieninstallation diente ihm ein religiöses Ritual, welches im Jahr 1678 im Walliser Bergdorf Fiesch seinen Anfang genommen hat. Die Dorfbewohner hatten den päpstlichen Segen eingeholt, um gegen die Ausbreitung des Aletschgletschers – ein potenziell gottgewolltes Naturphänomen – anzubeten. Ab 1862 durften die Fiescherinnen und Fiescher dann zusätzlich eine Prozession abhalten, um die Bedrohung in Schach zu halten.

Doch heute sind die Eismassen stark zurückgegangen. Also hat die Fiescher Bevölkerung das Gelübde inzwischen umgekehrt und betet bis heute gegen das Verschwinden des Gletschers an. Kein Wunder: Tourismus, Landwirtschaft und Elektrizitätsversorgung sind stark vom Naturphänomen abhängig. Der Obwaldner Künstler Hossli interessiert sich dafür, wie sich das Verhältnis der Fiescherinnen und Fiescher zum Gletscher im Laufe der Zeit und mit zunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnissen gewandelt hat. Dafür setzt er eine eigene, sich der Abstraktion nähernde Bildsprache ein.

Für die projizierten Menschenfiguren hat Hossli eine Wärmebildkamera eingesetzt. Es sind Porträts von Menschen, die sich in der Bergwelt des Gletschers aufhalten: ein Bergsteiger, Wanderer, eine kleine Gruppe von Klimademonstranten und ein Forscherteam. Auch die religiöse Prozession der Fiescherinnen ist als Reinszenierung abgebildet. Durch die Wärmebildkamera sind die Menschenfiguren verfremdet; sie werden quasi reduziert auf die Wärme, die sie ausstrahlen. Man spürt förmlich, wie das Eis unter ihren rotleuchtenden Körpern schmilzt. Hinzu kommen die Wärmelampe und der Ventilator, die für warme und kalte Luftströme sorgen.

Drastisch gezeigte Vergleiche

Die mit Drohnen aufgenommenen Flugbilder sind über dem Rohne- und dem Aletschgletscher entstanden, aber es gibt keine Anhaltspunkte dafür, wo man ist: Im Vordergrund liegen die Strukturen und Formen des Gebirges und die Eismassen, die, um den Schmelzvorgang zu verringern, zum Teil von Stoffbahnen bedeckt sind. Das Gemälde von Caspar Wolf dient als historische Referenz dafür, wie weit der Gletscher im 18. Jahrhundert noch ins Tal hineingereicht hat, und verdeutlicht, wie drastisch die Gletscherschmelze bereits vorangeschritten ist. Hossli bringt es in einem Satz auf den Punkt: «Es ist immer wichtig, dass man in die Vergangenheit schaut, um in die Zukunft blicken zu können.»

Das primäre Interesse des Künstlers gilt der Bildästhetik und dem Umgang des Menschen mit Naturphänomenen. Und gerade weil die Bilder so schön sind, macht Hossli mit seiner Arbeit darauf aufmerksam, dass die grösste Naturgewalt vom Menschen selbst ausgeht.

Moritz Hossli: «Periglazial», Aargauer Kunsthaus. Bis 11. August. Vernissage: Freitag, ­ 17. Mai, ab 18 Uhr.

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