«Die Grenzgänger-Situation hat mich geprägt»

Die Thurgauer Choreographin, Regisseurin und Tanzlehrerin Elja-Duša Kedveš hat sich stets zwischen verschiedenen Kulturen bewegt und sich von ihnen inspirieren lassen. Derzeit erarbeitet sie «Die Fledermaus», die fünfte Operette unter Jean Grädels Regie und die vierte für das Theater Arth.

Dieter Langhart
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Elja-Duša Kedveš (Bild: pd)

Elja-Duša Kedveš (Bild: pd)

Sind Sie nervös, knapp zwei Wochen vor der Premiere?

Elja-Duša Kedveš: Ja, das gehört wohl dazu – die Endprobenphase erfordert von allen Beteiligten immer vollen Einsatz, damit es gelingt, und bis zur Premiere hin müssen wir, die im Hintergrund die Fäden ziehen, alle Verantwortung an die Akteure auf der Bühne abgeben können, dann haben sie es in der Hand…

Was gibt Ihnen Sicherheit bei den Proben, was bleibt unwägbar?

Kedveš: Die grösste Sicherheit geben mir meine stets genaue Vorbereitung und die Kenntnis meiner Kollegen. Notwendige Anpassungen und Unerwartetes gibt es immer, aber wir sind flexibel und finden stets eine Lösung.

Johann Strauss' «Fledermaus» ist die fünfte Operette unter Jean Grädels Regie, für die Sie die Choreographie entwerfen. Schon Routine oder noch immer Spannung?

Kedveš: Wir sind ein wunderbar eingespieltes Team und ich freue mich jedesmal, wenn ich wieder mit ihm arbeiten darf. Also keineswegs Routine, sondern das Vertrauen eines gemeinsamen Kunstverständnisses – die beste Basis für kreative Entfaltung.

Jean Grädel hat einmal gesagt: «Die Schwyzer sind ein Volk von Theaterspielern.» Gilt das auch für die Thurgauer?

Kedveš: Ich habe im Thurgau eine grosses Interesse an und Unterstützung von künstlerischer Arbeit kennen und schätzen gelernt. Die Thurgauer sind auch besonders offen für neuartige Ausdrucksformen und kritische Themen – ob das an der Grenznähe liegt? Vielleicht sind die Schwyzer besonders aktive Spieler und die Thurgauer besonders dankbare Rezipienten?

Sie sind in Konstanz geboren und im Thurgau aufgewachsen. Was verbinden Sie mit Heimat?

Kedveš: Ich bin zwar in einem Konstanzer Krankenhaus geboren, mein Elternhaus liegt jedoch in Tägerwilen. Ich habe die Schulen in Konstanz besucht, die Grenzgänger-Situation hat mich sehr geprägt. Mein Vater ist aus Kroatien, meine Mutter Innerschweizerin – und ich habe mich intensiv mit andern Erdteilen und Sprachen beschäftigt. Die Offenheit für verschiedene Kulturen, von denen ich mich immer gerne beeinflussen liess, und eine Sehnsucht nach dem Wasser sind bestimmt zwei Elemente aus meiner Heimat, die mein Leben mitbestimmt haben.

Welches Stück steht zuoberst auf Ihrer Wunschliste?

Kedveš: Seit längerem möchte ich ein Musiktheater basierend auf dem Film «Et maintenant, on va où?» verwirklichen. Ich suche noch ein Theater, mit dem ich dafür kooperieren könnte…

Sie haben zuerst Mathematik und Philosophie studiert. Was nützt Ihnen mehr bei der heutigen Arbeit?

Kedveš: Alles, was man lernt, erweitert den Horizont und bringt einen weiter. Wenn ich ein Stück auswähle und bearbeite, hilft mir eher der philosophische Hintergrund; meine gute räumliche und zeitliche Vorstellungskraft, die eng mit der Mathematik verbunden sind, sind Grundpfeiler für die Choreographie. Ebenso bereichert mich bei der Entwicklung eines Stückes, dass ich mir neben dem grossen Latinum auch die Sprachen Spanisch, Französisch, Englisch und sogar etwas Arabisch angeeignet habe.

Premiere: Sa, 17.1.; theaterarth.ch